Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 15 (8.4.1863)
- Date
- 1863-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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271 272 sich die KrankheitSveränderungen betrachtet, welche von den verschiedenen Konstellationen deS MonbeS und der Planeten abhängig sein sollen. Die Sonne nähme hier die erste Rolle ein. Apollo, der Sonnengott, galt zugleich als Gott der Aerzte (ebenso wie er, wahrscheinlich der Sphärenmusik halder, auch als Gott des Gesanges und deS SaiteaspieleS galt). Noch im 16. Jahrhundert hatten Paracelsus und CardanuS die Medicin und Chemie mit der Astrologie in Verbindung gebracht. Vielleicht dürfte dies auch auf den im Thalmud so berühmten Arzt und Astronomen Mar Samuel Jarchinai zu beziehen sein,-den Vater des jüdischen KalenderwesenS, von dem eS sprüchwörtlich geworden, daß ihm die Himmelsbahnen so bekannt gewesen, wie die Straßen seines Wohnortes. Mit dieser ausgezeichneten astronomischen Kenntniß ging die medicinische Wissenschaft und PrariS Hand in Hand um derenthalben man ihm daS Prädikat ״Chakim" ertheiltc (vrgl. Rapoport Bikk. Ha--Jttim VIH.). — Allein, obi'chon im Alterthnme fast immer Astronomie mit Astrologie verbunden war, nnd obschon auch die Baraita deS Samuel vielleicht astronomische Elemente enthalten haben dürfte, (wie anS DonoloS Commentar Tachkemoni und aus Raschi zu Jesaja 9, 13 hervorzugehen scheint), so spricht doch nichtdafür, daß der Arzt Samuel bei seiner Prognostik oder Heil- Methode die Astrologie za Hilfe nahm. Daß der Thalmud dem Glauben an Constcllatiou nnd Nativität nnd überhaupt an siderische Einflüsse nicht ganz fremd blieb, wie unzählige Stellen zeigen ד) , darf den unbefangenen Denker nicht befremden. Den Epigonen, die, Dank dem tausendjährigen Fortschritte der Wissenschaft, den unwissenschaftlichen Standpunkt ihrer Altvordern glücklich überwunden haben, ist eS freilich ein Leichtes, die Jrrthü« mer derselben zu belächeln; doch nicht so leicht ist eS, Irrihümer, die sich in die ganze Denk- und Anschauungsweise aller Zeitgenossen aufs tiefste und mächtigste eingelebt, und die Jahrtausende hindurch selbst die größten Geister in Ketlen geschlagen, von sich abzustreifen. Hat doch selbst der Schöpfer der neuern Astronomie, Tycho de Drahe, ebenso wie sein Schüler, der große, scharfsinnige Kepler, dem die Wissenschaft so Vieles zu danken hat, der Astrologie sich nicht ganz entwinden können! erwarb sich doch Letzterer eben durch diese Afterwissenschaft die Gunst WalleusteinS, dem er 1629, nach Sagau gerufen, hohe-Glück verkündigte. Noger Bacou (gest. 1291), dieser denkwürdige Mann, der durch die erstaunliche Kraft seines Geistes sein Zeitalter weit überflügelte, war ein eifriger Pfleger der Astrologie, und der berühmte englische Dichter Dry den (gest. 1701) ließ sich noch für seine Kinder die Nativität stellen ״). Wer will also den Lehrern deö ThalmudS, die mitten in dem Wiegenlande der Astrologie, in Babylon, lebten, einen Vorwurf daraus machen, wenn sie diesem alles beherrschenden Wahne ihrer Zeit sich nicht zu entziehen im Stande waren? Fortsetzung folgt. Änmerkange».! )' Vrgl. Johann Friedr. Mayer, Dissert. utrum fata mundi, j regnorum et urbium depcndeant ab a8tris; ferner Disp. utrum i fata roligionum depcndeant ab astris. Zn letzterer Schrift wird (nach einer ältern '.Insicht des Arabers Abu-Mescher s. hierüber Set- t ni, De syncdriis Ebracorum Nb. II. cap. 7) auch daS Schicksal der ' Religionen von den Eonstellationen hergeleilet. So das der christlichen ' von der Eonjuuktion deS Jupiter mit Merkur, der persischen von der ׳ des Jupiter mit Mars, und daS Schicksal des Judrnthum« von J der Coujunktion des Jupiter mit Saturn. — Letzteres scheint; auch jüdischer Seitals ein astrologische- Dogma betrachlet worden zu; sein. So z. B. Jbn. ESra Daniel XI, 30. Selbst den Stand der Wissenschaften wollte man von der Eonstellation abhängig machen. So schreibt Maimuni, Jzg. Teman: וכן שמעתי ממך שאתה אומר שההכמה בארצכם מעוטה ונפסקה מכם ושמת פבה לוה היות הקבוץ,בשילוש העפרי; Geber שילוש העסרי werde» wir Weiler unten sprechen). Auch im Flbrist alulum (Zeitschrift der morgen!. Gesellsch. 1859. S- 623) wird erzählt, daß. wenn Jemand die einheimische nnd die fremde Filosofie — אלחכמ״ה אלפלסס״ה — sich ancigiieu wollte, zuerst sei» Horoskop untersucht wurde, nnd zeigte ihn dies zur Kenntniß der Filosofie geeignet, so weihrte man ihn ein. — Wir bemerken hier gelegentlich, daß man den Planeten Merkur (der schon im Thalmub unter dem Namen Kochab und Safra de-Chama bekannt ist. s. Sabbat!20 b, 156 a.) כותב der Schreiber nennen wollte — על מושל שהוא על הכותבים 6 והסופרים והוא מזלם• Gomn!««. ,» Jcsot, ha-Tora cap. m, 1. '1 סרסור בין האדם ובין הבורא - S. Mai,», biicb. Akum I. 1; Jlk. I». 12. 9 Diese Ansicht, die das Alterthum beherrscht zu haben scheint, prägt sich auch in folgendem Gcbeistücke aus: ״Schön sind die Lichter, die Gott erschaffen; er hat sie mit Einsicht, Erkenntniß und Verstand begabt." Diese Stelle ist wahrscheinlich im More II, 4, gemeint, — Maim. ist in diesem Punkte ganz das Kind seiner Zeit. Vrgl. Jesode > ha T->ra III, 9. — Die 4 Flügel der Engel in der Vision des Jecheskel | deuten ihm aus die 4 Eigenschaften der Sphären. Rundheit, Beseelt heit, Jiitklltgtnz und Begier (More I, 59, II 4 und 5). — Der Psalm« verS: ״Die Himmel erzählen die Ehre Gottes sei daher im buch-! stäblichen Sinne zn nehmen. Ander« denkt hierüber Saadia (Emunot,! II 8). Maim. will eben darum den Menschen nicht als letzten Zweck , der Schöpfung erkennen. da die Sterne viel höhere Wesen al» der! Mensch, nicht deS Menschen wegen da sei» können (More III, 14). In! diesem Punkte steht Maim. hinter nnscru ältern Nabbineu zurück, da! diese von dem Menschen, dem bevorzugtesten Geschöpfe, viel höher denke» ) und ihn weit über die Sterne setzen, Vrgl. z. B. Beresch. radba: \ ״Der Fußbällen Adam« verdunkelt den Sonuenwagen." — 1 0 Vrgl. Aristot. De coclo II 2. und Metaph. XII 7. Schara-; staui II 261; Maim. t. c. Palquera, More ha׳More cd. Preßburg p. ( 21; Jlk. III 4; Ej Ehajim c. 14. — Drgl. dagegen Akt da porta ' III, wo nach Jbn-Latis« Schaar ha׳Schamajim eine scharfsinnige Hypo«! these ausgestellt wird, um die Kreisbewegung der Sphären aus Physika.! lischem Wege zu erklären. — Der Römer Ei rero. der ebenso aus der ' Kreisbewegung der Sterne auf ihre innere Beseeltheit schließt, spricht ׳ kogar von emer Nahrung derselben. ״Wir bemerken, sagt er, daß die Brwohuer solcher Länder, wo die Lust rein und dünn ist. scharfsinniger