Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 27 (30.6.1863)
- Date
- 1863-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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465 466 grdlagrl hielt unser Oberrabbiner rin, sehr gediegen, Gedächtnißrrd» «iif Dr. Gabriel Rieffer. Nachdem der Herr Oberrabbiner da« an die. im Sabdaibk übliche אב הרחמים di« צדיקי עולם und rin deut. schl« Gebet für nufer, alten und neueren Märtyrer mit besonderer 8a. dach» gesvrochea barte, hob er hervor, daß wir heute eine« Manne« ge« denken müssen, der auch im hohen Grade zu unfern חסידים תמימים וישרים gezählt werden muß, nämlich unsere«, leider zu früh tahillge» schiedeuen Dr«. Gabriel Rieffer. Auch er gehört zu nnsern edlen Mar. tyrera. da er einen großen :heil seine« Leben« und Vermögen«, ja seinen eigentlichen Beruf während riner langen Zeit für da« Erringen de« Rechte« und für die Ehrenrettung seiner GlaubenSgenoffeu und somit für bi, Heiligung de« Namen« Gotte« geopfert hat. Auch er war in diesem seinen unermüdlichen und energischen Schaffen und Wirken behender denn Adler, und stärker denn Löwen, um den Willen seine« Schöpfer«, de« allgerrchten nnd alllicbcnten Gotte« zu voklführen. Er gehört« auch gewiß zu den באהבים מעיבים da er einer der lieben«- würdigsten und angenehmsten Menschen war. wovon Redner au« eigener Bekanntschaft mit diesem großen Manne während deffen Ausenthaltr« in Dackenheim, sich selbst überzeugt hat. Die Stundrn. die er, der Red» nee, der einige Jabre in Frankfurt am Main damals lebte, und ge. wöhnlich am Sabbath Nachmittag mit mehreren Freunden »ach Bockenheim hinan« ging, wo der schönste Krci« von intelligenten Männern und Frauen angciroffen ward, dort zugebracht bat, zahlt er noch jetzt zu den angenehmsten und werihvollsten seine« Leben«. — Herr Oberrabbincr schilderte hierauf in anschaulicher Weise Riesscr« Wirken für die Eaiaiizipaiicn der Juden Deutschlands, besonder« Preußen«, und zahlte deffen Schriften auf. die einzig i» ihrer Art und ihrer Form nach auch klaffisch sind. Er hob hierbei besonder« hervor, wie 'Ricffer durch seine unübertroffene Klarheit und Schärfe de« Geistes nnd sein reine« und lautere« RcchiSgefübt die Feinde unserer Emanzipation, zu welche» in der ersten Zeit des Auftreten« Ricffer« die größten. sonst freisinnigsten und gelehrtesten Männer gehörten. wie Paulus in Heidelberg. Rcttcck und Aiitcre, — entweder zum Schweigen oder zur Umkehr brachte. Wie er ferner duich sein ehrenhastc« und würdige« Auftreten als Jude, — mit welchem Namen er auch seine berühmte Wocheiischrifl: ״Der Jute" absichtlich kcnnzeichnete, — den sehr vcrachteten Namen ״Jude" wieder zur größte» Ehre gebracht hat. Sehr rrrffend deutele Rrtner den Namen Gabriel als גבר אל, ein Mann Gotte«, ein Kämpfer für Gott und deffc» Recht, ähnlich unferi» Stammvaier ישראל, »dem Gotleskämpser." Auch er kämpfte mit den gewattigen Mächten der Nacht und Finstern iß ער עלות השהר, bi« die Morgenröihe der Frriheit für nn« auch aufging und זרח לני השמש die Sonne der Duldsamkeit und allgemeinen Mklischenlirbc für nn« auch schien- Höchst überraschend wendete Redner die Stelle au« dem Wochen, adschuiltt ״Hz-, איש על Jeder bei seiner Fahne" aus Ricffer an. da er bei der alten jütischen Fahne blieb, sie i'est hielt, für sie kräftigst sämpftr, — wobei Nediikl da« klassische Gedicht ״Hagbaha-.dain Ries' srr« ״Jude" zuerst gedruckt ist und seither in keinem jüdischen Lesebuch» wehr fehlt, erwähnte. — und rieselte nicht, wie so Biele in der dama« Ugrn Zeit, für äußere Boriheile Preis gab. — Schließlich forderte der Herr Oberrabbiner die Gemeinde aus, Beiträge z» Rieffer« Denkmal» Berichten der jüd. Journale überzeuzeu lönneo, daß von den orlhodre. sten Rabdinen in den größten Gemeinden die Gedächlnißrede aus Rieffer am Sabbathe. ja von einem sogar am zweiten Tage Le« Schabuoth. feste« abgehalteo wurde. Wurde ja früher der Sabbath vor Schabuoth *U Trauersabdath betrachtet und an ihm die דנלית gebet,», sowie auch jetzt »vch da« אב הרחבים• - nach Pbilippson« Aufforderung') zu spendrn. Der mit inniger Rühr״, nnd erhabener Degeisterung gesprochen, Vor,rag macht» eine» tiefen Ei», druck auf alle Anwesenden nnd find seitdem scheu mehr»» Beiträge für da« Denkmal gezeichnet werde». Inland. Wiener Briefe. III. Wenn auch noch keia Journal darüber Bericht erstattet hat. so ist ,« doch Thatsache, daß die Spaltuog. von welcher die Preßburger Gemeinde bedroht wird, der k. ung. Hof« kanzlci zur Entscheidung vorliegt. Nach dem. wa« »im» hohe Dikasterium in Vrtreff ähnlicher Fragen in Großwardein und Stublweißen. bürg ciilschieden bat. sollten die Reformer in Preßbnrg einer für sie günstigen Entscheidung entgegeilsehen können. Cie haben sich aber dadurch geschadet, daß sie den engen Raum der alten Synagoge und den Mangel an eincni Prediger als die einzigen Motive ihrer Trennung von der Muttergcmcinde angegeben haben. Nm diese Motive zu «ntkräslen und die Grmcindc vcr einer ״Ehorschule" und einem Prediger zu bewahren, hat sich der Grmeindevorstand entschloffen, eine srhr ge. räumige prachtvolle Synagoge zu erbaue», und ernen Ebaßid al« Prediger anzustellen. Die Reformer habe» allerdings bei der Wahl de« Pre« diger« nicht mitgestimml: die Ortbodcrie schmeichelt sich aber mit der Hoffnung, ei» behördliche« Verbot gegen die Eborschule und den Pre. diger an derselbe» zu erwirken. Einer ihrer hiesigen Frennle hat sich an Hirsch in Frankfurt am Main gewendet, und sich dessen Rath erbeten. Hirsch warb aber, wie seine Antwort beweist, von seinem hiesigen Freunde, Herrn B , in nicht geringe Verlcgenheik gesetzt. Er predigt nämlich in feinem Jeschnrun feit Jahren den Orlkodoreu Minornäteu in Deutschland, sich als gesetzeSlrrne Gemeinden zu kciistituireu. und wenn e« einer resorniistischcn Majorität in Deutschland in den S,nn käme, der orlhodore» Minorität durch behördliche Prohibition in Len Weg zu trete», würde Hirsch mit Recht von Gewiffen-zwang und Beschränknng der Gewiffenssreiheir reden. Wa« soll er nun rathe». wenn die reformistischen Minoriläien seine Doktrin zu der ihrigen machen, und sich einen. von dem orlhodoreii Ritus abweichende», aber ihrem Bedürfniffe entsprechenden Gottesdienst rinrichte», und denselben out ihre eigenen Kosten erhalten's Leider verstehen r« aber die Preßbnrgre Reformer nicht, ikrc Sache mit Würde und Nachdruck zu vertreten. Ja sie llniu Manches, wodurch sie die EultnSresorm geradezu kcmpromittirrn. So haben sic vor Kurzem der Jugend, welche die von der Resormpartei erhaltene Primarschule besucht, ein Maisest gegeben, bei welchem der Ehor in einem WirthSbausc liturgische Stücke sang nnd dabei nicht ein. mal da« Haupt bedeckte! Die Orlhodorie versäumt natürlich iilchr, solche Mißgriffe zu ihren Gunsten ausziibkiittn. So viel ist ״ideß gewiß, daß in da« Preßburger Systcni Bresche geschossen ist; lange wird diese« System dem Anlrange der Zeit nicht zu widerstehen vermögen. Wir di, Lrthodoren. haben auch die Reformer in der hiesigen Gemeinde warme Freunde, die nicht ermüden, di, Männer de« Borwärt« in Preßburg kräftig zu unterstützen. NB. Wien, im Juni. Professor Ludwig Förster, einer der berühmtesten Architekten unterer Zeist, ,st dieser Tag, m,t Tod abge- Schreiber diese« glaubt, da« Philippson« Projekt, dem hohen Geiste Rieffer« entsprechend ist, da er ja mit seinen Schriften gegen di, Unterdrückung wirken wollt,, und so Große« auch a,wirkt hat. Dieselbe» müssen daher auch jetzt in den vielen Ländern, wo unsere vollkommene Gleichstellung noch nicht erfolgt ist, von großem Einstuß sein. Auch würden sie auf die Israeliten selbst noch von vielfachem wohlthätige» Einflüsse sein, u« deren Muth zu heben und ihnen Selbstvertrnu», «inzustößen. — 1