Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 40 (8.10.1863)
- Date
- 1863-10-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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727 728 Auf die Anführung zahlreicher, unS hier zu Gebote stehender Beispiele verzichtend, berufen wir uuS nur auf daS, waS unser gelehrter Freund, Dr. M. Wiener in Nr. 22 d. Bl. vachgewieseu hat. Aber in Ansehung der Kabbala und de- Sohar Hütte Herr Dr. Gr. eine Ausnahme von seiner Marime im Zitiren machen sollen. Da er die unkritische Apologie deö Sohar von David Loria einer Widerlegung j würdigte, hätte er den kritischen Versuch SternS, über die j Komposition des Sohar Licht zu verbreiten, ebenfalls einer Prüfung unterziehen sollen. Vielleicht entschließt er sich, dies nachträglich zu thun, und dabei auch nachstehenden Bemerkungen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Daß der Sohar erst im dreizehnten Jahrhundert an'S! Licht der Welt trat, geben selbst die Kabbalisten zu. Die! Differenz zwischen ihnen und den Kritikern liegt rücksichtlich der EntstrhnngSzeit deS Sohar darin, daß sie denselben j ans R. Simon b. Jochai zurückführen, während die Kritik , die Unmöglichkeit dieser Autorschaft siegreich nachwcist. Dieses! negative Resultat ist über allen Einwurs und Zweifel; erhaben. Schwankend sind dagegen die Ansichten der Kritiker; über die positive Seite der Frage: wen der Sohar zum; Verfasser habe, und auS welchen Quellen seine und über- Haupt die kabbalistischen Doktrinen gestoffcn seien, die seil . dem dreizehnten Jahrhundert immer entschiedener hervortre- I ten, und seitdem einen so mächtigen Einfluß auf daS Inden- > tk'niii anSuben. Man hat die Fäden der Kabbala an ten! ParsiSmnS, NeuplatoniSmuS, GnostiziSmuS, SufiSmus an- ן ziiknüpfen versucht < Frank, Nachmau Krochmal, Munk, Tholuk). Herr Dr. Gr. dnrchschueidel diese Fäden mit seiner kritischen Scheere. Gr räumt zwar ein, daß eS nicht mit Gewisiheit angegeben werken kann, woher die ersten Kabbalisten ihre dem NeuplatoniSmuS entlehnten Grundprinzipien entlehnt haben (S. -158); daS steht ihm aber fest, daß die Kabbalisten deS dreizehnten Jahrhunderts von denen der frü- Heren Zeiten durch eine Kluft getrennt werden, über welche keine Brücke führt. Nach seinem Dafürhalten kann eS ״nicht zweifelhaft sein, daß die Lehre der Kabbala erst zur Zeit entstand, als die Bewegung gegen die maimunische Richtung im Judenthume anfing, und daß sie gegen dieselbe rea, giren wollte (Das.)." DaS erste Auftreten der Kabbala beschreibt Dr. Grätz mit den Worten: ״In die durch den Streit für und gegen Maimnni entstandene Spaltung keilte sich eine Afterlehre ein (S. 73)." Man hat sich also die kabbalistische Propaganda nicht als ein Weiterfpinnen vorhandencr Fäden, nicht als Fortsetzung eines gegebenen GewebeS, sondern als Einkeilung eines ganz fremdartigen Kör« perS zu denken. Diese Anschauung ist wirklich ueu und originell. Sie rechtfertigt aber wenig die Wegwersung, mit welcher Dr. Gr. sonst von den Meistern der Kabbala spricht. Denn wer daS Gesetz der geschichtlichen Eontinuität kennt, wird sich kaum des GeständutsseS erwehren können, daß die Kabbalisten, die ihr kiterärifcheS und praktisches Wirken diesem so strengen und unerbittlichen Gesetze, daS sein Gepräge allen historischen Entwickelungen so unverkennbar aufgedrückt hat, zu entziehen im Stande waren, nicht ohne Derechtigung sind, sich der Wunderthaten zu rühmen. Ist aber daS EinkeilungSwunder wirklich geschehen? — Da Herr Dr. Gr. die Kabbala als Erzeugniß der Reaktion gegen die Maimonische Richtung darstellt, klammert er sich an die Angabe der Kabbalisten, welche Jsak den Blinden auS PoSquiürS •י) als einen ihrer ersten Koriphäen und Be, gründer bezeichnen. Dieser ״ragte in daS 13. Jahrhuu« dert hinein (Z. ckck7)," da sein Vater, der berühmte An« tagonist MaimuniS, Abraham ben David, am 27. No, vcmber 11984) starb; und da die MaimonideS-Fehde wirk, lick im 13. Jahrhundert entbrannte, so ist die Gleichzeitig, keil der beiden Thatsachen, — die Verdammung der Maimonidischen Religionösilosofie und die Erfindung der Kab, bala, — sichergestcllt. Allein eine schwache Seite hat schon dieses Raisonnement. Die fragliche Verdammung hat erst 1232 stattgesnnden; wie konnte also der schon 1238 gestor, bene R. Asriel ein vollständiges kabbalistisches System ausstellen (119—153)? Vollends unhaltbar wird aber die Hypothese deS Herrn Dr. Gr., wenn man sie von R. Jsak dem Blinden aufwärts verfolgt. Die Kabbalisten berichten nämlich, daß R. Jsak einen Lehrer in der Kabbala batte, und zwar seinen eigenen Vater R. Abraham. Ist dieser Bericht geschichtlich, so muß die Kabbala schon vor 1189 gepflegt, und sie kann mithin nicht nach 1232 erfunden worden sein. Um nun seine Position nicht aufgebcn zu müffcn, eröffnet Dr. Gr. ein Bombardement gegen die Relation der Kabbalisten: ״Abraham auS PoSqniüreö," sagt er, ״bediente sich einmal einer pomp, haften Phrase bei einer unbedeutenden Halacha-Firirung: ״״Elia oder der heilige Geist ist seit Jahren in unserm Lehrhause erschienen (Hilch. Lnlab. 8, 5)."" Dar« auS ganz allein haben die Kabbalisten entuommen, der Profet Elia oder der heilige Geist sei mit dem Rabbiner von PoScMreö in Verkehr gewesen, und — da sein Sohn Kabbalist war — habe ihm kabbalistische Offenbarungen gebracht, die er nur seinem Sohne überliefert halte M15)." Also: ״daraus gavz allein" kann auf R. Abr.'S kabbalistisches Studium geschlossen werden! Dem Ut aber ganz gewik nicht so. Denn indem R. Abraham der Maimonidischen Erklärung von 2 M. 33, 23. widerspricht, erklärt er die daselbst vorkommendeu AnthropomorsiSmen für ein großes Mysterium, daS nicht jedem Menschen mitgetheilt werden darf, und fügt hinzu: ״der Verfasser (MaimonideS) hat vielleicht dieses Gehelmuiß nicht gekannt." *) Hieraus ist nun ersichtlich, daß R. Abr. die mystische Schrift-