Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 32 (5.8.1863)
- Date
- 1863-08-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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543 544 glänzende Bruchstücke aus Lacordaire und Saurin illustrirt. Die Schlußworte dieser Rede sind geeignet, auch in der Brust deS LeserS einen nachhaltigen Eindruck zurückznlassen: ,Denn nehmen wir einmal an, wie unsere Gegner eS wollen und wünschen, dieses Judenthnm bestünde nicht, waS wäre die Folge? Wir hätten die sprüchwörtlich gewordenen Indenschulen mit ihrem bunten Lärm und ihrem geschmacklosen Singsang; wir sähen in allen großen Gemeinden die Gebildeten und die jüngeren Zeitgenossen von der Theilnahme am Gottesdienste ausgeschlossen; wir stünden noch immer als Bettler vor den Palästen der Gesetzgeber, erfreut und beglückt durch daS wohlwollende Lächeln der Thürhütcr; wir sprächen alle eine Mundart, die zum Gcspötte der Völker geworden ist; wir überließen unsere Namen, unfern Ruf, unsere Ehre, unfern Glauben, unsere Bräuche, unser Schriftlhum und unsere Verdienste um die Menschheit der Willkür, der Feindseligkeit und Bosheit unserer rastlosen Gegner! Israeliten! Ich mache euch selbst zu Richtern; prüfet, urtbcilet, entscheidet, wählet." — Die 2. Predigt behandelt daS Thema: ״Glanbenöcinheit und Glaubensfreiheit." Zn dieser Predigt gab wahrscheinlich der Tiroler Landtag Deranlassnng, dessen mitternächtliches Tagen hoffentlich in die Nacht der Vergessenheit zurücksinken, und einen Beitrag zur Geschichte deS ObscuranliSmuS liefern wird. Der Redner : zeigt die Toleranz deS biblischen JudcnthumS gegen den תושב , und die richtige Idee der Glanbcnöeinheit nach. Se- > charja 14, 9. Adonai bedeutet ״haja", Gott allein war, che das Weltall inS Dasein trat rc. Die Frucht deö DaumcS Hakar erinnert uuS an jenen großartigen 104 Ps., in welchem Gott in seinem majestätischen SchöpsnngSgewande geschildert wird rc. פרי עץ הדר זה הקב״ד, שנאמד הזד והדר לבשת; Adonai bedeutet ferner liowe, Gott ist in der Entwicklung der Menschheit gegenwärtig. Die Palme erinnert unS an daS. 92 Ps., wo die im Leben deö Menschen sich offenbare,,de Gerechtigkeit Golteö gcschildet wird .כפות תמרים זד הקב״ה שנאמר צריק כתמר יפרה; Adonai bedeutet endlich jilijo, Gott wird sein. Die immergrüne Mnrthe erinnert nach dem AuSsprnche unserer Weisen an Gott, der mit unvergänglicher Frische in der Geschichte sich offenbart. וענף עץ עבות זה הקב״ה שנאי 1הוא עומד כין ההדסי_ו• Wir bemerken nur, daß ein thalmudfester Alpenbewohner ganz andere Versügungen gegen den גרתושב produziren könnte, als die die biblische Glaubensfreiheit diktirt. S. Zion תר״א S. 124. Wir müßten ihm dann die dort ausgesprochene Versicherung zu geben den Muth haben, daß wir mit einzelnen, längst ver, alteren intoleranten Aeußerungen mancher Nabbinen, die auS einer Zeit bitteren Druckestammen, nichts mehr gemein haben. Im zweiten Theile wird der Weg zur GlaubenSei,iheit gezeigt, eS ist die Religionsfreiheit. Soll die Gotteöschrist nicht immer etwas AeußeriicheS bleiben, nicht bloS die Oberfläche der Menschenwelt berühren, sondern tief in die Herzen eindringen, so muß die Religion befreit werden von dem Richterspruche der weltlichen Regierungen חרוח על הלוהות הירות הן המלבות• Wir bemerken, daß dieser Theil auch von jüdischen Stimmgebern der Jetztzeit beherzigt werden sollte, die daS Judenthum durch den weltlichen Arm die Gerichte stützen wollen. Auf die Predtgt?ara Aduma wieschon der geehrte Obcrrabbiner in Trier im ״B. Eh." Nr. 8 hin, dessen Ansicht auch die vorliegende Predigt involvirt, S. S. 17, und die ja in den Worten חייכם לא המת מטמא ולא המים מטהרין אלא הסה הקקתי נזירה גזרתי וכוי- Bamidb. R. 19, deutlich ausgesprochen ist. Eine sehr genußreiche Stunde muß die Predigt geboten haben, welche daS Thema behan« delt: Ist daö Judenthnm verfolgungssüchtig? Sie wirb aber auch die Leser sowohl erbauen und belehren, als auch durch den attischen Humor ergötzen. Die Veranlassung zu dieser Rede wird dem Leser noch im Angedenken sein, sie amusirte die Publizistik und daö Publikum. Wir geben dem Leser einige pikante Stellen im Auöznge. ״Wie groß ist der Naum zwischen dem Gehinom und dem Eden?" fragen unsere Weisen. ״Eine Handbreite lautet die Antwort im Midrasch bajom hascliemini. Sehr rasch führt daö Verlangen, den Ungläubigen daS Paradies, daS ewige Seelenheil zn verschaffen, zu den Qualen der Hölle; nicht in der Unterwelt, sondern ans Erden entstehen auS demselben die bittersten Verfolgungen. DaS Judenthnm ist aber frei von BekehrungSsucht. VerfolgungSsncht kann ferner anS nationaler Unduldsamkeit hervorgehen, und über diese zweite Quelle braucht man in Oesterreich nicht viel zu reden. Denn trotzdem jetzt bei unS der Grundsatz gilt: Jede Provinz schreibe ihre Schrift, und jedes Volk gebrauche ,'eine Sprache .אל מדינה ומדינה; trotzdem wir noch mehr Farben als weiß, grün und blau הורכרפם ותכלת öffentlich als nationale Abzeichen tragen dürfen; trotzdem wir auch an buntfarbigen Schnüren und Bändern Ueberfluß genug in unserer Mitte haben, fehlt eS dennoch nicht an Beispielen nationalen Dünkels k. DaS Judenthum ist eine Religion deö Lichteö; eS hat auch ein Religionsedikt, ein sehr altes, das von keinem Ausschüsse bcrathen, von keiner Versammlung besprochen, von keinem Minister bekämpft wurde, das ans einem einzigen Paragraphe besteht, das da lautet: Ein Recht für alle, für Israel und jede andere Nation. AerfolgungSsucht kann endlich auS natürlicher Bosheit und Grausamkeit eines VolköstammeS hervorgehen. Und wer wagt eS, Israel der Bosheit und Grausamkeit zu beschuldigen? DeS RemnS und RomuluS, der Gründer deS judenfeindlichea Rom, erbarmte sich Gott, und ließ sie, die Hilflosen und Verlassenen, von einer Wölfin säugen, Midrasch Ester rc. Nun aber spricht der 2. Theil von der Verfolgungösucht in der eigenen Mitte Israels, die man in Ungarn und Galizien oder meinetwegen auch in Wien einige Mal, so lange lesen sollte, bis man —