Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 35 (26.8.1863)
- Date
- 1863-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542954--3274-2547136- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
615 616 Der Sein wird au die große Heerstraße der philologischen Destrebnogeu hingestellt, uod c< werden ihm die Autoren vorgeführt, mit der Angabe ihrer Titel und Ansprüchen auf kleinere« oder größere« Maß von Nasterblichkeit, begleitet mit einem Urtheile, oder mit etwa«, wa« einem solchen ähnlich sieht. Der Zug der Autoren ist lang, von alle» Theileu der Welt, Joden und Christen ziehen heran. E« kömmt auch der alte Schulmeister von Geroua, David Kimchi. Große Strecken, chrono, logisch und geographisch, sind durchlaufen worden. Duke« uod Steinschneider find al« Geurral-Quartiermeister bereit« lange vorher durch einen Theil dieser Strecken gewandert, und von Deiden hat jeder nach seiner Weise künftigen Reisenden auf diesem Gebiete gar manche« vorbereitet und zurückgeleg». Wie bereits gesagt, auch David Kimchi kömmt herangezogru. Dieser Manu (sagt der einleit.nde Historiker) ist derjenige, welcher den Michlul und Schoraschim geschrieben hat. Nach einigen aslgenicinen Worten bibliographischen Inhalt« fahrt drr Verfasser fort: ״Man ist ihm (Kimchi) wohl Verbind« lichkriteu schuldig, aber er besaß weder Jnstim kt genug, noch kaunte er die Fund ame nt a l g e scße der hebräischen Sprache genau genug, um sie zu bemeisteru je. 1c.“ Don Nrtheilcn dieser Art ist ein einzige« für ein ganze« Zeitalter vollkommen hinreichend. Dtc Löwin gebärt nur ein 2»nge«, aber r« ist — ein Löwe! ״Dir Geschichte ist das Weltgericht". Diese Worte Schiller«') flattern wie ein wirkliche« Sprüchwort allenthalben herum. יבלים ידברו• »Die Zeiten reden". Bei David Kinichl haben die Zeiten sehr vernehmlich gesprechen. lieber seinen Werth haben sechs Jahrhunderte sich ein st immig erklärt. (Vergl. auch weiter unten). Der thalmiitische Satz — ursprünglich juridischer Natur — '״ המוציא מהברז עליו הראיDer, welcher die Forderung macht, muß beweisen", dal auch seine Geltung in der Literaturgeschichte. Betrachtet die Welt ihr Uethcit über Etwa« al« ihr E i g e n t h u m, und Jemand will ihr den Besitz streitig machen, so muß er vollgültige Beweise dafür bringen. Es ist ganz natürlich, daß der moderne Gramma liker, welcher der Welt ihr Nrthcil über Aimchi, nach einem so laiigen Besitz, streitig mache» will, nun auch nuangreisbare Be-׳ weise sür seine Meinung darbringr. Hat er wirklich Beweise gebracht? allerdings. Beweisen dieselben etwa«? Alle«, uur nicht da«, wa« zu beweisen war. Wa« beweisen sie denn eigentlich? Die« wird sich im Verlauf» ergebet». Ein Beispiel mag zur Probe auSgchoben sein. ״Von dem Worte ואנושה (Psalm 69, 21) nimmt Kimchi die Wurzel אנש" während doch Spuren hindeutrn, daß die Wurzel נ1ש sei." Es sind die« die eigenen Worte de« modernen Grammsliker« und die« ist einer der Beweise sür Schwäche des Kimchi ia der hebräischen Sprache. Wie die Worte gestellt sind, so glaubt der Leser, daß gestern irgend ein Sprachgenie erster Classe die Entdeckung machte, daß גלש die Wurzel von ואנושה sei. Wenn rin Sprachgenie gestern diese Entdeckung wirklich gemacht hat, so verehren wir aufrichtig seinen Scharssina. Zugleich aber müffeu wir demselben unser Bedauern au«- drücken, daß er viel zu spät aus dir Welt kam. Denn nach geschichtlichru Urbrrlirserungen. welche gar keinen Raum sür den kleinsten Zweifel übrig lassen, hat Jona bro Ganna ch diese Entdeckung bereit« vor 800 Jahren gemacht. JA diese Entdeckung aber dem Krmchi unbekannt geblieben? E« ist diese« auch dem äkimchi gar nicht uubekauat gewesen, er führt diese« im Name» de« Ben Gannach selbst au. er bemerkt aber zu» gleich dabei, daß er, da diese Wurzel sich nicht im Hebräischen findet'). אנש al« Wurzel aunimmt. Man ha» hier eine Geschichte der grammatischen Analyse eine« schweren Worte« vor sich, welche« drr moderne Grammatiker unbeachtet gelassen hat. Bei einem solchen Verfahren verliert alle Welt. David Aimchi gebührt die Ehre, auf etwa« zurrst aufmerksam gemacht zu haben. Der Leser verliert eine geschichtliche Thatsache und zugleich rineo guten Theil Le« Respekt« vor der historischen Genauigkeit des moderneu Grammatiker«, und der Recensent verliert da« Unentbehrlichste — dir Geduld. Da die anderen Beispiele ohngefähr derselben Art find, so brauchen sie auch nicht speziell ansgrhobcn zu werden. Auf Aehnliche« haben wir bereits oben (S. 558) aufmerksam gemacht. Die Worte Instinkt und Fundamentalgesetze sehen Re- Präsentanten von Begriffen ähnlich. Ob dtrses wirtlich der Falt ist oder nicht, scheint der Betrachtung wohl werth zu sein, da von diesen Worten doch die Validität de« Uriheil« selbst abbängt. Wir köunen nicht von hier scheiden, bevor wir nicht die angeführten Wörter al« Nägel gebraucht haben, um Bemerkungen daran zu knüpfen. Der Instinkt ist überhaupt unklar. Er sieht zwar manches von den Dingen, aber nicht da« Ganze derselben. Wie in der Dämmerung, wo die Umrisse und Farben der Dinge nicht klar gesehen werden. .אספקלריא שאינה מאירה ist der thalmudische Ausdruck. Alle menschliche Erkenntniß sängt so an. Die wirkliche Erkenntniß entdeckt die Gesetze, nach welchen die Dinge auseinander folgen. Dir Unklarheit drr Dämmerung wird von dem Sonnenlicht verdrängt. So war es auch allenthalbeu auf dem Gebiete der Grammatik. In der Geschichte der hebräisch - grammatischen Studien hat sich dasselbe ereignet, dort sind Menachrm den Seruk lder erste Lerikograph) und Dona sch den Librat diejenigen, welche man als dir Repräsentanten des Instinkts bezeichnen kann. Es haben beide mehr oder minder allgcnicine Erkciiiitnissc von der Analogie und Anomalie der Wörter gehabt, und haben nianchr« richtig aber dunkel geahnt. Mit eine», Worte: die w irkliche hebräische Grammatik war damals noch nicht geboren. Mi» Je hu da Ehajug ist das Zeitalter des Instinkt« ganzlich und sür immer vcrschwundeu. Er hat die hebräische Geammaiik entdeckt. Jona den Gannach har da« richtige leitende Prinzip schon fertig vorgefunden tjjid hat grauimatisch Einzelne« hinzugefügt, manche« ergänzt u. s. s. Der erste Lerikograph der wissenschaftl,- chen Periode zu sein, ist sein unauslöschliche« Verdienst. Mehr al« ein Jahrhundert ist verflossen zwischen tieseo zwei genannten Männern und Kimchi. Letzterer kannte die Werke der erstgenannten. Wenn diese — wie die allgemeine Voraussetzung ist — die Fundamentalgesetze der hebräischen Sprache kannten, so muß sie folglich auch Kimchi gekannt haben, weun man nicht anoeh« men wostte, daß sie iu der Zwischenzeit vergessen wurden, wozu doch kein historischer Grund vorhanden ist. Der Grniu« der Geschichte hat nicht die Feder de« Autor« geführt beim Niederschrriben diese« Uriheil« (oder genauer gesprochen Orakel«). Auch die allgemeine Logik war — wie e« scheint — iu weiter Entfernung davon. Haben wir früher gesagt, daß mit Chasug der Instinkt verschwundro sei, so ist »och ergänzend hinzuzufügen, daß diese« von drr bloßen rein grammatischen Analyse der Wörter zu verstehe» sei. Der Instinkt sür da« Höhere ist geblirbro, oder vielmehr erst au seinen Platz fich sestgestestt. Wa« wir Geschmack heißen, ist doch nur Instinkt. (Audrrwärt« mehr über diesen Gegenstand). Da« Wort היחברך (Ps.