Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 12 (18.3.1863)
- Date
- 1863-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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199 200 zuzuerkenneu. — Nach dem Vorträge kam der Fragekaflen an die Reihe und wurden fast sämmtliche Fragen von dem gesch. Redner de« Abend« eingehend beantwortet. — Eia Inserat der heutigen ,Morgenzeitung" bring« ut>« als Endresultat der interessanten Enthüllungen in der Dr. Geiger'schea Angelegenheit dir Nachricht, daß derselbe nun wieder hier bleibt. Inland. v. Fttnfkirchcn, 9. März. Seit einiger Zeit wohnt in unserer! Milte Herr Dr. Schulhof au« Siklo«, Bruder de« rühmlich bekannten! Fürst Eßlerhazischea GütrrdireklorS. in dem wir nicht bloS einen ratio- I nellen Arzt, sondern einen Mann gewonnen, der sich durch Intelligenz. I lebhaften Eifer für jüdische Jutcreffen iinb namentlich durch schulsreundlicht Gesinnungen vorthrilhaft au-zeichnet. Füttfkirchen, im März. Die Leser d. Bl. erfuhren schon vor geraumer Zeit, daß Herr Dr. Hirschfeld einen Rus als DistrikS-Oberrabbiner nach Augsburg erhielt. Es gaben sich hier sowohl, als im Eomitate Anstrengungen jeder Art kund, um diesen Gelehrten und auSgezeichneten Redner uns und dem Batcrlandc zu erhalten. So wurde eine mit zahlreichen, aus der Stadt und den EomitalSgeineinden enigelaulenen Unterschristeu bedeckte, aus Seide in Gold gedruckte Adresse seierlich überreicht, die dem Dr. H. die Worte: מר, שאלתך ■יינתן לך zurief; aber der Erfolg blieb für nufere Hoffnu»ge» ein ungünstiger! Nun glaubte die altehrwürdigc Gemeindc zu Bonyhad, ebensallS schon seit langer Zeit eine aufrichtige Verehrerin des Dr. H., die aber in ihrer Begeisterung für jüdisches Interesse und insbesondere für jüdische Wissenschast 'wahrhaft jugendlich genannt zu werden verdient, in ihren gleichen Bestrebungen glücklicher zu sein. Der vcrjlvffcue Rüstiag des Monats Adar bot ihr rin paffendes Monicnt, um Herrn Dr. H. Lurch eine De« pntalion zur Abhaltung eines רבתך im dortigen Gottcshause zu laden. Dies der Vorwand-, allein der Zweck ruhte in einer bei Jung und Alt, Arm und Reich lies wurzelude» Idee: Herrn Dr. Hirschfeld um jede» Preis für den Nabbinerstuhl in Bonyhad zu gewinnen. Dr. H. kam, hielt die Rede; selbstverständlich muffle er an dem darauffolgenden Sabbalh abermals eine Kanzclrcdc Hallen. Daß durch diese Rede» der Funke der Begeisterung zur Hellen Flamme austcdcrtr, kan» hier nicht wunlern, wo der wirksame Zauber in Dr. H's. KaiizelbcrcLsairikeit seit Jahren so heilsam und belebend wirkte. Hirschfeld ist als Redner genial. — Hierin liegt keine Hyperbel; eS ist dies die ganz richtige Bezeichnung. — Kaum war der Sonntag angebrochen, als die Pscrien dcS Bonyhader GemeindchanseS sich weit öffneten. Die Rabbincrwahl ging vor sich. Unter 143 Stimmen sielen l43, d. ha l l e S tim m en r i n h e l li'.g aus Dr. Hirschfeld. Tausendfältige Beweise von Liebe und Bcreliruug traten ihm nun auf Schritt und Tritt entgegen. Das Geschäft ruhte. — Feiertag war'S in Bonyhad! Und unter den manuigfaltigstcn und sinnreich geordneten Festlichkciten verflossen volle acht Tage. Sehr imposant war da« große Festmahl für die gesammte Gemeinde, bei welche», Tert und Schlagwörter der Sadbathpredigt im Transparente prangten-, während de» nächstfol. geudeii Goitk-dienste« war dir Synagoge festlich beleuchlt». dir Schulkiader, an deren Spitze der Lehrkörper, bildetcu, mit Fahne» geschmückt. Skaliere ׳, die Gemeinde erschien im FeiertagSkleide. Am Abend brachte d-.e Jugend einen solennen Fackelzug, an welchem die ganze Stadt Theil nahm und unter dem Ruse יהי wurde Herr Dr. Hirschfeld im Gottcshause, in der Gemeindeversammlung, in den Salons und bei Festmablen zum Lberrabbiocr von Bonyhad ausgcrufen. Mil einem Worte: Bonyhad feierte aus ongeflammter Liebe zur Thora, zur Wissenschaft und zum zeitgemäßen Fortschritte ein IchöueS achttägiges Fest. Von den vielen Detail« sei mir gestattet, wenigstens noch Eine« als sehr charak- »eriflisch zu erwähnen. Ein KLjähriger Greis uud hochsrommcr Thalmubist trat an Herrn Dr. H. mit den Worten: Rabbi, ich habe mein Le brn lange nicht unwahr gesprochen; ich kann den Rabbi versichern, daß keiner in dieser Gemeinde ist, de« heißer Wunsch «S nicht wäre, den Rabbi auf den, Stuhle unserer verewigten großen Rabbiner zu sehen׳ Willigen Sie in den Wunsch Aller und Bonyhad wird wieder ei» ."IHN מקום werden, wie es einst war; Rabbi! אל תשליכני לעת זקנה und Thränen erstickten seine Stimme, und Aller Herzen waren bewegt. Unter den heißesten Wünschen eine« baldigen Wiedersehen« für immer, verließ Herr Dr. H. da« jugendlich begeisterte Bonyhad! Nun sollte dem würdevollen, das ganze Judenthum ehrenden Vorgehen der Bonyhader Gemeinde die Krone aufgesetzt werten. Einige Tage nach der Ankunft de« Dr. H. in unserer Milte fuhr eine glänzendc Equipagenreihe durch die Hauptgaffr Fün skirchenS. und eine Devutation au- 12 der angesehensten Gemeindemitglieder Bo nyhadS überbrachte an Dr. H. den in der heil. Sprache abgefaßten, der Form und dem Styl nach gleich merkwürdigen רבנות Brief. Ob nun Herr Dr. H. diesen so ehrenvollen Ruf annchmen wird, ist mir bi« zur Stunde nicht bekannt. Herr Dr. H. wird eS wohl als seine heilige Pflicht erachten, wenn er den Nus ins Ausland verziehen sollte, die Gründe öfsenllich kundzngcbr», die ihn veranlassen, einen berühmten Nabbinerstuhl in einer Gemeinde des Vaterland es abznlehnen, die so viel Liebe und Treue, solche Begeisterung für Religio» und Wissenschaft an den Tag zu legen fähig ist. Wir aber müssen in jedem Falle das i» unser» Tagen so seltene Ercigniß begrüßen. in welchem wir ein altes uud gutes Stück Judenthum wieder aus dem Grabe steigen sehen. Wir sahen eine altjüdische Gemeinde, dir für jüd lschc« Wissen »nd jüdische Kanzelberedsamkcit jugendliche Begcister uugssähigkeit besitzt und bekundet. Wir sahe» eine altjüdische Gemeinde, die nicht nach moderner Manier mittelst Konkurs Rabbiner zusainnientrommc lt, nm sie allcsammt zu betaste» und zu befühlen, und endlich, was gar nicht selten, einen läppischen Mißgriff zu niachcn, sondern einen rühmlich bekannten Rabbiner in Elircn, in Liebe und Zuneigung an il׳re Spitze seht. Wir sahen endlich eine altehrwürdige jüdische Gemeinde, die in ihrem gesunde» religiöfei! Sinne nach einem Rabbiner strebt, der fleckenlos rein in seinem religiösen LcdciiSwandel und ein durch Gründlichkeit und Scharfsinn ausgezeichneter Thalm »dgelehrter ist. die sich aber ihr religiöses Ober-׳ Haupt nicht aus dem Lager der Romantik holt, wo man mit dem religtöscn Lebenswandel Ostentation treibt und Spektakel macht, um durch diese Maskerade die Blöße jener thalmudischen Seichtigkeit zu decken. Baraeskai. Gr. Kanizfa, im März. In Nr. 3 dt- 2״. Eh." vom gegenwärtigen Jahrgange wird von hierorts berichtet, daß die hiesigen Juden noch immer vom bürgl. Easino ausgeschlossen find, welche Intoleranz der Berichterstatter, welcher sich mit Stolz einen Araber nennt, gar nicht begreift. Es freut mich nun wieder, von einem Zuge der Tolcranz aus hiesigem Orte berichten zu können, um dadurch den Beweis herzustellen, daß in jenem Easino, von welchem dir Juden ausgeschlossen sind, nichl die Jutelligenz, souderu das Spießbü.gerthum vorherrschend ist. Der Sabbathtag war von jeher bestimmt zum VersammlungStag der Aktionäre der hiesigen Sparkasse, um die lausenden Grschästr der ganzen Woche zu berathen uud zu erledigen. Und da dir DcrsammluugSstunde von 11 bis 12 Uhr war, so waren gar oft jüdische Aktionäre, und besonders dir jüdischen Mitglieder de- Ausschusses verhindert, dem Gottesdienst brizuwohuen. oder waren wenigsten« gezwungen, ihn vor Beendigung zu verlassen. Jüngsten« wurde der rühmlichst bekannte Herr Josef Löwv zum Ausschüsse gewählt, er ging nun am 28. v. M. in die Versammlung und hielt eine Ansprache, dahin lautend. er kommeum zu resignireu -. er könne die Stelle oicht aonehmen, weil sie ihm in seinem GoiieSdieuste hinderlich wäre; er müßte sich üderhaupt dir Brmerkung erlauben, eS sei der jüdischen Religion Hohn sprechend, gerade