Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 34 (19.8.1863)
- Date
- 1863-08-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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I L 693 von seinen Fachgenoffen, den Filosofen, viel za hart bestraft worden, indem ihn dieselben nicht nur seiner Heimat an der Spree, sondern eines großen TheilS seines Lebenö beraubten. Bendavib starb nämlich nicht, wie Rosenkranz und Krug*) angcben, im Jahre 1802, sondern am 28. März 1832 als Direktor der isr. Freischule und Nechnungöführer der königl- Witwenkasse in Berlins. Was Rosenkranz über daS Studium der Filosofie in Oesterreich sagt, können wir hier aus naheliegenden Grün« den keiner weitern Erörterung unterziehen. Möglich, daß die filosofischen Studien in Oesterreich seitdem einen neuen, früher nicht gekannten Aufschwung genommen haben; möglich, daß daS Urtheil schon 1840 hätte milder lauten sollen. So viel ist jedoch unleugbar, daß weder daS Feld der Filosofie, noch daS der semitischen Philologie, der biblischen Kritik und Archavlogie in Oesterreich die Bearbeitung sau?, welche diesen Wissenschaften an deutschen Hochschulen und in der deutschen Literatur zu Theil wurde, und biö auf den heutigkn Tag zu Thril wird. Die Blüthe der filosofischen und historischen Forschung in Deutschland konnte ihre Einwirkung auf die deutschen Juden nicht verfehlen; die Juden in Oesterreich blieben zurück, weil jene wohlthätige Einwirkung von Außen nicht vorhanden war. Standen im Mittelalter die germanofränkischen und spanischen Juden aus gleicher Eulturstufe? Besaßen die polnischen Juden im sechzehnten Jahrhundert die Bildung, welche den italiänischen Juden eigen war? Ist also der Zustand der jüdischen Wissenschaft und Reform in Wien, worauf in diesen Blättern zu wiederholten Malen hingewiesen wurde, nicht ein natürlicher Ausfluß der einmal vorhandenen allgemeinen Ztlstände und Richtungen? Die klare Einsicht in diese Richtungen und Zustände und deren Folgen thut der Anerkennung wohlbegründeter Verdienste durchaus keinen Abbruch, am wenigsten den Ver« diensten deS mit vollem Rechte berühmten KanzelrednerS Mannheimer, der die Weckung und Belebung des religiösen Sinnes, die Hebung des jüdischen Selbstgefühls, die ästhetische Veredlung deS synagogalen Gottesdienstes auf eine so wirksame Weise gefördert hat. Der ehrwürdige Greis der keines unberufenen, nud am wenigsten eines ungezogenen LobredncrS bedarf, verhehlt sich aber sicherlich nicht, daß seine eigenen theologischen Anschauungen und Marimcn in keinem Zeitpunkte einer bewegungslosen Petrifikation auheimgefallen sind, sondern ihre Entwicklungöphaseu durchgemacht haben; daß der Standpunkt deS Wiener Tempels von nicht wenigen progressiven Gemeinden in Deutschland als ein überwundcner betrachtet wird; und daß die in Wien so sehr be« liebte alkomodative Reform nicht geeignet war, die Gemeinde vor Zwiespalt zu bewahren. Werden ja eben in diesem Angenblicke neue Versuche gemacht, eine orthodore Synagoge in Wien zu erbauen! Woher eS komme, daß die Wiener 594 CultuSordnung von 1826 trotz der wiederholten Versicherung ihrer orthodoxen Korrektheit selbst die Wiener Orthodoxie nicht befriedige, werden wir bei einer anderen Gelegenheit zu erklären versuchen. Vorliegende Betrachtung hat ihren Zweck erreicht, wenn sie folgenden Satz in ein klares Licht gestellt hat: ״Der untergeordnete Standpunkt, den jüdische Wissenschaft und Reform in Wien einnehmen, ist ein Vro, dukt von Faktoren, die großen TheilS außerhalb deS jüdischeu Kreises liegen." Die bonftatirung dieser culturhistorlscheu Thatsache verträgt sich recht wohl mit der Anerkennung der Verdienste der Wiener Gemeinde und ihrer Bestrebungen; nimmermehr läßt sie aber dem Gedanken Raum geben, daß der Wiener Tcmpelcultuö etwas Vollkommenes und Vollendetes sei, daS nicht weiter entwickelt, sondern von den übrigen Gemeinden der österreichischen Monarchie als daS non 1>Iu8 ultra der synagogalen Reform anerkannt werden sollte. Ein Blick auf daö Seminar in Breölau oder auf die Veite! Heine Efraimsche Lehranstalt in Berlin könnte die Wiener belehren, welche Schuld sie der Wissenschaft deS Judeuthumö noch abzutragen haben, eine Sch :ld, an welche sie in neuester Zeit oft erinnert werden, und zu deren Abtragung zwei edle Mitglieder der Wiener Gemeinde gleichsam den Weg deS Vergleichsverfahrens eingeschlagen haben. Die Notiznähme von den Einrichtungen der Reform- und der orthoderen Synagoge in Frankfurt am Main müßte sie zu der Ucberzengung führen, daß in ihrer Mitte die Cultuörcform- Frage, weit entfernt, eine befriedigende Lösung gefunden zu haben, biö zu diesem Augenblicke nicht einmal richtig gestellt worden ist. Anmerkungen. ') Zunz in Geigers Zischest. 4, 188 ff. — ’) Kant in der An« mersung zu §. 45 der anthropologischen Didaktik: ״Die unter UNS Ir« benden Palästiner find durch ihren Wuchergeist seil ihrem Gril, anch was die größte Menge betrifft, in den nicht ungegründeten Ruf de« Betruges gekommen. l?S scheint nun zwar befremdlich, sich eine Nation von Betrügern zu Lenken; aber ebenso befremdlich ist es doch auch, »ine Nation von lauter Kansteuten zu denken, deren bei weitem größter Theil durch einen alten, von dem Staat, darin fie leben, anerkanuten Aber« glauben verbunden, keine bürgerliche Ehre sucht, sondern diesen ihren Verlust durch die Donbeile der Neberlistung de« DolkeS, unter dem fie Schutz finden, und selbst ihrer untereinander ersetzen wollen. Nun kann dieses bei einer ganzen Nation von lauter Kaufleuten, als nicht produ« zirenden Gliedern der Gesellschaft <z. B. der Juden in Polen). auch nicht anders sein; mithin kann ihre, durch atle Satzungen sanktivuirtr, von uns, ldre wir gewisse heilige Bücher mit ihnen gemein habe», unter Leuen sie leb׳u, selbst anerkannte Dersassnng, ob fie zwar den Spruch: ״Käufer i>-ul die Augen aus" zum obersten Grundsätze ihrer Moral i» Verkehr u׳'« ua? machen, ohne Inkonsequenz nicht aufgehoben werden. — Stat' ... «rgeblichen Plane, diese» Dolk, in Rückstch» auf den Puuk« de« Betrüge« uud der Ehrlichkeit, zu moralifirea, will ich lieber weine Vermulhung vom Ursprünge dieser sonderbaren Verfassung. lnämlich eine« Dolle« von lauter Kausieuteu) angeben. — Der Reichthum ist in den ältesten Zeiten durch den Handel mir Indien und von da übrr r