Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 33 (12.8.1863)
- Date
- 1863-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542952--3249-2547109- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Fruchtbarkeit übertraf'), sondern auch in den anderen Wissenschaften, in der lateinischen und italienischen Sprache be« deutende Kenntnisse sich erwarb ג): er verstand eS auch schon, die hebräische Sprache mit einer solchen Ungezwungen« heit und Leichtigkeit zu handhaben, baß er bereitin seinem 17. Jahre ein Drama ״Simson und die Philister", dichtete^). In demselben Jahre verfaßte er auch ein großes styliflischeS Werk (1724) betitelt ״Leschon Limudim", welches zugleich ei»re Rhetorik und eine Poetik enthielt, und widmete eS seinem Lehrer R. Jesam Daffan6), der ihn früher bereits völlig zu sich genommen hatte °). Ein Theil dieses Werkes wurde ge« druckt, das vollständige Werk ist bloS handschriftlich vorhan׳ den. Soviel wir ans erstercm entnehmen können, wollte er sich selbst über die Gesetze des schönen Styleö Klarheit ver« schaffen und zugleich eine Lücke in der hebräischen Literatur ausfüllen, denn, wie er selbst sagt, hatte er nie ein derartigeö Werk in hebräischer Sprache gesehen'). Wohlredenheil und Poesie waren bei den italienischen Juden damals sehr geschätzt"); sic waren eS, welche alle Freuden und Leiden dcS Lebens weihten und verklärten- Moscheh Ehajim Luzzatto war aber ein Mann, der für, jedes Studium eine theoretische Vorbildung als nöthig erachtete wie er überhaupt die Idealität in Wiffeuschast und Leben zu erreichen suchte. Selbst nachdem sein glühender Wiffenödurst ihn zum Studium der Kabbala geführt hatte; als sein poetisches Gemüth von der phantasiereichen Uebcrschwänglichkeit der tiefverhüllten Mvstik völlig bezwun« gen wurde: war er stets seinem Streben nach formaler Erkenntniß treu geblieben. Im Jahre 1741 hatte er zu Limsterdam eine Dialektik deS Thalmudö unter dem Titel ״Derech Tcbunolh" Hera Sgegeben, und eine Homiletik aeschrieden, von der ein werthvolleS Fragment in neuerer Zeit voröffentlicht wurde'-'). Letztere kann gewissermaßen als Ergänzung seines Leschon Limudim betrachtet werden, denn während er daselbst mehr über die Wahl und Anordnung der Worte, über den Gebrauch von Wort- und Redesiguren spricht und sie mit Beispielen anS der Bibel und dem Midrasch begleitet, — er faßt nämlich, wie noch Niemand vor ihm, viele Stellen deö Midrasch als vratorische Floskeln auf — läßt er sich hier mehr über die Wahl und Behandlung deS Themas, über die Art und Folge der Slrgnmente (Beweise und Belege), über die Form der Rede im Ganzen ein, wobei er je« doch die ganze Deraschaliteratur gar nicht zu Rathe zieht, und darin einerseits seinem Grundsätze zuwiderhandelt ״daß die Sprache nicht aus der Grammatik, sondern die Gram« matik ans der Sprache gebaut sei" da doch nach drrsel« den Analogie auch die Rhetorik auS der bestehenden bomiletischen Literatur abstrahirt werde» sollte. Ec hat dadurch die Doktrinen der römischen Rhetoriker für den Bau ler Rede eingcführt und sich somit mit dem bisherigen Snsteme ge« wissermassen entzweit. Moscheh Ehajim Luzzatto war etwa um daö Jahr 1747 zu Akko in Palästina nach einem vielbe« wegten Leben gestorben; seine Schriften hatten jedoch iu fer« nen Ländern, besonders in Polen, wo mehrere derselben ne» aufgelegt wurden, Anklang gesunden. In diesem Lande hatte das Judenthum eben seine Blürenpcriode"), die eS unter den Salomo Luria, Samuel EdekS, Ephraim Lcntschütz, Meir Lublin erlebt hatte, bereits hinter sich. AuS dieser Zeit hatte sich besonders daS Institut der Maggidim herauSgebildet, welches später auch nach Deutschland und Oesterreich überging, indem nämlich einerseits größere Gemeinden, deren Rabbinea sich mehr dem Studium deö Gesetzes und der Lehrthätigkeit in den JcschibaS zuwendeten, dem Bedürfnisse religiöS-mora« lischcr Vorträge durch eigens hierzu bestellte Männer abhal« fen, und anderseits solche Männer, die sich im Predigtfache besonders auSgebildet hatten, wie die ״fahrenden Leute" deS deutschen Mittelalters, von Gemeinde zu Gemeinde zogen und predigten. Eharakteristisch für diese Richtung ist eS, daß ihre Vertreter mehr die praktischen Seiten deö Volkslebens zu erfassen suchten und daß sie das Mascha! (Parabel) zu Eh« ren brachten, wozu ihnen jedoch nicht, wie dem Midrasch, daö Hosleben oder, wie der spanischen und der italienischen Schule daö Leben deS Kranken, sondern zumeist daS ge« sunde Weltleben den Stoff bergab. Manche dieser Maggi« dim, wie z. B. R. Jakob Dnbno, waren in diesem Genre sehr glücklich und geistreich, sie genossen ein hohes Ansehen und erfreuten sich eines anögebreiteten RufeS, die mei« sten iedoch, besonders die auS Deutschland und Oesterreich, die diesem Style nachzuahmen suchten, verfielen in die selt« samsten Eombinalionrn und in eine völlig verkehrte Auffas« s»»g deö Midrasch, der stets für den jüdischen Prediger daS <׳orj»us der schönsten und erhabensten Ideen war. ES war auch aus keine Weise für die Heranbildung von VolkSrednern ge« sorgt; diese waren Autodidakten und konnten daher leicht eine״ verfehlten Weg einschlagen. Diesen Nebelstand erkannte R. Jehuda Leb Margalwkh, Rabbiner zu Schebrschin, der in seiner Jeschiba auch Vorträge über Rhetorik hielt, um nicht nur gründliche Thalmndisten, sondern anch tüchtige Red« ner hcranzubilden. R. Jehuda Leb Margalioth (gcb. 1760) ein Enkel dcS R. Mordechai Jafeh, schlug schon frühzeitig einen von seinen Zeitgenossen verschiedenen Bildungsgang ein, denn während diese Zeit und Thätigkeit völlig dem einseitigen Studium deS Thalmudö und den Kasuisten zuwendeten, versäumte er eS nicht, dabei sich fleißig mit Filosofie, Eregese und Gram« matik zu befassen, Wissenschaften, welche damals in Polen gerade nicht zu Hause waren und die er sür daS richtige Ver« ständniß deö JudenthnmS und seiner innerlichen Grundlagen als unumgänglich nothwendig erachtete. Obzwar er seine filosofischen Kenntnisse nur auS jüdischen Werken geschöpft