Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1863-05-13 · 20 (13.5.1863) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
20 (13.5.1863)
Date
1863-05-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2542917-2542918-2542939--3113-2546962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

355 356 dem Judcnthume abgrcnzt und die auch den jüdischen Astrologen mit dem islamischen nicht ganz den einen Weg gehen läßt. Wohl hat der tüchtige Kenner und Apologet deS Koran, Gustav Weil, nachzuweiseu gesucht, daß nach der ur» sprünglichen Lehre deS Mohammed keinesfalls der F ataliSm»S als islamitisches Dogma zu betrachten sei'), — allein Weil selber gibt es zu. daß die or.'hvdorcu Jmamen die Prädestinationslehre zum feststehenden Glaubenssatze erhoben. Während nun hier der Fatalismus der Astrologie in die Hände arbeitete, mußte im Judenthnme im Gegenthcik die Vfftre von der Freiheit deS Menschen derselben den entschiedcusten Widerstand bieten, so daß auf dem Boden des IudenlhumS die Schlingpflanze dieser Astenvissenschast ein durchaus nicht geeignetes Erdreich fand. Selbst die eifrigsten Anhänger der Astrologie unter den jüdischen Arabern konnten sich derselben nicht so ganz unbedingt hingebcn, wie ihre muselmanischen Zeitgenossen, sonder» ebenso, wie wir dies oben an dem Thalmud erkannt, gaben sie sämmtlich zu, daß der Mensch mit Hilfe Gotteö den siderischcn Einstüssen und den Vvrherbestimmungen der Eonstellarion entgehen könne. Samuel Ha-Nagid (gcb. in Eordova 993) bezieht taS göttliche Epitheton ״der Allmächtige" ans die Macht GollcS, taS Geschick der Menschen dem Eillflussc der Ge׳ üirne zu entziehen *). Dessen Zeitgenosse, der als Dichter wie als Denker gleich ausgezeichnet.׳ S a l o »1 o n Z b n - G a b r i ol hatte sich i-.'ebl ebenfalls den astrologischen Tränniereien seiner Zeit nickt entwunden׳'), aber man lese seine ״Königskronc", dieses eck'abenste der wieder, das jemals ein begeistertes Dichterbcrz zur Verherrlichung seiucS GolleS gesungen, und man hört da nur den einen Gedanken auö all den goldenen Versen hervorllingen, wie es nur GoltcS Wille sei, der Alles regiert, den Wurm in der Tiefe, wie daS leuchtende Heer der --lerne in der Höhe, nnd wie diese nicht die Herren des üienschlicheu Geschickes seien, sondern nur die Diener Golres, die stets seinen Willen zu vollziehen haben. Abraham ben Ehija Albargeloni (geb. 1065, gest. 1136), einer der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit und angeblich der Erfinder der Algebra'), huldigte gleichtoehl der Astrologie. Er stellte daS Horoskop für günstige und ungünstige Tageszeiten, und so wollte er einst einen Bräutigam hiudcrn, sich zur Trauung zu begeben, weil gerade die dazu bestimmte Stunde von dein Unheil bringenden S lernbilde MarS beherrscht sei"). In der Einleitung zu seiner astronomischen Schrift ״Zurat Ha-Arez" verspricht er em Werk über Astrologie, dazu auch seine Schrift ״Megtllat ha Megalle" zu zählen ist, in welcher letztem er nach astrologischem Verfahren berechnet, daß der Messias im Jahre der Welt 5118 (1338) erscheinen werde. Trotzdem betrachtet er die Astrologie nicht als eigentliche Wissenschaft, auf deren Deductionen man tränen könne, da ihr keine dialektifchea Beweise zu Grunde liegen, sondern nur willkürliche Hypotheseu •). Ganz anders denkt freilich hierüber Jbn-Esra, der ״große Astrolog", (האצטגנין הנרול) wie ihn der Kritiker Asaria de Rossi nennt. Seiner Ansicht nach ist die Astrologie für die Adepten dieser Kunst eine ״erhabene Wissen» schaft" (חכמה עליונה) ’). Ja, Jbn-Esra galt im Mittelalter als eine Koriphäe in diesem Gebiete, er verfaßte eine ganze Reihe von astrologischen Schriften (angeführt von DukeS, Orient 1851, L. B. S. 470), die Petrus PaduanuS (1293) inS Lateinische übersetzte. Aber bei alldem durchzieht, einem rothe» Faden gleich, der eine Gedanke alle Schriften Jbn-EsraS: daß die Seele deö Menschen, die, durch Hingebung an Gott, ihre Abstammung aus der höchsten Welt — der Welt der Geister — bekundet, erhaben über die Welt der Sterne nnd von deren Einfluß befreit sei; denn eS gebe drei Welten, die eine höher als die andere, die Welt der Geister, die der Sphären und die der vier Elemente — nnn sei freilich die letztere und mit ihr der Mensch, als ihr Bewohner, der Sphärenwelt nntcrordnet, allein tvenn die menschliche Seele ihrer Abstammung aus der Welt der Geister getreu forilebt, dann müssen sie über die Stcrnenwelt stehen"). Nicht aber als ob dann die Borhcrbcstimmung der Eonstellation z» Nichte würde, sondern Gott fügt es nur so, daß, trotzdem die Bestimmung sich erfüllt, der mit Gotteö Schutz Bedachte derselben entgeht. Du mußt dir die Sterne wie die in einer Straße rennenden Rosse denken, sagt Jbn-Esra, die Rosse reimen i!1rmer fort,!licht um Diesem wohl, oder Jenem wehe zu lhun, sondern weil dies ihr Naturgesetz ist. Nun geht in derselben Straße ein Blinder, der natürlich nicht auszuweichen im Stande ist, und daher in größter Gefahr sich befindet, er stützt sich jedoch auf einen sehenden Führer, der ihn vorsichtig bald nach rechts, bald nach links hinleitet, um der Gefahr auSznweichen. Die Rosse rennen derart uiiaufhaltsain ihre Richtung fort, und dennoch entgeht der Blinde dem ihm drohenden Unglück. Ganz also ist eS mit den Bestimmungen der Eonstellation. ES wäre z. B. durch dieselbe bestimmt, daß eine gewisse Stadt an einem bestimmten Tage von einer Ueberschwemmnng heimgesucht werden solle, wodurch deren Bewohner ihren Tod finden müßten. Nun aber fügt eö Gott, daß dieselben vor dem bestimmten Tage die Stadt verlassen — die Eonstellation hat somit Wahrheit verkündet, und die von Gott Geschützten sind dennoch der Gefahr entgangen*). In Südfrankreich hatte, wie aus dem maimunischeu Sendschreiben, darüber wir weiter unten sprechen werden, zu ersehen ist, die Astrologie ebenfalls weit um sich gegriffen, und der berühmte südsranzösiscbe Tbalmudgelehrte Abra»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.