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Ben Chananja · 1863-04-29 · 18 (29.4.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
18 (29.4.1863)
Date
1863-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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323 324 unablässig streben durch Wort und That. Ihm muß alle Kraft, die unS gegeben, alles Wissen, daS wir erworben, alleAnstrengung, deren wir fähig sind,;»gewandt sein; alle Achtung selbst, die wir errungen, alle Liebe, die wir ge- Wonnen haben, müssen wir für diesen Zweck in Anspruch nehmen. Zurückhaltung geziemt n»S, wie Jedem, wo eS daS Gelteiidmachen unserer Persönlichkeit, aber Kühnheit und trotziger Math, wo eS die gemeinsame Sache unserer Glaubensbrüder gilt. ES gilt hier nicht, Rechte allein, eS gilt auch die Achtung aller Edleren zu gewiunen: denn man kann wohl den einzelnen U nt er drückten achten, aber nimmer Den, der ,ich der Unterdrückung feig und willig schmiegt. Wir, die wir wärmer für Freiheit und gesetzliche Gleichheit sühlen, die wir die fehlenden schmerzlicher oermissen, wir wollen Die nicht gering schätzen, die die langjährige Gewohnheit für jenen Schmerz abgestumpft hat, die sich durch den Besitz äußerer Güter darüber trösten, oder bei denen die herbe Roih deS TageS keinem freien Gedanken Raum läßt; aber eben so wenig wollen wir unS durch ihre Kälte in unserm Eifer irre machen lassen. Daß die Zahl derer, die diesen Eifer ,heile», stündlich zunimuil, daS ist keine Frage * **)). "Achnmg aller Ed en ist ihm aber in reichstem Maße zn Thcil geworden. Die Drganc der öffentlichen Meinung lassen ihm alle Gerechtigkeit widerfahren. So begleitet die ״National- Zeitung" die Nachricht von seinem Tode mit solgeuden Worten: ״Der beredte Mund ist ,11,11 verstummt, dem in der deutschen Nationalvcrsanimlnng einst alle Parteien mit Entrücken gelauscht, denn er besaß die höchste Eigenschaft eineö politischen Redners; jedes seiner Worte war der Ausdruck sittlichen Ernstes und eines tiefen und schönen sittlichen GesühlS. Sein ganzes Leben aber trug den Eharakter seiner Beredsamkeit, eS stellt in liebenswürdiger Erscheinung den hoben Gehalt deS Allgemeinmenschlichen rein und ungetrübt dar. Den Freunden wird er unersetzlich, der deutschen Nation sollte er ewig unvergeßlich sein." Wir rufen dem edlen Volleudeten in der Sprache deS alten Israels zu: היצק חן על?יף שליי* אף יניח זךי־ך ברוך נצח בסלאוח פערה*} *) Daselbst S. G3. **) Bielen unfcrcr Leser dürfie c« unbekannt sein. Laß Rieffer« Vater. Lazarus I. Riesser in Lübeck, im Jahre 1818 für den Hamburger Tempel in die Schranken trat. Derselbe war nicht Nabbi- »er. wie Stern glaubte (Gesch. L. Jndenth. S. 178). sondern ein 'balmudisch geiehrter und auch sonst vielseitig gebildetei Privatmann. Seine Apologie erschien unter dem Xitel: .Sendschreiben an meine Glaubens- Atnofftn in Hamburg.' oder eine Abhandlung über den jüdischen Cultu«. Alicna. 1818. Gebe. Bon» - Da Lazarus Rieffer allgemein als ein sehr Die kehre phsso'5 vvm Me. Anderthalb Jahrtausende mußten verstreichen, bis Philo, der älerandrinische Philosoph und SchriftauSleger, unter seinen eigenen Stamm- und Glaubensgenossen nationalisirt wurde. Den Akt der Nationalisirung bahnte Azariah bei Rossi an, indem er Philo'S Werke mit in den Kreis seiner geschichtlichen und archäologischen Forschungen zog, und demselben den hebräischen Namen Jedidjia gab. Hierauf vergingen wieder beinahe drei Jahrhunderte, bis Josef Flesch den Versuch machte, einige Philonische Schriften ins He, bräische zu übertragen, und auch jüdische Forscher in Deutschlaud, besonders Dr. M. Wolfs, gegenwärtig Rabbiner zu Gothenburg in Schweden, begannen, ihre Forschung dem edlen Alexandriner zuzuwenden, welcher in jeder Rücksicht zu den eminentesten Persönlichkeiten deS nachbiblischen Israels gehört. Von jüdischer Seite ist jedoch Philo nur als Religionö- Philosoph und alö allegorisirendcr SchriftauSleger gewürdigt worden. In beiten Beziehungen gehört er aber bloö der Geschichte an, und daö Interesse für ihn kann nur in dem verhälmißmäßig engen Kreise derer vorausgesetzt werden, die sich überhaupt für den Entwicklungsgang der philosophischen Spekulation und die verschiedenen Richtungen der Eregese interessircn. Allein Philo hat auch daö Recht, als begeisterter Lehrer der jüdischen Sittenlehre betrachtet zu werden: ein Recht, das ihm noch kein Forscher streitig gemacht hat. Frankel sagt: ״Die religiös-moralischen Abhandlungen Philo'S verbreiten sich über die in der heiligen Schrift niedergclegte frommer Mann bkkannl und geachtet war, machte sein Sendschreiben nichl genüge« Aussehen. Er sagt in bniifclbcn drn Gegnern deS Tempels unier Anderem -. ,.׳Statt das gute Beispiel, das der neue Tempel , uns in Hinsicht der dort herrschenden Andacht gibt, stören zu wollen, j was uns, wie bereits gesagt, nach göttlichen und menschlichen Gesetzen ' unerlaubt ist. müssen die wahrhaft Frommen in Israel darauf bedacht sei», dieses löbliche Beispiel für sich zu benützen, und der wahren Andacht auch in unser» Gcbelhäusern aufzubelfen." Die wichtigsten Schriften Dr. Gabriel RiefferS find außer der im Terte erwähnten: Bertheidigung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gegen die Einwürfe des Herrn Dr. Paulus. — Börne und die Inden, ein Wort der Erwiderung auf die Flugschrift de« Herrn Dr. (t. Meyer gegen Börne. — Der Jude. periodische Blätter für Religion und Gewiffenssreiheit. 2. Bbc. Kritische Beleuchtung der neuen ständischen Berhandlungen de« englischen Parlaments im I. 1833. — Betrachtunzeu über die Derbäliniffe der jüdischen Unterlhanea in der preußischen Monarchie. — ״Der Jude" ein Journal für GewiffeuSfreiheit. In zwanglosen Hesten. Jüdische Briese. Zur Abwehr und zur Berstän- Ligung. 2 Hefte. Eine Blumenlese au« diesen Schriften wäre für die reifere jüdische Jugend eine sehr angemessene Lektüre. Hoffentlich wird in allen gebildeten Gemeinden Rieffer« Gedächtniß gefeiert werden» und erlanbeo wir uu« di« ergebenste Bitte, den B. Eh. davon unterrichten zu wollen.

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