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Ben Chananja · 1863-10-01 · 39 (1.10.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
39 (1.10.1863)
Date
1863-10-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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707 708 Die nueigentlichen Ausdrücke bilden eiaeu Haupt« «heil der Kulturgeschichte, ohne daß man eS weiß. Zwar sind sie iu alleu Sprachen in guten Wörterbüchern gesammelt. In ihrer Zerstreutheit aber sind sie dem Leser nicht übersichtlich genug, sind deshalb auch nicht so bekannt, als sie eS sein sollten. Eine Sammlung derselben — die filoso« fische Anschauung des Sammlers als Seele derselben — wäre sehr nützlich. Wir heben alS Probe vorläufig Folgendes auS: Der Ausdruck ״das Wasser deS Gesichts* ist fcbr oft bei orientalischen Schriftstellern gebraucht. Das öftere Vorkommen desselben macht aber dessen Ursprung übrigens nicht klarer. Die jüdischen Gelehrten der maurischspanischen Periode führten denselben in die hebräische Lite« rainr ein. ג) Die Seltenheit des Wassers in diesen Ländern mochte ursprünglich diesen Ausdruck erzeugt haben. Im Tal- ,und scheint dieser Ausdruck selten vorzukommen. Wir halten den folgenden damit in Verbindung stehend: (6זחלין אפיה ״ דבר פ־יאfraG Gesicht von BarPadla glänzte." Nach der angeführten arabischen Redensart heißt dieses eigent« lich das Wasser deS Gesichts strömte herab. Uneigentliche Ausdrücke sind der Vorhang, worunter die Gedanken verborgen liegen, wie der König hinter dem Vorhänge. Schon im Midrasch ist die Rede ״von dem Könige, welcher hinter sieben Vorhängen sitzt." ד) Die Si:le ist im Oriente sehr alt, und ist bei arabischen Schriftstellern oft und mannigfach benutzt. DaS verschleierte Bild zu SaiS gehört im Allgemeinen zu dieser Reibe von Anschauungen, obwohl der innere Gedanke eine andere geistige Richtung hat. GS ist tiems eine der geistreichste, allegorischen Anschauungen deS AlterrhumS. Daö AUerheiligfte im jüdischen Tempel war durch einen Vorhang geschieden. GS darf als Svmbol gelten, und ward anch in mannigfacher Weise so gedeutet. Nach einem Bilde deS Korans sprechen beschauliche Filososea der Araber von 70,000 Vorhängen, welche die Gottheit verbergen. DaS Bild au sich ist allgemein und leicht verständlich, die Hyperbel der Zahl ist echt orientalisch. GS ist die Zahl, welche die Dinge verbirgt, sehr mannigfach. Gs ist die ausgesprochene Zahl für die weitschweifende Fantasie, nicht für die zählende und wägende Mathematik bestimmt. *) 2m Talmud finde! sich auch zuweilen der Ausdruck מאחורי הפרגוד von hinter dem Vorhang. Im Jonathan zum Pentateuch (0. M. I. 37, 17) heißt dieses מבחר סרנודא. Die höchsten Engel—z.B. der Erzengel Gabriel — hören nur gewisse Sachen ״von hinter dem Vor« hau ge." DaS Wesen und der Rath der Gottheit ist nach für sie uuerforschlich. Wen» gewisse Menschen Manche- ״von hinter dem Vorhänge" hörten,- so ist dieses als eine große Ehre zu betrachten. ES war daS Unbekannte, daS Dunkle der ganzen Menschheit und folglich auch deS einzelnen Menschen, welchehinter dem Vorhänge verborgen ist. Die Refleriou deS De« trachtenden erklärt sich daS Gehörte — in der eigenen Brust — nach ihrer eigenen Weise. Der König — im Orient —, die Zukunft, die Probleme der Menschheit, die Erkennt«iß ״wadie Welt im Innersten zusammeuhält"9) die Wahrheit, die Gottheit, alle sind, so zu sagen, hinter dem Vorhänge. Waö hinter dem Vorhang ist, weiß Niemand, die Vermuthuugen darüber aber bilden den größten Theil der Geschichte der Menschheit. Das מאהוד׳ הפרגוד ist ohngefähr synonym mit בח קול. Beide sind in den Tiefen des Gemüths ruhend. '") I» dem Ausdruck מאהוד׳ הפרגוד liegt ein Stück des alltäglichen Lebens. Bei unS spielt der Vorhang nicht diese Rolle, wie im Orient, daS Bild wäre nur als eine Metapher zu betrachten. Der Ausdruck בח קול — mancher Auslegungen fä« hig ") — giebt deshalb mehr Spielraum für die Fantasie sowohl deS Philologen, als deS Filosofen. Im verlornen Paradies hat Milton '*) die Worte: Gott gab als einzige Tochter seiner Stimme. Mil« ton war theologisch gelehrt und hat wohl in irgend einem lateinischen Buche etwas über daS talmudische Bath Kol gelesen haben, und hat dieses in seiner eigenen poetischen Anschauung so gegeben. Die allgemeine Anschauung deS ׳ Dichters begegnete sich mit der speziellen deS Talmud- ES findet sich auch im Talmud zuweilen daS Wort מהיצה (Wand, Abtheilung), welches in gewisser Hinsicht geistige Anregung darbielel. Das ״Mechiza" enthält die Idee von Rang, Position. Mechiza scheidet im Range die Wesen, die sonst in anderer Hinsicht gleich sind. Ist auch die Betrachtung diese- Gegenstandes einer andern Gelegenheit aufzusparen, so möge hier eine Stelle wenigstenvorgeführt werden. Zu den Worten (Samuel l. 28, 19) הנך מהר — עמי ״du wirst morgen bei mir sein" heißt eS im Midrasch >*) ״ עמי במחיצתיmit mir in meiner Abtheilung" d. h. im Paradies. Der Vorhang wirk gelüftet fein, der Rang auch im Allgemeinen bestimmt. Eia Todter hat diese Worte zu einem Lebendigen gesprochen. Sie sind als מאהוד׳ הפרגוד zu betrachten. Die Schlußworte von GötheS Faust lassen einen tiefeu Eindruck in der Seele des Leserzurück: »Sie ist gerichtet" — »und gerettet."

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