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Ben Chananja · 1863-06-24 · 26 (24.6.1863) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
26 (24.6.1863)
Date
1863-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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445 446 Sprach» bedacht war, wissen Sir mein Hrrr ii« jetzt freilich noch nicht-, virlleicht werden Sir spät» ander» Meinung sein, wenn Sie weine Fibel einer etwa« genaueren Einsicht gewürdigt habcn werdeu. — Wa« dir beiden Hauche Aleph und Ain betriff«, so unterscheide ich sie in der Aussprache ebenso wenig, wie Sie mein Herr, und staune nur darüber, daß Sie sich mit so entschiedenem Unglücke aus die Erklärung meiner Worte verlegen. Für die Zukunft Herr Szüntü: ״SuonuD quiaque verbonim interprea.“! Die beiden Hauche also sind nur deshalb jusammeiigestellt. weil sie beide das Gleich, haben, daß sie nicht aus» gesprochen werden, und wiederum das Verschiedene in ihrer Gestalt. — Nun Herr Szüntü behaupten Sie noch, daß ״ber erste und vornehmste Zweck einer Fibel, das mechanische Lesen zu lehren. Lurch da« Büchlein gar nicht erreicht wird?" Nebenbei bemerke ich noch, daß die von mir voranSgesktztc Aussprache der Lkürckim bei meiner Fibel von ganz und gar keinem Belange ist, da ich nirgend« angebr. wir dieser! oder jener Eonsonant. dieser oder jener Doeal zn sprechen ist, sondern j es ganz dem Lehrer übcrlaffc. Und gerade die ganz unrichtige Aussprache der Asebken.'isi'm war es. die mir bei der Abfassung meiner Fibel! picht geringe Schwierigkeiten machte, die ich aber trotz meines SvsicmS ן berücksichtigt zu haben mir schmeichlr.! Und »im zn den Lcsrstücken. Was Ihren Tadel bezüglich des in | 1 gebrachten betrifft. so entgegne ich Ihnen nur, daß meiner Ansicht i nach, eine Fibel nicht als Gebetbuch zu dienen ha!, und die« um so 1 weniger, da ihren ״kleinen Kindern in Iudenhänsern" die ganzen Ge- ' bete wohl sv ziemlich span:''ch klingen dürsten. rS also geradezu tin j Unsinn ist. il»,c» dieselben einznpanckcn. Habe ich mich ja selbst in Synagogen hänsig genug überzeugt, daß selbst alte Juden ihre Geben > nur hcrunterlciern, ohne rS zu wissen, waS sic beten. Oder istS hier; nur um den lieben alten Schlendrian zu thun? Mil diesem Tadel hat-! len Sic also füglich wegbleiben können. Schön ists, daß Sic meiner! Fibel denn doch etwas Komisches abgcnomuien habcn. Wo hatten Sic! denn aber Ihre Augen, als Sic S. 35 lasen? Das freilich wußte ich j nicht, daß Sie um ei» Uriheil zu fällen, meine Fibel nur vornehm! Lnrchblällern würlcn, ionst ich Ihnen dae Schmu noch einmal hin-! drucken lasse». WaS »»» gar Ihren Tadel der biblischen Stücke be: trifft, so muß ick schon säst auch an Ihrem pädagogischen Takle vcrzweifeln. Fehlt Ihne» vielleicht in der Geschichte Josefs die Szene, welche sich mit dem Weibe Poliphar'S abspiclt? Sie sagen, cS düric, un! das Lernen des Pentateuchs anzubahncn. nicht ein beliebiges Stück aus dem Zusammenhänge hcraiiSgcrisscu werden. Also hätte ich vielleicht mit der Schöpfungsgeschichte beginnen sollen? Freilich für Sie, ״den Filososcn" wäre das ein vortreffliches Feld zum Tummeln. Ich zweifle gar keinen Augenblick, daß dieser Ihr von mir so ungeschickt verdorbene filosofiche ErcurS Ihren Kleinen weit angenehmer wäre, als die so simple Geschichte Josefs. Wie viele Filososeo habe ich der Zu» lunst geraubt! Oder welches Lesestück hätten denn Sie gewählt, Herr Szüntü? — WaS nun das Nabbinische und die hebräische Kursivschrift betriff!, so habe ich beides absichtltch übergangen und zwar aus folgen« dem Grunde. Das Nabbinischt setzt denn doch schon einen ziemlich ser» tigen Kenner des Hebräischen voraus und ich glaube kaum, Laß Kinder, für welche meine Fibel bestimmt ist, in dir Lage kommen, auch nur eine Zeile rabbiuisch zu lesen. Die Cursiv ist nicht Druck-, sondern Echreibschrist, gehört also nicht in da« Bereich der Fibel/ sondern ist dem Schreibunieirichlr zuzuweisen. Da sie vorzüglich im Verkehr drnutzt wird, so handelt e« sich hierbei um eine gewisse kasttgrafische Behänd» lung derselben. Zu diesem Zwecke sind recht nette DorkegeblLtter za haben. Dieses sowohl, al« auch da« Lesen de» Iüdischdeutschen kann dn Lehrer bei Gelegenheit selbst lehren, ohne gerade eine Fibel dazu zu brauchen. Nebenbei grsagt, habe ich die hebräische Kursivschrift auch an« ökonomischen Gründen weggelaffen, theil« damit di« Fibel nicht unnö» thiger Weise vrrlheuert würde, «heil« aber, und zwar vorzüglich deshalb, weil die Typen in der k. k. StaatSdruckerei nicht vorhanden waren, also »st hätten angesertiget werden müssen. Dieser Mühe schien dir ganze Sache nicht Werth. Und nun noch manche« Herr Szüntü, wa« wohl nicht zur Sache zu gehören scheint, aber denn doch bieher gehört. Sie leben in der M«- uung. ich sei ein Stubengelehrter, der vom eigentlichen jüdischen Leben so viel als nichts weiß. Nun da irren Sie. DaS Bedüesniß derjeingeu Schüler, für welch» ich zu schreiben bemüht war, brauche ich nicht erst in ihrer Schule ans eigener Anschauung kennen zu lernen ich kenne es mehr als genug. Und ich will Ihnen sagen. Herr Szüntü. wa« allen jüdischen Schulen Noth «Hut. Tine gänzliche Umgestaltung de« hebräischen Unterrichte«, ein Brechen mit dem alten Schlendrian- DaS Hebräische ist doch eine tobte Spracht. Welche Grammatik, welche« Wörterbuch wird in den Judenschule» benützt? Urdcrs,tzt man ja noch nach der herrlichen Interlinearmetbode, wie ich« wenigstens als Erzieher in einer jüdischen Familie, wo ich auch den Unterricht im Hebräischen zu leiten haue, zu meinem größte» Leidwesen thnn mußte! Daher kommt rS aber auch, daß Leine, die vielleicht ein Drccnnium in der Schule Hebräisch gelernt, am Ende dieser Zeit solche Idioten in dieser Sprache sind, daß nicht den einfachsten Satz, der ihnen nicht srüher eingepauckt worden, ober de» sie nicht selbst aus einer gedruckten Uebersetzung sich eingewerkeil, zn übersetze» im Stande sind. Und namentlich bürste dies besonders in Wie» der Fall sei». Freilich werden Sie mir Herr Szüntü vielleicht die glänzenden Prüfungen entgege,,ballen. die meine Behauptung widerlegen sollen. Nun deren Gchelmiiisse kennen wir sattsam. Late» Sie mich aber ein zu irgend einer Prüft»,g mit der Bedingung jedoch, daß ich selbst prüfe, und ich will nianchci» jüdischen Lehrer zeigen, wie schlecht er bei leinen Schülern für die Erlernung der ״heiligen Sprache" sorg,. Habe ick dock bei NabbinatSkandidale», niit deiic» ich viel verkehre und verkebri habe, ihre erakre Ignoranz in Granunatil und L.rilogic anstaunen inüssc״. Ihr Prcfiburgcr Brief in Nr. 23. wo den Ieschit ischnlern in Prcßbnrg eine ans Fabelhafte grenzende Unwissenheit m der hebräischen Grammatik vorgeworseu wird, ist ein glänzender Beweis für nicine Be» hauplnng. Und doch sind diese wahrscheinlich noch Wunder der Gelebrlamknl gegen die aus den Wieiierschulc» hervorgehenten Schüler, da mciiies Wlssens jene da« Hebräische doch ״och mehr luliivireu dürsten, al* •׳? l'icr betrieben zu werten pflegt. Und nun Herr Szüntü »ichtS für uugut. wenn ich Cie diesmal mit Beere» übersältige. Aber Sir brauchen davon auch viele, um sich ans dem Wege durch Dornen und Kletten zu laben. Daß sie Ibuen nur den Magen nicht verderben! An alle Iudenlchrer aber meinr Bitte, diise meine Worte al« redlich und ernst gemeint, hinzunthmeii. Mögen sie nicht ebenso ״״gehör! verhallen. als cs neulich meinem Rufe nach einem Rabbinerseminar erging. Ich glaube, daß ,» diesen Dingen auch der unbesangenr Khrist gehört werden kann *). *) Jedenfalls. Dem ״Ben Chananja" werden auch Ihr, lrefflichen Arbeiic״ nach wie vor sehr willkommen sein. Dagegen muß ich Si, ergebenst bitten, dir Fehde mit Herrn Sz. als gänzlich abgeschlossen zu betrachten. Bedenken Sic doch, daß Sie e« mit einem Universal» Geine zu thun habe»! Gönnen Sir e« dem Herrn Sz.. mit allen Wis» senschasien zu btlritireu, seinen Lesern, sich daran zu Leleiliren. uud mir — aus Beide« nicht zu reflektiren. Neb. Bemerkungen. Herr» A. B. E. Ich bitte dringend, fortzusahrrn. Herrn Sp. iu K. Spät». Herrn «8 in W. In der nächsten Numm». Szegedin, SelbSvcrlag der Krlaklltu. Leipzig, Lomwlssioo,-Verlag von Franz Vagurr. Druck von Sigmund Burger iu Szrgediu. ET Hierzu ein halber Bogen Beilage, -־®a

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