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Ben Chananja · 1863-05-06 · 19 (6.5.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
19 (6.5.1863)
Date
1863-05-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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339 340 Rabbinen. Nun kam der Leichenwagen. DaS Leichentuch wurde von sechs Freunden deS Verblichenen getragen. Unmittelbar nach dem Leichenwagen gingen der Präfekt Herr Rosetti; der General-Inspektor Dr. Davila mit dem Doktoren-Eollegium; der Präsident der Munizipalität Herr Stoika; daS gelammte Profcfforen Kollegium; die Eleven der Militärschule und die Schüler deS Collegiums. Eine unabsehbare Menge von Wagen beschloß den Zug, welcher erst nach zwei Stunden den Friedhof erreichte. Hier hatte sich seit frühem Morgen eine große Menschenmenge anö allen Ständen versammelt, um dem Lieblinge Bukarests und Rumäniens den letzten Beweis der Verehrung zu geben.;?1!» offenen Grabe schilderte Herr Heresen den Lebenslauf deS Betrauerten, sein fortschreitendes Wirken und seine litcrärische Thätigkeit. Die gedruckten Arbeiten Barrasch'S wurden namentlich angeführt. Der begabte und beliebte rumanische Dichter Aricescn widmete seinem Freunde einen schwungvollen Nachruf, in welchem die Kämpfe deS jüdischen Volkes in der Vergangenheit nnd tcffen Stellung in der Gegenwart von wahrhaft liberalem Standpunkte gewürdiget wurden. Dr. FelS beschloß dir Reihe der Redner; seine Schlußworte lauteten: ״Friede der Asche deS edelsten 311t> c 11 R u m änie n S, Friede der Asche unseres DrS. JuliuS Barrasch!" Nachwort des Nrdaktcttrs. Dr. Julius Barrasch war ein Mann von seltener Begabtheit: er schrieb hebräisch, deutsch, srauzösich und rn- 111ä11!sch mit gleicher Gewandtheit und Eleganz. Die rumänischc Sprache eignete er sich im reisen ManncSalter an, und durch seine ersten gelungenen Versuche, diese Sprache zur Darstellung naturwissenschaftlicher Gegenstände zu gebrauchen, hat er sich in der Geschichte der rumänischen Lileratnr einen ehrenvollen Plan gesichert. Seine Thätigkeit wird unö von mehreren Berichterstattern als wahrhaft bewuudcrnngSwürdig geschildert. Er hatte als Arzt eine auSgedehnte PrariS. Dabei leitete er als Direktor daS Kinderspital, bckeidcte die Professur an drei, zeitweilig selbst an vier Lehrstühlen, redigirtc die rumänische Zeitschrift ״J siö" oder ״Natura", und gewann noch immer Zeit, auch anöwärtigen Journalen Korrespondenzartikcl zu liefern. Und dennoch liegt seine Bedeutsamkeit weniger in diesen persönlichen Vorzügen, als in dem Umstande, daß er die den osteuropäischen Juden vorgezeichnete Bahn von ihrem Anfänge bis zu ihrem Abschlüsse durchlief. Dr. Barrafch begann seine schriftstellerische Laufbahn in ncuhebräischer, und beschloß dieselbe in rumänischer Sprache. In seiner Jugend schwärmte er für die Bildung der polnischen und russischen Juden. In jener Zeit schrieb er seinen Ozar Ehochma, dessen Herausgäbe ihm jedoch erst in späterer Zeit gelang. Nachdem er in Bukarest eine zweite Heimat gefunden, schloß er sich der rumänischen Nationalität an, und widmete seine fruchtbare litcrärische Thätigkeit dem Anbaue der rumänischen Literatur. So langte er an dem Punkte an, zu welchem die osteuropäischen Juden erst nach Verlaus einer längeren Jahrenreihe gelangen werden. DaS verklärte Bild deS so einmüthig gefeierten Dar, rasch wird sich, wie seine großartige Leichenfeier erwarten läßt, den Rumänen und den rumänischen Jüdin tief in die Seele prägen: den Rumänen wird cS zeigen, waS der Jude werden kann; die Juden wird cS lehren, was der rumänische Jude werden soll. בית יהודה יאמר: הנמה אוצר ית אל נוצר בכור ק1צר הסתיר pjs'• בת רומניה תאמר: ששה יוצר כהה עוצר ברמה בוצר אשרי בניו! Die Monomic Hit iü&ilrfjrn Bo» Dr. Adolf Irl tiurk *). In jenen Jahrhunderten, die lange düstere Schatten ans die Völkergeschichtc werfen, in den Zeiten, wo Judengaffen, Judeiistener», Judenhüte, Jndenräder, Jnden-ReglementS, -Jmmuniläten, -Privilegien, -Patente, -Gesetze und Rechte der AuSdrnck der herrschende» Willkür waren, erfreuten sich unsere Väter eines kostbaren GnleS,^dessen hoher Werth erst in unfern Tagen recht eigentlich begriffen, nach dessen ungeschmälerten Besitze heute überall gestrebt wird: cS ist dieö die freie, autonome Gemeinde! Ohne der Uebertreibnng beschuldigt zu werden, kann man wohl behaupten, daß das freieste Gemeinwesen bis auf die neue Zeit daö jüdische war. Die Wahl der Führer und Vorsteher, die Einsetzung der Richter für Eivilangelegenheii len, die Bestimmung der BesteuerungSobjekle und die Vertheilung der Abgaben, die Abänderung alter und die Einsührung neuer, das Gesammtwohl betreffender Einrichtungen, selbst Maßregeln, welche in daS Gebiet der Polizei-Verwaltung gehören. Alles ruhte auf der breitesten Grundlage der Gemeiiide-Autonomie, — der sichersten Gewähr und der besteil Garantie, daß die Gerechtigkeit durchdringe — so daß die communale Freiheit und Selbstständigkeit im Ghetto, unter den von der Gesellschaft verstoßenen Juden, ihren Wohnsitz hatte. Der Wirkungskreis der jüdischen Gemeinden war kein •) Au» der bri dem Wirncr Chevra-Mahle gehaltkaea Rede.

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