Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 32 (5.8.1863)
- Date
- 1863-08-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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549 550 fahren wir zum ersten Male, daß die Israeliten auch nach der Zerstörung des Tempels drei Mal deS JahreS dahin wallfahrten, und wenn wir nicht irren, opferten sie anch daselbst, dies besagt der Ausdruck לא בטלו נ׳ רגלים בשנה, worüber sich Rappoport und Chajut nicht wenig ereiferten. Aber auch unsere größten Hoffnungen sind an Ziou geknüpft. »So lange nicht die Völker bekennen, daß wie Palästina in der Mitte der Welt, so das Judenthum der Mittel- Punkt ihres geschichtlichen Lebens bildet; so lange nicht Jerusalem so hoch sich erhebt, daß es unmittelbar an den Thron deS einen Gottes reicht; so lange man in dem Wahne besangen ist, daß wir verblendet und verstockt sind, der Belehrung und Bekehrung bedürfen; so lange man unS jene Moral lehren will, welche Männer auS unferm Stamme der Welt verkündet haben; so lange nicht der Geist unscrS Glaubensiegt, daS ist der Geist der Gercch- Fgkeit, Liebe und Freiheit, der Geist wahrer Versöhnlichkeit, der nicht daS künftige Seelenheil zu einer Folter macht — wird unö Israeliten die dauernde Ruhe fehle«." Die zweite Rede Zion setzt nach einer wieder poetischen Einleitung auSeinander, daß je ([)eurer Zion unserm jüdischen Herzen ist, desto treuer wir Israeliten unserm Daterlande sind. Zion ist die uralte Heimat der Freiheit und der Gerechtigkeit, der Liebe und der Humanität. Wir begreifen aber nicht, wieso Zion unS diese höchsten Güter deS sozialen Lebens einschärfen soll und kann, da doch die humaneu vom Verfasser genannten Gesetze nicht an den Boden Palästinas gebunden, vielmehr für alle Orte, Zeiten und Umstände eingeschärst wurden? Wie herrlich sagt der Redner: ״WaS sollten >vir Juden im uusreieu, ungerechten, inhumanen mittelalterlichen Staate? Hätten wir etwa das Kasten- und Ständcwescn auöbildcn, die Ungleichheit vor dem Gesetze befestigen, an der Vermehrung priestlicher Vorrechte arbeiten, die Leibeigenschaft und die Knechtung deS Geistes vertheidigen sollen? daS konnte kein Jude, daS durfte kein Sproße ZionS. Ganz anders aber in unserer Zeit rc." Aber auch die Hoffnung, was Zion einst wird, wird zu einer Quelle der Treue und Hingebung an daö Vaterland. Nicht eher kann der erlösende Sohn Davids erscheinen, bis alle geistigen Gebilde, die in der göttlichen VorrathSkammer seit Anbeginn der Zeiten ruhen, in der Geschichte eingezogeu, und im Leben deS Menscheu sich verwirklicht haben werden שיבלו np אין בי דוד בא כי הנשמות שבנוף. Die Ankunft des Königs Messias kann nur beschleunigt werden, wenn der Hauch der Milde die Menschenherzen durchdringt, so daß jede Lieblosigkeit selbst gegen Thiere aushört, daß selbst im Thiere dir edleren Instinkte berücksichtigt werden. שלח תשלה את האם אם קיימת מצוה זו את ממהר להביא מלך המשיח Darum müssen auch wir Mitwirken, indem wir unö anS Vaterland anschließen, aber auch die größte Vollkommenheit muß Israel anstreben. Die 4. Predigt heißt: Die Opfer Israels hat Jemsalem, aber nicht seinen Glauben verloren. Gleich jenem altea Wetsen, der seinen Reisegefährten auf stürmischem Meere lächelnd zurief: ״Ich trage Alles mit mir" konnte Israel zu den Nationen, welche auf den Wogen der Geschichte Schiffbruch litten, sprechen: Ich trage meine höchsten Güter ln mir, ln meinem Herzen, in meinem Geiste. 2. Die blutigen Opfer sind geschwunden, Israels Opfersähigkeit ist aber geblieben. 3. Lodert auch nicht mehr die Opferflamme auf ZiouS Altar, die Opferidee aber leuchtet fort und fort. Der Redner erklärt daS קרבן mit sich Gott nähern, was vor dem Richterstuhle der Grammatik sich nicht rechtfertigen läßt, da man daS bezügliche Zeitwort immer in der Hifilform findet. Die 5. Predigt spricht von Korach und dem Priesterthume in Israel. Der Priester in Israel soll keinen Länderbesitz haben, denn der Landbau erfordert Zeit, ein eigenes Land muß vertheidigl werden, zusammenhängendes Eigenthum erzeugt Kastenwesen, und fuhrt zu Herrschsucht und Hochmuth. Wie war nun möglich, daß Korach gegen daS Priesterthum einen Kamps begann? Korach war ein Demagog, der dem EgoiSmuS teS Volkes schmeichelte. Da mochte das Volk gesprochen haben: ״Ja dieser Korach ist unser Manu, der ist volkSfreundlich, der meint eS gut mit unS, der steht ein für unS, der sühn unsere Sache geschickt und gewandt, der schlägt seine Gegner mit Witz und Hnmor, der will unS von Prtestergabeu befreien, dem Volke die Lasten erleichtern! Er ist selbst ein Levitc, und doch verschmäht er die Bevorzugung seines Stammes durch daS Priesterthum, daS heißt man uneigennützig, selbstverleugnend, begeistert für daS allgemeine Beste sein, und wenn eS Jemand verdient, unser Führer zu werden, so ist er eö.— DaS verdienten Israels Priester nicht." Die 6. Predigt heißt: ״Esau." Esau ist ein TypnS für die Genußsüchtigen, Frömmelnden. Esau ist sehr lüstern nach irdischen Gütern נבהל להון זה עשו, nicht aber etwa, um sie für sich zu gebrauchen; bewahre! WaS läge auch einem so frommen Manne wie Esau am Golde? Erwünscht eS nur zum Besten der Armen. לחונן דלים יקבצנו זד, עשו ובר Zwar schlägt er mauchmal Schleichwege ein, um im Testamente eines Reichen bedacht zu werden, eS geschieht aber nur zu frommen Zwecken, um für die Armen zu sorgen! Esau ist mit dem Segen Jakobs nicht zufrieden, weil er daS ״Gott gebe dir" vermißt, sein Besitz soll durch die Weihe deS Höchsten geheiligt werden. Esau ist unduldsam und mißgünstig. Esau hat Furcht vor den Oelkrüglein. welche Licht in die Dunkelheit bringen sollen. Er erscheint zuerst in der Gestalt eines Heiden, sucht durch daS irdische Wohlbehagen za verführen, daS au seiner Seite; dann nimmt er die Gestalt eines Räubers au לארבילסטזס נרמה לו wird wild, gewaltthätig, dann wird er ein תיח, ein jüdischer Gelehrter, und sammelt zweideutige anstößige Stellen auS der jüb. Literatur