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Ben Chananja · 1863-03-25 · 13 (25.3.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
13 (25.3.1863)
Date
1863-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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207 208 Oder thut dem angehenden Rabbiner die Kenmniß deS Tür« kischen und Persischen mehr Roth, als die seiner ״hriligen Sprache" und Literatur? Doch vielleicht geschieht eS aus einem andern Gründe. Das immer wiederkehrende Einerlei: ״Vergleichende Grammatik der chaldäischcu, syrischen, sama« ritanischen Sprache" (mit der Variation: ״Vergleichende Grammatik der chaldäische» und syrischen Sprache") — ״arabische Grammatik" — ״Koran von antiquarisch-linguistischen» Standpunkte" — ״Jeschaia oder Ieremia, oder Daniel mit Ezra lznweilen auch Psalmc oder Sprüche) von antiqarisch« linguistischem Standpunkte" (mit der Variation: ״in linguistischer Beziehung") übet wenig Zugkraft mehr und eS bedarf einer Abwechslung nach dem Lateinischen ״Vnrintio <16lectat“ Freilich darum bekümmert man sich blutwenig, ob man der Sache gewachsen ist, oder nicht — Beweise der Tüchtigkeit in jenen DiSciplinen wenigstens liegen nicht vor. Sonderbare Abwege, wenn man bedenkt, waS für weit wichtigere Dinge zu vertreten wären! Wie oft wird hebräische Grammatik gelesen? Wann Einleitung >nS alte Testament, bezügliche Literaturgeschichte oder Geschichte, NeligionSsilosofie, Mosaisches Recht, wann über Thalmud, Midraschim, Targllmim!!. s. w.? Und namentlich an unserer Hochschule lhäten solche Collogia Roth, um die crasseu Vorurtyeile, die gegen die jüdisch-aramäische Literatur cristiren, einigermaßen zu zerstreuen. WaS für ein erfolgreiches Eollegium aber ließe sich über Thalmud lesen! Gewiß würden so manche christliche Zuhörer sich angclockt finden, hineinzugehen in dieses Eollegium, nur um über jene Monstruosiläl (dafür gilt der Thalmud bei den meisten Christen) etwas zu höre» und auf« geklärt zu werden. Denn ich weiß auS Erfahrung, daß selbst unter gebildeten Leuten über nichts in der Well so verkehrte und lächerliche Ansichten herrschen, als über den Thalmud. — ״Doch daö möge? andere thun", denkt wohl vielleicht der Berufene. Und er hat Recht. Denn ״Viele sind berufen, aber wenige sind auSerwählt." Ich habe mit diesen wenigen Zügen gezeigt, wie die für Israeliten so nothweudigc jüdisch-aramäische Literatur an der ersten Universität Oesterreichs eigentlich so gut als gar nicht vertreten ist. Und selbst wenn auf der Hochschule ein noch so eifriger und tüchtiger Vertreter dafür wäre, ist er durchaus nicht im Stande, allein das zu bieten, waS ein jüdischer Eandidat der Theologie braucht, um vollkommen ausgerüstet mit theologischem Wissen sein Amt antreten zu können. Die katholische sowohl, als auch die protestantische Theologie hat ihre Fakultät, so gut wie diese ist die jüdische Theologie eine Wissenschaft, soll darum auch ihre Fakultät — ein Rabbinerseminar haben. Dies thut Roth, wenn die jüdischen Gemeinden in Oesterreich dem Fortschritt der ge« geuwärtigeu Zeit entsprechend gebildete Rabbiner haben wollen. Die Sache darf nicht 26 acta gelegt werden. Bei der nächsten ReichSrathSsession dürfte die beste Gelegenheit sein, daS betreffende ״Promemoria" zu überreichen. Wie dies zu geschehen habe, überlasse ich Berufeneren, als ich'S bin. Sorresponden). Inland. bl. Prag, um 17. Mär;. Der Entwurf der israelitischen EultuSordnung für Böhme» ist tieirr Tage in Begleitung einer Denk« schrifl vom Landlagsabgeordncten Herrn Redakteur Kuh im Landtag rittgebracht, und soll dieselbe in naher Zeit auf die Tagesordnung kom> men. Herr Kuh hat die Begründung desselben im Landtage übernommen, es ist aber sehr zweifelhaft ob gar eine Debatte in dieser Angelegenbeit statthabcn wird, wenn nicht gerade H. Kuh durch seine Persönlichkeil bei den Ezechc» eine Debatte provocirt^ wird die ganze Angelegenheit dem LaudcSanSschuße übergeben werden. Gleichzeitig mit der Einbringnng dieser Denkfchrist sammt Entwurf im Landstage, ist gleichsam zur Unterstützung derselben in der öffentlichen Meinung von dem bekaiinten Liiieratcn u. Journalisten Herrn M. D. Dr. Teller eine Brochürc unter dem Titel ״die Juden in Böhmen" erschiene». Dieses Schriftchcn enthält eine Apologie der Juden in Böhmen und schildert ziemlich die cfimaligc Undankbarkeit, welck'e die Juden für ihren opferwilligeii ParriollSinuS geerntet, wie dieselben allem Drucke zu Trotz seit den letzte» Jahrzehnten des vorigen JahrhunderteS in Wissenschaft Jndnstrie und Kunst sich hcrvcrgelhau. wie jeder Stand, der Militärstand nicht ausgenommen, lüchlige Kräfte unter unseren GlaubenSgenoffen in Böhmen zählt. Eine eigentliche EntwillungSgeschichte de- Fortschritteder böhmischen Juden so wie die verschiedenen interessanten Bcgcbevyeikc», welche Anfangs dieses JahrhunderteS sich in Prag zugetragen, als Ken Kampf gegen den stark um sich greifenden Sabbathäismus, über die verschiedene» Talinudsckulen die da bestanden u. Len Bersall derselben, u. dg. mehr, har der-Verfasser nicht gcbotkcn. Dagegen verweilt derselbe mit Vorliebe bei der unglücklich-» Indensteiierzeit, wo sich!üdische Männer nicht entblödeten, schnöden Eigennutzes willen ihre arme Brüder auSzusaugen und durch erschlichene Priviligicn dieselben wie Sklaven zu behandeln, das Damoklesschwert der Eonfiskation ihrer gaumen Habe über sie schweben zu lassen, ja selbst nach Aufhebung der Judensteuer ihr schamlose« Verfahren noch sorlzusetzen suchten n. zum Theil auch fortjetzten. Nachdem nun der Derfasser die Hoffnungen der Juden in den Jahren 818—849 skizirt, geht er auf die bekannte Nctablcnversammlung über, welche der damalige Minister Thun nach Prag berief, um eine EultuSordnung für Böhmen auszuarbeiten, welcher auSgeardeitete Entwurf der Zeitvcrhältniffe wegen nicht in« Leben getreten; bi« endlich, aus Anregung der Nachoder Gemeinde, die Prager EultuSrepräseutanz eine Generalversammlung der Vorstände sämmtlicher böhmischen Gemeinden v. Jahr einberies, wo dann auf Grundlage de« Entwurfes jener Notablen eine EultuSordnung zu Stande gekommen, die so eben zum LandeSgesetz erhoben werden soll. Zum Schlüße sprich» der Verfasser noch über dir Stellung der Juden zu den Nationalitäten n. hält dafür, daß die Juden sich keiner auschließen sollen, sondern stet« der R.girrung-parthei zur Stütze dienen möchten, und jeden Nationalitäteuschwindel vermeiden. Be> mancher kleinen Lücke ist diese Schrift dennoch für viele Kreise interessant. und dürste dieselbe auch außer Böhmen Leser finden. Der vielbesprochene Plan, hier eine Talmudschnle für RabbinarSkandidaten;u gründen ist endlich durch die Munifizeoz verschiedener

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