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Ben Chananja · 1863-08-12 · 33 (12.8.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
33 (12.8.1863)
Date
1863-08-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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.] 571 zn baden vorgiebt "), so »reffen wir doch in seinen Werken oft die Namen Aristoteles, Jbn Roscht, Abuchamad neben denen der Saabyah. Meiri, Abn Esra, Aqualati, Affarlah de Nofsi u. A. an. Da er die jüdische Literatur auch mit Kritik studirte und mit einer freimüthizen Offenheit, der wir zu jener Zeit kein zweites Beispiel an die Seite zn setzen vermögen, unterfängt er sich sogar, daS Ansehen einer alten und verehrten Autorität, wie die deS Filososen und Eregeten R. Levi b. Gerson auf eine lehr derbe Weise zu schmähen und zn vernichten, wiewobl er erst 24 Jahre alt war, als er sein zweites Werk ״Deth-Middoth" verfaßte, in welchem dieS geschickt. Seit seinem 22. Jahre bekleidete er die Rabbinare zn Boznaw, Schebrschin, PolotSk. LeSla, erhielt end-!ich einen Nus nach Frankfurt a. d. O., wo er sein Leben beschloß. Er bat mehrere 2verke, meist ethischen und homiletischen Inhaltes. sowie auch eine Nesponsensammlnng geschrieben, welche ihrer Gediegenheit »nd ihres zierlichen und angeneh« me» StvleS wegen damals als Muster der Kanzelberedsam» keil gelle» konnten. Er ist zwar zu einer richtigen Auffassung deS Midrasch, wie alle seine Zeitgenossen, nicht gelangt und kann zur Nechlfertignng der alten AgadaS nur vorführen, laß sie a»S allen Traditionen bestehen, welche die Weisen selbst nicht verstanden und nur anS Pietät an daS geschrie» bene Wort anlehnten, erklärte ihn aber, fou e die Bibel au^ eine viel verständigere Weise, und suchte mehr zn belehren und zn ei bauen, als durch neue Erklärungen zu ergötzeu und zu gefallen. Seine Vorträge geben Zengniß von seinen reichen Kenntnissen in allen Bereichen der Wissenschast »nd der TageSliteratur, und werfen sehr interessante Slreislichtcr ans die Cnltnrzuständr seiner Zeit. Er predigt gegen den müßigen ASeetiSmuS, gegen die Entheiligung deS SabbatheS "), gegen die Leichlserligkeit in rabbinischen Gc. setzen"), gegen die rechthaberischen Pilpnliste», die nur wollen: ״daß ihre Ansicht die Wahrheit, nicht aber die Wahr, heil ihre Ansicht sei"), gegen die Unredlichkeit bei den Wahlen der Gemeindevorsteher'"), der Rabbinen "), der Vorsänger'"), gegen die mangelhasle moralische Bildung der Jugend '*) u. dgl. Er zieht auch an mehreren Stellen gegen die Anhänger der modernen Filososie, deren Herz von der Thora abwendig wurde, und sogar dem Maimnni oder dem Abn.Esra ihre ketzerischen 'Zdren unlerschodcn ׳"), zu Felde, und unterläßt eS nicht, bei dieser Gelegenheit auck Voltaire zu geißeln, dringt aber dennoch ans die Aufklärung deS Bol׳ keS und aus die Verbreitung der in der Berliner Schule ge» reisten Ideen, die er auS den Meassfim und aus einigen Schriften MoseS Mendelssohns, namentlich anS ״Jerusalem" kennen und würdigen gelernt hatte, von welchen letzteren er einen kurzen Auszug am Schlüsse seine- Werkes ״Azc Eden" Ntserte") (1802). 572 ES liegt außerhalb der Grenzen unserer Darstellung, unS hier näher über seine Wirksamkeit auf dem Gebiete der Kasuistik oder Homiletik einzulasseu, wir wollen das Gesagte bloS der Charakteristik wegen angeführt wissen, und wollen ihn hier bloS von der Seite, von welcher er für unS Wichtigkeit hat, betrachten, nämlich als Lehrer der Beredsamkeit. Er hat unS seine Ansichten darüber in zwei Schriften hinterlasseu, von denen die erste ״Jgereth hamelizah" als selbstständiges großes Werk <1789), die letztere aber, nicht minder inhaltreich, als Vorrede zu seinen Musterpredigten ״Aze Eden" unter dem Titel ״Or liphne badoreschim" 1802 erschien. Veranlassung zur Herausgabe der erstercn gab ihm ein Schreiben eineseiner ehemaligen Schüler, der, bereits als Rabbiner tn einer Gemeinde, ihn ersuchte, ihm für seinen Gebrauch eine Abschrift seiner Vorlesungen über Rhetorik znzusenden, indem er cS bedauere, dieselben nicht selbst nachgeschrlebcn zn haben. Er lieferte ihm in dem Sendschreiben einen Auszug auS LnzzatoS ״Lcschon Limudim", ging aber noch einen Schritt weiter, als dieser, indem er dazu noch unentbehrliche Realien für die biblische Eregese und für daS Verständniß mancher schwierigen Punkte meist auS dem ״Thischbi" des R. Elia Levita und auS Hartwig WessclvS ״Onn naiil" dazu sendete. Ihm war nämlich nicht bloS daran gelegen, daß man daS äußere Sprachgrwand nett herpupe, sondern er wollte auch für die Auffassung und die Anwendung der Bibez gewisse Gesichtspunkte ansstellen, da dies zu jener Zeit der Hanptbestandtheil der jüdischen Predigt war. Demgemäß de» arbeitete er in demselben rin alphabetisches Verzcichnifi der svmbolisch gebrauchten Wörter, eines von schwierigen Wörlern im?halmnd und von volkSthümliche» Ausdrücken '"), wobei er ihren Ursprung untersucht »nd stellte auch einige Svnonnma und verwandte Stämme der hebräischen Sprache zusammen, so daß dieses Bnch, welches im Jahre 1789 zu Novi Dvor gedruckt wurde, mehr als ein Repertorium der für den Kanzelredner erforderlichen Vorkenntnisse, denn als eine Rhetorik anzusehen ist. Obzwar er den Kanzelrednern seiner Zeit iu mancher Beziehung die ihnen gebührende Be» rücksschtignng angedeihen ließ'"), so fand er doch für gut, ihnen wegen ihrer willkürlichen und nnzukömmlichen Verdrehtingen des WortsinucS der Bibel ein Licht vorzntragen, um sie wieder ans den rechten Weg zu führen. Als Hanpterfordernisse des Redners bezeichnet er darin. ״waS seine Person betrifft, hauptsächlich Adel deS Charakters und Reinheit de- Wandels, und was seine rednerischen Eigenschaften betrifft, Anninth, Schönheit und Lieblichkeit der Anordnung, Rein» heit, Kürze und Trefflichkeit deS Ausdruckes, Ruhe und Gelassenheit deS Vortrages, besonders aber den Gebrauch deS Gleichnisses als deS großen Schlüssels. sich die Herzen ,« erschließen". Daß er dem Redner empfiehlt, sich selbst oder seine Ideen in der Rede nicht zu loben, kann höchstens au, 1

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