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Ben Chananja · 1863-03-18 · 12 (18.3.1863) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
12 (18.3.1863)
Date
1863-03-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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201 202 att einem Tage und in einer Stunde dir allwöchentliche Dersammliinq ouzuberaumen, wo den jüdischen Mitgliedern dir Alternative gestellt wird, entweder ibrrn Gottesdienst zu versäumen, oder ihre Pflichten ge« gen die Sparkasse verletzen zu niüffen. Und da ihm die Abhaltung de« Gottesdienste« «ine heilige Pflicht sei, so könne er die Steste als Aus- Ichnß nicht bchaltcn. Hirrauf wurde einstimmig beschlossen, daß von nun an die Bersammlunu an jctem Donnerstag statlsindrn sollen. Doch nein, nicht rinstimmig, denn ein rinzige« Mitglied war gegen die Derlrgung de« BrrsanimlungSIage«. »nd bcharrte fest, e« müsse kort der Samstag verblei bei!; aber, fast schäme ich mich, r« zu sagen: Diese« Mitglied bekennt sich nicht zur christlichen Religion, sondrrn ist Jude. Literarische Anzeigen. Dr. Bernhard Br er. 8in Lebens- »nd Zeitbild. Bon Dr. Z. Frankel. Mit Portrait >>»d Facstmilr. BreSlan. 1863. Verlag der Schlrttrr'schr» Buchhandlung. 8. 196. Der verewigte Dr. Beer hat sich als Borsteher und Rrsormator der jüdischen Gemeinde zuDreStcu, als einer der Borkämpscr der Gmanzipaiion der Juden in Deutschland, »aincutlich in Sachsen. u»d als jüdii'ch - kdeologischer Schriitsteller bedeutende Berdicnste erworben, und sich ciiic» ehrenvollen Platz ui der ׳neuesten Geschichte der Inten gesichcrt. (Zs ist daher nur;>: billigen, daß ibm von Freundes Hand ei» Denkmal gefitzt wurde, »nd in dieser allgemeinen Rücksicht werde» die zahlreichen Verehrer Dr. BccrS vorliegende Monografie sehr willkominen heißen. Aber auch nur in dieser. Denn die spezielle AnSfnhrnng als Biografie dürste sich schwerlich des BcisallS der objcllivrn Kritik ersrcncn. Zn der Thal bi.tet die Biografie Vieles, das inaii in derselbe» nicht sucht, während sie einen großen Tbcil der Grwartunge» . die man von ihr hegt, ׳inbcsriedlgl läßt. Die Geschichte der Iildeuenianzipatio» in Sachsen und der Oüilnir« und CultnSresornien der jüdischen Geniciilde zu Dresden bildet den bei weitem größten!heil der Lrlirisi: der Held der Biografie laust »nr so »ebcnbcr. Selbst taS bibliografische Bcrzeich» niß der Schrinen »nd jonriialistische» Arbeiten Beer'S, zu dessen Anscr- »igung die Zusammenstellniig Wols'S im 2. Jahrgänge des ״Be» (5hananja" (187 — 527) benutzt werden konnte, ist Herr Dr. Frankel seinen Lesern schuldig geblieben. Nach iinscrui Dasürhallc» hätte der selige Berr in seiner Biografie als Mensch, als Vorsteher der Dresdner Ge« ineinde, als Vorkämpscr der lZnianzipation und als theologischer Schriftsteiler geschildert werde» solle». Unter de» zwei letztere» Rubriken wäre das ihm tZigcnthümliche prägnant hervorzubeben gewesrn. In beiden Stücken war Acer ein Man» des ModeratiSmuS. Wenn Rirsser dir Gmanzipation der deutschen Inden vom Standpunkc der GcwissenSsreibeit vertheidigt, und nur im Allgemeinen die Crsahrung zum Zeugen anruft, nach welcher die Juden durch ihre Neligion durchaus nicht ver« hindert werden, ihre» Bürgerpstichten treu n!!d pünktlich nachzukommen, nimmt Be.r keine» Anstand, sich auf dogmatische Erörterungen cinzulassen, und »eine Skizze der israelitischen Glaubenslehre nach den Prin« zipicu des ThalmudiSmuS" zu entwerseu (2t, 22). Die Würdigung dieser Skizze hätte i» dem dem Verewigten als theologischem Schriftsteller gewidmeten Abschnitte gcgebru werden sollen. Im Ganze» blieb Beer auch al« solcher dem iu seiner ganzen Persönlichkeit gegründeten Moderati«- inu« treu-, die Biografie hätte aber genau detailliren müssen, wie weit ihr Held mit dru Rrsoimcrn in Deutschland zu gehen geneigt war, und iu welchem Maße die Conl'ervativeu seine Sympathie und Zustimmung besaßen. In dieser Rückficht läßt Dr. Frankel seine Leser ganz unbe» sriedigt. was nicht schwer zu erklären ist. Zuvörderst mag der verdienstvolle Seminardirektor wenig Lust in sich verspürt habe», auf eine Eha« rakteristik der konservativen »nd Reformer einzugehen, uw nach Maßgabe derselben seinem sel.Freund drn demselben gebührenden Platz in der neuern jüdischen NeligionSge schichte anzuweisen. Ferner hat Herr Dr. Frankel eine Reihe von Jahren iu Dresden grlebt, und al« Rabbiner der dortigen Tr» meiiide die Bitterkeit doppelt empfunden, welche die Debatten de« sächssschen LandtogrS über die Judenemanzipatiou für den gebildeten Juden mit fich führten. Auch die Zurücksetznug. welche die Juden in Preußen erfuhren, be» rührten ihn schmerzlich. Die apologetische Tendenz bleibt daher bei Ihm vor« herrschend. Diese Tendenz verfolgt er auch bei den Auszügen, welche er in der vorliegenden Biografie auden Schriften Beer'« gibt (S. bef. 127 ss.). Dies läßt il»1 zu einein rnbigen und unbefangeneo Urtheil übrr dessen theologisch« Richtung nicht gelange». Ja, er unterläßt sogar, die Punkte naber zu bezeichnen, in denen Beer'S Apologie originell ist. und in denen fic Anderen folgt. Mit der aklgemein gehaltenen Berherr» lichunawird aber eine biografische Aufgabe nicht gelöst. Durch Beer'S Leben zieh! fich ״ach Dr. F. der Gctunlc. ״Die Schätzt seine- Wissen« und seiner angcbornen »nd erworbenen Fähigkeiten zur Hebung der geistigra und politischen Stellniiz seiner KlaiibcuSgenossen zu verwerthen (S 2).* Dieser Gedanke zieht sich aber durch da« Leben vieler brgabter und gelehrter Jude» der Gegenwart. B'cr'S Individualität wird damit nicht charakierifirt. Die Aufgabe des A!og.>,.n ist aber, ein Portrait seine« Helden zu liefern, und nicht bei allgemein gehaltenen Schilderungen ganzer (?lassen, Schule» oder Richtungen stehe» zu bleibe». Wir heben dies put allein Nachdrucke hervor. weil wir aus dir Grkeuntniß der Spezialitäten, insonderheit der rcligionSgcschichtlichcn, besondere- Gewicht legen und nicht untcrlasse» können, die Förderung derselben zu cmpsehleo. Trotz dieser Ausstellungen bleibt indeß vorliegende Biografie eine interessante (?rschrinnng. Der Heir Bcrs.isscr bringt gelegentlich Fragen zur Sprache, deren Erörterung um so verdienstlicher ist, al« sie unmillelbar das Leben bei!'ihren. und eine mannigfache Lösung gcfnndra haben und ivohl noch finden werden. So widmet er S. 62 ss. dem Aer« halten der verschiedenen Regierungen dem Jndenthnme gegenüber eine nähere AnScinantersetznng. Sehr besrcmdend ist hier ׳olzendeS Urtheil: ״Frankreich erkennt den jüdischen CultnS an, unterhält ihn an« Staat«- mittel», und laßt Um durch ein Ceniralkonsiikerium nnd Departemrntal« lcnnstoricu vertreten. Das (?eniralkonfistorinm bildet jrdoch dem Staate gegenüber eine kontrollirende polizeiliche Behörde; diese Stellung nimmt es auch de» Geineinden gegenüber cm, die religiösen Interessen finden iu ihm »ich! ihre rigentliche Vertretung, die religiöse Wärme wird i» ihm vermißt: durch seine Stellung ist rS in einen (alten Formali-mu« bincingeschraubt worden, cS vertritt dem Namen, aber-nicht dem Geiste »ach die Conscsswn." Wir verfolgen seit mehr denn zwanzig Jahren iu franzöfischen Blättern das Wirken der srauzöfischen Consistoriea; wir halten uns daher kür berechtigt, diesem wegwerfenden Urtheitr de- Herr» DrS. F. entschieden entgcgenzutrkten. Die franzöfischen Confistoriea find zunächst administra Nve Behörden; als solche haben fie sich schon dadurch bedentcnde Derdienste erworben, daß sie die traurigen Spaltungen nnd die gehässigen RkligionSprozeffr zu verhüten wußten, welche ander«»» so viele Berhecrnngen angerichtct haben und noch immer anrichteu. Da« Ceulralkonsistorium hat aber auch bei verschiedenen Anlässen da« jüdische Interesse sehr warm vertreten. während iu anderen Länder» eine viel größere jüdische Bevölkerung als dir jüdisch-französische, gar kein Organ besitzt. durch welche« sie verlretrn werden könnten. Der Dorwurf, daß e« trm französischen Ccntrakoufistorium an religiöser Wärme fehle, tllogt fast inquisitorisch, und hat in Bezug auf eia Collegium, da« seit mehr denn fünfzig Jahre» wirkt, uud dessen Mitglieder wechseln, kaum eine« faßbaren Sinn! Dagegen stimmen wir folgendem Urlheile de« Herr» Dr. F. bei: ,Da« Judenthum kennt nicht Geistliche, und weist gristlichr Befehle zurück. Der Rabbiner hat nicht dir Macht, Vorschriften zu er«

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