Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 25 (17.6.1863)
- Date
- 1863-06-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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423 424 schuhe» ff in, der sich in einer gewissen würdevollen Haltung ganz in Hintergründe befindet, der so schüchlern. melancholisch dafleht, an keinem Gespräche thrllnimwt, nnd selbst den schnurrigen Erzählungen dege׳ sprachigen Invaliden nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkt? Scho» aus den unablässigen Angriffe» seiner von ihm so abstecheuden Umge« bung, läßt fich schließen, daß er zu diesem Volke nicht gehöre, »nd daß er fich an diesem Orte wohl heute zum ersten Male zeige. Viesteicht hätte ihn so mancher unter ihnen auf freier Straße um ein Almosen ongtsprochen, so fein, so aristokratisch ist seine Erscheinung. WaS mag wohl jetzt in seinem Innern Vorgehen? Welch gewaltige Kämpfe mußte sein Schamgefühl gegen die grausame, unerbittliche Noth bestanden haden. bi« er endlich müde, kraftlos und befiegt fich entschließen mußte, hier sein Asyl zu suchen? Ach. wir haben dich erkannt, armer bemitleidenswerther Freund'. Du dachtest dein trauriges Gcheimniß tief in deiner Brnst zu verwahren. und trägst c« doch auf deiner jugendlichen faltenreichen, kummerverrathenden Stirne vor aller Welt zur Schau! doch du bist der erste nicht! — 2» jugendlichem Leichtsinne hast du dein Vaterland verlassen, und wie viele Andere kamst auch dn mit verbundenen Augen, am Arme der Illusion geführt, hier an; du ließest dich bethören, hoffend, diese schöne Führerin bis ans Ende der Tage an deiner Seite zu haben. Die Treulose! Sie verließ dich schon am ersten Tage, was sage ich? Schon am Eingänge der großen Weltstadt, fühltest du dich allein, einsam und vrriassen; man sagte dir, du fändest hier unter jedem Pflasterstein einen LouiSd'or, nur müßtest du verstehen, den günstigen Moment zu finden, um ihn mit Leichtigkeit hrrvorzunehmen. Unglückltcher, was hat man dir nicht astcS von Paris vorgeschwatzt? Wo ist nun die Illusion? Sieh dich »m. du hast deine alte gübrerin verloren, und dafür zwei andere gewonnen, sie heißen Zukunft, Hoffnung. Du willst aber das Jetzt hcraufbeschwören, wirst unwillig und rufst dich heiser Heute! Heute! Was fange ich heute an? ,WaS du anfäugst?" Borgen. Sorgen. Morgen, diese schrecklichen Reime werden das ewige Traucrgcläute sein, unter welchen deine zwanzig Zähre, deine Schönheit und deine Vergangenheit zu Grabe getragen werden. Du kennst nun in ihrer scheecklichcu Realität, die alte biblische Fluchssormel בבקר תאמר מי ייזן ערב ובערב האבר כי יתן בקר Freund! Du bist der Letzte nicht!. 2m zweiten Zimmer sehen wir unfern ehrwürdigen Herrn, dem wir vom Boulevard Poisionnirre aus gefolgt sind, als Prästdeiite», mit noch einem Komitömitglicde und dem Schriftführer der Administration. Da wird ein Armer nach dem andern vorgelaffen, trägt seine Bitte vor, die mit Freundlichkeit ausgenommen und mit Wohlwollen gewährt wird. So verschiede», wie die Costüme, sind auch die Dialekte der Vittstesier. da hört man französisch, deutsch, italienisch, englisch, arabisch, hebräisch, die Stiefdialckte: jüdisch-deutsch und jüdisch-elsaßisch nicht zu vergessen. Der würdige Präsident, rin vorzüglicher Linguist, antwortet Zedcm ln der Spracht seines Volkes. WaS im fremden Lande jedem Andern, noch mehr aber dem Unglücklichen, so wohl thul. Wir behalten es uns vor, in einem folgenden Artikel über das Budget der israelitischeu WohlthätigkeitSanstalten zu sprechen, die ihr Entstehen, sowie ihr Gedeihen dem rastlosen und segensreiche» Wirken de» berühmten Herrn Dr. Albert Cohn zu verdanke» haben: der Leser hat vielleicht schon errathrn, daß unser Mann vom Boulevard Poiffonuirre, mil diesem de« rühmten Glaubrnsbruder rin« und dieselbr Person find. Zum Schluffe nur noch eine Anekdote: Eine arme Frau kam Freitag Nachmittag« zu Herrn Dr. Cohn, Monsieur, sagte sie im elsaßischen Zargon. wostt ihr wer doch eppe« geden, ich hob ma foi, mein Neschome, noch keine Fisch us Schabbe« 0 saneta Siatplicitaa! L. Schnabel. p. Hannover, Ende Mai. Z» unserer Gemeinde eutspanu sich vor einiger Zeit, viesictcht zum erste» Male, «iu heftiger Wahlkampf» der i» den hiesigen Blättern sogar fortgeführt wurde, als e« sich n« die Neuwahl des ersten Vorsteher« handelte. Do» Parteinnge» kan» Gottlob keine Rede sei», und der überall hervortrelende Zwiespalt zwtscheu ,Alt und Neu* war hier nicht sichtbar, da selbst die orthodorrste» dem einer freieren Richlnng fich zuneigeuden Herr» Daniel Heinemann, zn dessen Gunsten sich die Wahl schließlich entschied, ihre Stimme gaben. — Die Eommission für Verwaltung der DildungSaustalt für jüdische Lehrer hierselbst gibt abermal« einen Berich» über den Fortgang der Anstalt. Demnach hat dieselbe ein eigene« Hau« erworben, und vom Ministerium die Mittel erhalten, um die Lehrmittel zu vervollständige», auch unbemittelten Zöglingen Unterstützungen von jährlich im Durch» schnitt 30 Thalcrn zu bewilligen. Obgleich der Zuschuß au« öffentliche» Mitteln jetzt 1200 Thlr. beträgt, so wird doch höchlich bedauert. daß die Beiträge von Gemeinden und Einzelnen spärlich fließen, selbk feste Zusagen nicht einmal erfüll: werden. Die Commission bittet daher «« reichlichere Spenden; insbesondere aber um fortlaufende Zuschüsse au< den verschiedenc» Gemeinden. Namentlich wird die nachhaltige Dermeh, rung des SliptndienfondS empfohlen. Mit Dank anerkauur wird die Bereitwilligkeit, mit der jüdische Einwohner Hannovernnd Linden« den Schülern Freitische gewähren; in dieser Beziehung ist jederzeit da« ganze Bcdürsniß befriedigt. Die Anstalt, die bisher etwa 50 Lehrer de» Gemeinden bereits geliefert hat, zählt gegenwärtig 3l Zöglinge; und viele Anmeldungen aus unserm Lande, wie aus dem übrigen Deutschland, haben »och zurückgcwiesen werden müssen, ein Zeichen de« wach-- senden und sich auSbreitrnden Vertrauens und Rufes der Anstalt. — Dem bekannten Reisenden Z. 2. Dcazamin II. wurde dieser Tage die goldene Medaille ״urtilms et litorm" für Kunst und Wissenschaft von Sr. Majestät dem Könige vou Schweden übersandt, dieselbe war mit einem höchst schmcichclhastcu Handschreideu des König« begleitet. — Einem jüdische» Studenten (dem Sohne des Rabbiners aus HilLcSheim) wurde ans der städischen Kaffe ein Stipendium bewilligt. Herr Landrabbiner Dr. S. E. Mayer von hier weihte am Rosch Chodesch Sivau die ncuerbauie Synagoge in dem benachbarten, zu seinem Bezirk gehörcndt» Harburg ei», die EinweihungSrede wird als meisterhaft bezeichnet. wie sein Redncrtalent bei solchen Gelegenheiten sich immer glänzend bewährte. — Für die ausmeiksamen Leser dieses Blattebemerkt ich, daß die ״Geschichte der Zuten in Speyer" von Dr. M. Wiener, auf dir derselbe in seinem Artikel verwiesen, sich nicht, wie daselbst augegebcn. im Zahrbuche für Geschichte der Zuden und de- Zudcuthum« bkfindet, sondern in Frankels Monatsschrift. Dieselbe war für den Literaturvercin bestimmt, als ausgenommen in der Zeitung dr- Zudenthum« ausgesührt. aber hernach als ״zu wissenschaftlich" zurückgrsandt. M. Kopenhagen, Ans. Zuni. Bei dem in diesen Tage» abgehaltcn.'N Post-Cougreß vieler europäischer Staaten wurde dir dänische Nrgierung von einem Zsraeliten, nämlich dem Sekretär im Finauzmini» sterinm. Herrn M. Levy von hier, repräseutirt. M. Kopenhagen, Ans. Zuni. Für viele Leser d. ״B. CH." dürste rS vielleicht nicht unintereffaut sein, zu hören, daß der jugendliche jüd. Tonkünstlcr Auer aus Ungarn vor Kurzem sowohl i» Stockholm» al« hier in Kopenhagen öffentlich ausgetreten und durch fei» klassisches Spiel alle Mufilkeniier und Musilsreunde förmlich bezaubert hat, so daß alle öffcntltchen Blätter ihm dahöchste Lob spendete». ץ Odessa, Mitte Mai. Dr. A. T. Goldrnblnm hat soebe» den vierten Zahresbericht über die erste Sabbathschulr, deren Gründe» uud Leiter er ist. veröffentlicht. Die Anstalt ist rm erfreulichste» A»f, schwunge begriffen, wiewohl der Besuch derselbe» noch nicht besriedigenv ist (S. -1). Die Lehrer unterrichten unentgeltlich, Bücher und Schreib- Materialien werden den Schülern gratis verabfolgt. Der sel. Commerz»»