Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 29 (15.7.1863)
- Date
- 1863-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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L 489 490 auch die Kanzelvorträge in Spanien und in der Provence völlig um. Während in Frankreich die religiöse Belehrung darin bestand, daß man die Bibel sammt auögewählten, dar, auf Bezug habenden Stücken aus dem Thalmnd und den Midraschim vortrug, welcher Richtung wir Midraschanthologicen wie den Jalkut des R. Simon und den schon mit eigenen Erläuterungen unterinischtcn Bibelkommcntar deS R. Salomo Jizchaki verdanken; während sie in Deutschland sich bald auf die zweimal deS JahrcS stattfindenden halachischen Vorträge, denen höchstens eine agadische Reschuth voranging, rcduzirte, stellte sie sich in Spanien auf eine silosofische Basis und nahm die Form der populären Dissertation an. Von nun an gab cö nicht bloS Terte, anS denen entwickelt und an welche angeknüpft wurde, sondern im Vorhinein bcstimmte Themata, zu deren Entwicklung Stellen anS Thalmud, Midrasch, a6״ Aristoteles, Plato, GalennS,?Ibn-Sina u. A. herangczogen, mit einander in Verbindung gesetzt und j erklärt wurden. Ter Mitrasch wurde zur Dcrascha, die ho-! miletische Eregese zur cregetischen Homilic.! LLenn wir auch aus den auf uns gekommenen TcraschaS zumeist nur daS Thema, dessen Entwicklung und Begründung,! nicht aber die äußere Tarüellung und die hierbei aufgcwen- > dete Eloquenz kennen, weil die in spanischer Sprache gehal-! lenen Reden für die Nachwelt in hebräischer Sprache nicht > nach Uebersetzung deS Originales, sondern nach Ercerpirung > und Enlkleidr ׳g desselben nietergeschrieben wurden, mehr in der Absicht, den Leser durch die neue Nnssassnng biblischer i und thalmndischer Stellen, als durch die künstlerische Be- . Handlung deS SlosseS zu ergötzen; so können wir doch annehmen, daß dieselben vor dem durch die Leelüre griechischer ן und arabischer Schriften und durch den Umgang mit den! kunstliebenden Arabern ästhetisch gebildeten Volke in anspre- ‘ chenter Form gehalten wurden, so daß deshalb und wegen j der seil dem Uebcrgewichtc der christlichen Macht auf kor j pprenäischen Halbinsel häufiger stattfindenden theologischen > Eonlroversei« (Wilvkucliim), bei welchen dialektische Gewandt, l heil nnd oralvrischc Fertigkeit meistens den Sieg davon tru- > gen, die Beredsamkeit nothwendig gepflegt werden mußte. Dies, sowie die innige Vertrautheit mir den filosofischrn Schriften der Griechen, führte in der Folge zum Studium der Rhetorik, wie den auch bei den Römern, obwohl die! Beredsamkeit schon sehr weit gediehen war, die Rhetorik erst! damals betrieben wurde, nachdem sie mit der silosofische» Litcratur der Griechen bekannt geworden waren s). I. Toilros Todrosi. Die erste Schrift, wodurch allen Juden Gelegenheit geboten wurde, die Theorie der Beredsamkeit kennen zu lernen, war die Uebersetzung der aristotelischen Rhetorik anS dem Arabischen in daS Hebräische durch den Arelatenser T0dr08 Todrosi zu Trincatailles im Jahre 1337- Todros Todrosi geb. 13Ich, beschäftigte sich schon frühzeitig mit den dialektischen Werken der Aristoteliker und mit deren Uebersetzung in daS Hebräische. Seine Jugendschristen sind Vorarbeiten zu einem eingehenden Studium der aristotelischen Logik nnd de» dazu gehörenden Avcrroeö'schem Kommentars. Mit strebsamen Eifer, mit richtiger Einsicht und mit unermüdlichem Sammlerfleiße hatte er schon bis zu seinem 20. Lebensjahre auSgcwählte Stücke TaumastinS, Alerander, Adunazar, Abn-Sina, Abn-Ehamad Alaazali n. 21., die er für originell und nützlich erkannte, auSgezogen und übersetzt (1334), um sich, wie er selbst sagt, bei der Lektüre der aristotelischen Logik daS nochmalige Nachlesen ihrer weitläufigen und breiten Er, cursiouen zu ersparen °). In demselben Sammelwerke legre er sich auch eine Auswahl der besten Erklärungen zu nnklaren Stellen der aristotelischen Logik an, als auch jener in den verschiedenen Kommentaren gelegentlich geäußerten Ideen/ die eigentlich nicht zur Interpretation dienten, sondern bloS an ein Wort deS?lverrocS'schen Kommentarsich milehnen ließen. Nach der Vollendung dieses Werkes übersetzte er die Logik deS A.istoteleS nach der Llvcrroeö'schcn Recensivn, als deren Schlußstein und Ergänzung'׳) dann die Rhetorik (1337) und lie Poetik in- Hebräische übertragen wurden. Er schrieb sic für die wenigen D'uker seiner Zeit unter seinen Glaubenöbrüdcrn ה) um ihnen einen Kanon an die Hand zu geben, mittelst kessen sie die der Rhetorik und Poetik entnommenen Prämissen in den Erörterungen zu den physischen und metaphnsischen Schriften deS?lristoteleS einer Kritik unterziehen könnten für alle Pfleger der Filosofie, damit sie, ausgerüstet mit diesen beiden Disziplinen, deren Begriffe ui der Etbik, Physik und Metaphysik erwähnt und angewendet werden, in den silososischen Schriften leichter durchkommen sollten. sForts.-tzung folgt.) Anmerkungen. ') z. B. klingt tic N.gel de- N. Nchcmia über das topische he (bcr 'Jiab. 1, 50) ganz wie ein Paragraph in riorr Grammatik. (?1 wäre ciiie verdienstliche Arb.il, die im Thalmud u»d de» Midraschim cuthaltenen Elemente von Grammatik zusamincuzutragen; ich will hier nur vorläufig anmcrltn. daß der grammaliiche ctrr tigrnllich rhrlcrischr Terminus für Paremonastc bereis im Midrasch (ib. c. 31) verkömmt. — J) z. B. אין רורשין שיר השירים לגנאי אלא לשבה (Lcklir Ik-tseb. Kab. ,1, 1,11) odrr: אמר רשב״א' כל מקים שאתה מוצא כתב רבה על הנקודה אתה דורש את הכתב ונקודה רבה על הנתב אתה דירש את הנקודה — Brr. r. c. 44) Daß tu witraschu scht Form trr syuagogalcn Vorträge unter den Gacneu bestand, hat Gräp Scsch. t. 2ud. Ad. 5, Note 7 sehr gründlich nachgewiesea. — י) MaimnniS Briessammliing ed. kichtenberg S. 27. — ') Baehr <8״ schichte der römischen Literatur ll. 203 auch I. 40. — *) Avcrroi« Commentariub in Aristotclis de arto rhetorica libros tre8 bebraice versus a Todrosis Todrosi Arelateusi cd. Goldeutbal Ups. 184t*