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Ben Chananja · 1863-04-15 · 16 (15.4.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
16 (15.4.1863)
Date
1863-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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291 292 wenn er ein RabinatS-Diplom von dem Arader Rabbiner vorgezeigt hätte. Dagegen war Chorin bei den reformistisch gesinnten Inden in Deutschland eine Autorität ersten Ranges. Er gehörte auch zu den Rabbinen, an die sich daS Breslauer Obervorstrher-Collegium im Jahre 1912 in einer Angelegenheit wendete, welche für die BreSlauer Gemeinde von Hoher Wichtigkeit und für alle Freunde deS Fortschrittes von nicht geringem Jnteresie war. ES handelte sich nämlich um die Vcrtheidigung Geigers, welcher schon 1838 statuten«! gemäß zum RabbinatS-Affessor gewählt, aber von unwisien- I den Fanatikern und niedrigen Denunzianten verfolgt worden! war! Chorin schrieb, nachdem er sein Gutachten abgegeben! halte, einem Freunde nach Groß-Kanizsa: ״Ich wurde vor einigen Wochen durch ein Ansuchen der BreSlauer Gemeinde sehr angegriffen. Ich batte dieser Gemeinde eine ,'christliche Aeußeruiig abzugeben über die Frage: ob die jüdische Theologie sich mit wissenschaftlicher Forschung verträgt, oder die altherkömmlichen Satzungen, wie sic im Thalmnd anfgenommen sind, nicht angetastet, ja nicht einmal untersucht werden , dürfen? Sic wünschten auch die Erlaubniß, meine Aeußernng nöthigensallS dem k. Ministerium zn unterbreiten, und auch zu veröffentlichen. Diese Arbeit hat mich so milgenom- ' men, daß ich mich, um mich zu erholen, auf einige Tage ׳ inS Gcbirg begeben habe. Gottlob, ich bin wieder ganz hergestellt. In meiner Aeußernng habe ich mich ganz frei ausgesprochen." Diese Aenßerungen beweisen aber nur, wie sauer dem alten Manne bereits daS Prodnziren geworden ivar. DaS Gutachten selbst, das zweite in der von dein BreSlauer Porstehcr-Eollegium beranSgegebenen Sammlung, — daS erste ist von dem damals 86jährigen Josef Abraham Friedländer, Landrabdinen deS HerzogthumS Westphalen und der Herrschaft Wittgenstein, — berührt den Kernpunkt der Frage nur nebenbei, und reprodnzirt bloS die in EhorinS früheren Schriften niedcrgrlcglen Ansichten von der Berechrignng der Svnvdal.Antorität. Merkwürdiger Weise sollte sich ihm noch in den letzten Tagen seiner irdischen Wallfahrt die Aussicht eröffnen, daß sich seine Lieblingsidee realisiren würde. Die Bramsschweiger- Nabbinervcrsammlnng, von welcher er ans seinem letzten; Krankenlager Kunde erhielt, betrachtete er als Vorläuferin künftiger Svnodcn, wofür sie auch von vielen ihrer Freunde in Deutschland gehalten wurde. Ja, cS wurde ihm sogar die Genuglhuung zu Theil, zu einer Rabbinerversammlung in Ungarn geladen zu werden. Der Schöpfer dieser Versammlung war der damalige Papaer Rabbiner Paul Horowitz. Dieser gehörte zu denjenigen Rabbiuen, welche R. Jochanan b. Zakkai, den 1 Retter der Thora nach der Zerstörung deS zweiten Tempels, in so ferne als ihr Vorbild betrachten können, als auch R. > Jochanan zuvörderst Kaufmann und erst dann Rabbiner war.! Horowitz hatte in Mäd, einem Marktflecken im Zempliaer Comitate, eine Reihe von Jahren als Kaufmann gelebt, bevor er in Paks, im Tolnaer Comitate, Rabbiner wurde. Hier begrüßte er den Grafen Karl Eßterhäzy, als derselbe Obergespan dieses ComitatcS wurde, mit einer ungarischen Ansprache, und dieser hatte er in der Folge seine Berufnng nach Papa zu verdanken, dessen Grundherr Gras Eßlerhüzv ,var. Hier wurde er in den Kampf der Parteien hineingezogen, da die Reformpartei in Püpa zu fener Zeit tüchtig vertreten war und mit Energie auftrat. Horowitz besaß zu viel Wilrkenutuiß und auch zu viel Ehrgeiz, um sich mit der Rolle eines passive» Orthodoren zu begnügen. Auch fürchtete er die Berufung eines Predigers, welche zu wiedcrholten Malen vorgcschlagen worden war. Er faßte daher den kühnen Entschluß, unter der Protektion seines Gönners, deS Grafen Eßlerhüzy, eine jüdische Hierarchie in Ungarn zu gründen, um die Rabbinen vor den Anfechtungen der reformistischen Partei sicher zu stellen. In der Thal gelang cö ihm, eine Rabbinerversammlung zu Stande zu bringen, welche am 20. und 21. August 1811 in Paks ragte, aber vollständig Fiasko machte. Die trefflichen Vorschläge Schwads, welcher von einem Sendboten der Versammlung abgeholt wurde, werken von einer einsichtigeren Zeit wohl noch denützt werden, in Paks blieben sie wirkungslos. Horowitz Hane sich nicht verhehlt, daß er die Unterstützung hervorragender Laien bedürfe, um sein Projekt anS-;«führen, und bei manchen hatte er auch nicht vergeblich angeklopft. Leo Holländer in Eperieö wurde allgemein als Freund der Pnpaer Tendenzen bezeichnet. Ans eine von Pest anS an ihn gerichtete Anfrage antwortete er: ״Der Zweck dcö Rabbiners von Püpa ist ein Consistorium, daS Rabbincn anstellt und überwacht, und nicht bloS aus Geistlichen, sondern auch aus Laien bestehen soll, um so eine Gleichförmigkeil im Judenthum Ungarns herzustellen, und gleichen Lehrplan und Schulbildung zu verbreiten. In wie ferne dieser Witte wahr ist, kann ich nicht verbürgen. Diese Tage erhielt ich ein Schreiberr anS Püpa vom Rabbiner, worin er mir anzeigt, daß er auch freisinnige Rabbinen gerufen habe." In der That wurde auch Chorin berufen, und zwar durch Vermittlung deS TemcSvürer Rabbiners, Hirsch Op« pcnheim. Er richtete unterm 13. August 1811 ein ausmunterndcS Schreiben an die Versammlung, da er in der Illusion lebte, dieselbe würde den Weg der Reformen einschlagen. Zwölf Tage später versendete der Vorstand der Arader Gemeinde folgende Mirtheilnng in ungarischer und deutscher Sprache: ״Der gefertigte Vorstand und Ausschuß der tu Trauer gehüllten Arader Jsraelitengemeinde bringen hiermit betrübten HerzenS allen Thrilnehmero an ihrem tiefem Schmerze, und Allen, die daS Gnte, Schöne, und Gottgefällige zu würdigen verstehen, zur Kenntniß, daß eS der

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