Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 14 (1.4.1863)
- Date
- 1863-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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235 236 üo rrespondenz. Ausland. 8 6. Vrcslau, 29. März. — Höchst ancrfruiifn«n>rrt^ ist ra« Bestreben de« hiesigen Synagogeu-VorstandeS j Bezug a!!f dir Gemeind e-Dibliotbek. Diese ha« in einem verhältnißniäßig sehr kurzen Jnlrauntf den bedeutenden Zuwachs von »ahr an 200 Werken erhalt rn. und dürste in ihrer Neichhaltigkett vielleicht in allen jüdischen Gemeintin Deutschlands einzig dastehc». Jedes Gemeinde-Mitglied hat die Berechtigung. Bücher ans derselben zu entlehnen, und an einem destimmte» Tage der Woche ist Eintritt »nd Benutzung ohne Ausnahme gestaltet; eliegen dann die beteiitciidsteu jüdischen Zeitschriften ans, »nd ist eer Besuch der kesestundea stets rin ersreulicher. Der jüdische Reisende Herr I. I. Benjamin. Lurch sein vor niehreren Zahrc» heranSgegedencs Werk ״Über Asien und Afrika" in den weiltslcn Kreist» dekanni. welcher sich auch der wärmsten Ane,kennn»g Alerauber von Humboldt'-. Ritter'- und Prtermann'S;» ersreuc» hatte, besindet sich gegenwärtig hier. Sein neuestes, ״Drei Jahre in Amerika* beiiielkeS Werk girbt eine Beschreibung seiner Erlebnisse aus seiner letzirn grcße» Reise in Amerika, die in solcher Vollständigkeit. Gcnauigkeil, und von!0 neuen Gesichtspunkten ausgehend, wol bighei noch nicht ge liefert worden ist. Denn ist auch die Erforschung der Verhällniffc und Zustände der in den fernen Lauten zerstreuten jüdischen Beoöllerung der wesentliche Zweck des utttruiüdlichrn Reisenden, so weiß er doch seinrm Werte dadurch einen a'izemtinen Werth zu verleihen, daß er mit!roßer Lachkeiintiiiß und freiri» Blick dasjenige erforscht, was von Jutereffc iiir die Wisseiischast überhaupt ist, um aus diese Weise ein bclehrendcs. anziehendes und unpartheiischeS Bild jener Gegenden vor-;»führen. In der zweiten Abllieilung des neuen Werkes, welches in 3!heile zerfällt, siudct mau eine auSsührliche Lchilderunz Kaliforniens, und inlercssan e Miltlicilungen über mehr als dreißig Zndiaiicrstäaimc, die der Verfasser brsuchi hat. Die dritte Abtheilung behandelt den '.'icrtwestcn Amcrila'S »ud gewinn! einen besonder» Reiz durch die darin eiiihalieue Geschichte der Mormonen nach ihren elgencu Quellru. Lenen lehr werikvoll׳ Notizen übrr die jetzigen Verhältnisse dieser Glaubensgenossenschast beigegebcn sind. ES verdient gewiß rühmend hcrvorgehobea zu werden, daß der Vcrsaffcr ohne jede Unterstützung seitens der Regie« rungen oder gelehrten Gesellschaften den Beschwerden und Gefahren der weiten Wanderlingeii sich lediglich aus wissenschaftlichem Drange unter» zogen hat, und in der Thal haben, nach dem Urtheile kompelrnter Aiitoritätkn. seine Reisen für die Wissenschaft in historischer, ethnogra« »scher und uaturhistorrichcr Beziehung, sehr deachteuSwerthc Resultate zu!age gefördert. Herr Benjamin hat len Ertrag dieses seines neuen Buche« zu einer Reise nach Arabien, Abyffinien , .id Malabar destimmt, und es wird hoffentlich einem solchen wissenschasilichen Zwecke durch An« ׳chaffung des Werke« möglichst Dcrschud geleistet werden. — Bre-lau, im März. — Diese Tage veröffentlichte vr Samnelsohu deu Jahresbericht über dir Nelrg,o»r-Unterrich1--Anstalt der dies. Synagogtngcmnudr. Dem Berichte gebeu Schulnachrichtea voran, denen wir folgende Daten entnehmen: Da« alte Schuljahr batte mit 307 Schülern und Schülerinnen abgeschlossen. Im Laufe de« gegen» värtigcn traten Sü neue hinzu. so daß in den acht Klassen der Anstalt 502 Zöglinge unterricht,» wurden. An dir Ctellr de» Hrrra vr. Gü« demauo, der 6 Jahre hindurch au der Anstalt »oirktr. und im Herzen seiner Kollegen und Schüler ein dauernde« Denkmal der Freundschaft und Liebe zurückgelaffen. trat Hr. vr. Michaeli«, desseu Gewiffenhastig» keil und Liebe zum Lehramt« zu den schönsten Hoffnungen berechtig ea. Dir össeutliche Prüfung wird am 2». März abzebalten werden. Der neue Kuesu« begrünt am 14- April. Inland. ' J. Wien, 29. März. Die Judeagemeinben habt» t« zu all״! Zeiten ringesehea» daß sie ihre Vorsteher, welche -e ja auch nach Anßr» ן vertreten sollen» andem Kreise derer zu wählen haben, dir sich i» hi« ■ Herrn» oder geringerrm Grade einer günstiger» sozialen Stellung in׳ der , Gesellschaft erfreuen. Diese Mrrimr wu.oe zwar picht ausgesprochen »nd diskutirt. aber doch in allen jüdische» Gemeinden befolgt. Nun aber konnte der Jude io früherer Zeit eine verhältnißmäßig günstigere soziale Stellung säst nur — seinem Golde verdanken. Der matrrirlle Besitz ' war also die beste, wo nicht ausschließliche Empfehlung zur Parnaß-! Würde. Auf eine gehobene soziale Stellung nehmen nun allerdings j auch dir Judrn der Grgrnwart Rücksicht, und sie thua wohl daran; ' aber das Geld ist heutzutage Gottlob nicht mehr da« einzige Mittel.! das dem Juden die Bahn in nichtjüdischr Kreist ebne,. Andere Qua- | lifikationcn, Tüchtigkeit auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Kunst,! der Industrie und dehöher» Handel«, thun die« auf eine ehrenvollere I und daher für dir Juden erfreulichere Weise. In Frankreich wählen! die Juden in ihre Konsistorien. Prcfeffocen. hervorrazrudr Schriftsteller, ׳ Advokaten. Arrztr, Jngcnicnrr, StabSvssiziere, besonder« gebildtte DanguicrS. Fabrikanten «nd Kauffeute. Wo dir Emanzipation noch eine | Zcitsrage. oder vom jüngsten Dato ist. muß die Auswahl in Ansehung; der AerufSarten natürlich eine beschräiiktcer!ein; aber Repräsentanten der höhcrcu Bilduug und Jntelligrnz gibt rS in unsrrer Zeit unter pro Jude» aller europäischen Länder. selbst — wie ich au« eigener An« schnuung weiß — in Konstantinoprl. Ist nun einmal die Kcsammtheit oder Mchrzahl einer Gemeinde so weit fortgeschritten, daß sie sich bei der Wahl ihrer Borstrher und Vertreter von der Rücksicht aus Jotrlltgcuz und Bildung leiten läßt. so ist e«. — und wäre Lies auch nur bei Einer Wahl geschehr», — nicht lricht tcukbar, daß Liesrlbe Trmriudr j an rrin plutokratischcn Vorstehern uud Vcrtrrtern ihr Genüge >>nd Wohl- 1 gefallen sind», und müssen alle hierauf gcrichtctrn Aiistrrngnngcn feucht- ן und erfolglos bleiben. Auf einen überwundenen Eulluistandpunkt führt > man eine Körperschaft nicht leicht zurück. und man darf sich in dirser I Beziehung keiner Illusion hingebcn. ״Wohin ich mit diesen rinlruchtenden Bemerkungen ziele?* — Aus dir hiesigen Gemeindrzustände wirliich nicht. Die Marime der hiesigen Vorsteher, ihre Brrathunge» als סורות zu behandeln, will mir zwar nicht sonderlich gefallen. da ich von keiner Geheimthuerei hören kann, ohne sogleich an eia gewisse« jüdisches Speüchwort zu denken. Daß über die gegenwärtig stattsiudeoden Debatten über die Statuten-Nrvisiou. bei denen ,« zuweilen sehr lebhaft hergehra soll, der Gemeinde gar nicht« mitgetheilr wird, möchte ich vollend« nicht billigen. Aber daß der hiesige Vorstand au« gebildrtrn, wirklich Achtung gebietenden Männern zusammrngrsrtzt ist, kann! Niemand leugnen. Meine Betrachtungen beziehen sich also nicht aus die j hiesige, sondern auf eine andere. südlicher grlegene Gemeinde. Den ' Namen verschweige ich, obschon Sie. mein vielgeprüfter Hrrr Redakteur.! diese Woche keine Haussuchung zu fürchten haben, da die wachsame Frau! Rahbiuerin ohne Zweifel bereit» eine solche vorgeuommen. und alle« j חמץ au« dem Hause geschafft hat. Aber — Vorsicht schadet niemals! i 6. Pest» 30. März. — Grstern hat unter dem Vorsitze de« j Herrn S. W. Schoßberger Edteu von Toraya die Statuten« I Kommission ihre erste Sitzung gehalten. Vierzig Personen waren be«! rufen: 30 au« der vorleztrn. 10 auder leztru Verwaltung; r« stad aber 11»r neun Personen erschienen. Au» der Mitte der lezieu Brr- , waltung folgte nur weck. vr. Jos»f Hauser der Einladung. Der! wackere Doktor sott, wie mau allgemeiu versichert, auch bereit sein, i» : Juirreffe der Gemeinde eine neue Reise nach Deutschland zu macheo. und die zauberische Nheiogegead zu besuchen. Man legt ihm sogar die Äußerung in den Mund, daß dir Veranlassung zu eiuer solchen Reise in nicht gar ferner Zukunst gegrbea sein könnte. Der Witz ist jeden«