Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1863-03-18 · 12 (18.3.1863) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
12 (18.3.1863)
Date
1863-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2542917-2542918-2542931--3024-2546865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

193 194 schlugen sie, um nicht gkgen daS Gesetz zu verstoßen, die Dorsalflächen der Hände aneinander ")! Die verhältnißmäßig mildeste Doktrin stellte Rabba b. NacLmani auf, welcher von 309 bis 320 Schnlhaupt zu Puinbadilha war, sich durch Scharfsinn auSzeichnete, und daS Unglück hatte, bei der perfischen Polizei denunzirt zu werben. Er lehrte, daß nur der eigentlich musikalische Klang am Sabbathe nicht hervorge« bracht werden dürfe ״); zu dieser Anschauung bekennt sich auch die Mehrzahl der Kasuisten. In seiner ganzen Auödehnung wurde jedoch das Verbot auch im Mittelalter nicht beobachtet, und hierauf gründete Ehorin, wie bereits erwähnt, seinen Reformvorschlag, indem er sich, gleich den Toßafisten, darauf berief, daß heutzutage nicht daran zu denken sei, man würde Instrnineiite verfertigen oder rcpariren. Die wissenschaftliche Theologie wird alles dies ans sich beruhen lassen, und dagegen folgende Thatsachen konstatiren: Von den in der Bibel vorkommenden musikalischen Instrnmentcn blieb in der thalmudischcn Zeit nur die Flöte oder Pscise gebräuchlich Mil dem Erlöschen der Tempelmusik erlosch auch der Gebrauch der übrigen Tenipelinstrnmente, und die thalniudische Ucberlieferung giebt keinen Aussch!nst über die Beschaffenheit derselben. Bei HochzeilSfesten und Leicheiibegängnissen war auSschließlich die Flöte oder Pscise beliebt; koch wurden auch ausländische Instruniciite in jüdischen Kreisen einheimisch"): ein BeiveiS, daß der in neuerer Zeit so oft besprochene musiksrenud.'lche Sinn der Inden schon im Alterthnme unter denselben einheimisch war. Die Schristgelelirten haben sich dagegen nicht mit Musik beschäftiget, und über die Hebung derselben a!S über eine mit der Trauer um Jerusalem unverträgliche Erbeiterung ihre entschiedene Mistbillignng ausgesprochen, die Musikanten- Spötter (£״ךץצ-י genannt, ohne jedoch beim Volke durchdringen, und ohne selbst den Vorbetern in der Synagoge Normen für den Gesang vorschreiben zn können '*). Die silvsofisch gebildeten Rabbiner lernten die Musik theoretisch auS der Literatur kennen; wie denn die Musik im Mittelalter überhaupt zuerst als Wissenschaft von guten Köpfen, und kann erst alS Kunst von schöpferischen Geistern aus« gefaßt und ausgeübl wurde. Zu keinem Lande würdigte» jedoch jüdische Schriftsteller die Tonkunst so sehr, wie in Italien, dem Vaierlande der edlern Musik, dem GebunSlande der Nolenschrist. In Rom, wo die Musik von jeher, besonders seil Gregor dem Großen kultivirt wurde, preist Immanuel b. Salomo im 13. Jahrhundert dieselbe als eine herrliche und wunderbare Kunst, die in der biblischen Zeit in Israel einheimisch war, jetzt aber ausschließlich in den Händen der Ehristen ist '°). In Mantua schrieb Jehuda MoSkato im 16. Jahrhundert eine Abhandlung zur Verherrlichung der Musik "). MoSkato war Zeitgenosse deS Giovanni Pierlnigi da Palästrioa, den die Geschichte der Musik den zLöwen deS Jahrhundert-* nennt: ״den Mann, welcher dem National-Genie seine- Volkedie Anerkennung der Welt verschaffte Ein dritter Zeitgenosse derselben, der gelehrte Arzt Abraham da Porta Leone, ebenfalls in Mantua, rübmt MoSkato'S Abhandlung, bespricht aber die Musik und deren Prinzipien viel eingehender und liefert eine ausführliche Dissertation über die Musik und die musikalischen Instrumente deS Jerusalemischen Tempel-. Als Italiener war Porta Leone von der Erhabenheit nnd Heiligkeit der Tonkunst so sehr durchdrungen, daß ihm als Inden der Gedanke, dieselbe habe auch den Temprldienst in Jerusalem verherrlicht, nicht genug Befriedigung gewährte. Unwillkürlich fühlte er sich zn der Annahme gedrängt, daß die Leviten auch theoretisch-musikalische Werke besaßen ,9). Ein vierter Zeitgenosse dieser Musikfreunde, der jüngste derselben, Leon da Modena, (geboren 23. April 1573; geft. 1619), ertheilte als jüdischer Prediger in Venedig sogar— wohl nur theoretischen -Unterricht in der Musik-"-! Aber selbst in Deutschland, wo sich die jüdische» Schriftgelehrien nicht mit der Theorie der Musik beschäftiglen, gab eS doch selbst einzelne Thalmndisten, die mehrere musikalische Instrumente zu handhaben verstanden, »nd R Iair Ehajiim Bacherach lgest. 1702כ wurde befragt, ob ein solcher Thalmudist sich nichts vergebe, wenn er Hochzeit-- gäste mit seinem Spiele erheitert׳'). Trotz all dem war die Kcnntniß der Musik so wenig verbreitet, nnd musikalischer Genuß außerhalb Italien für so profan gehalten, daß eine Opposition gegen daS antimusikalische Sabbathherkommen unmöglich anskommen konnte. In unserer Zeit hat der musiksrenndlichc Sinn der Inden ganz andere Dimensionen angenomine״! Wer heutzutage daS Musiziren am Sabbathe ernstlich verbieten will, hat weder von der Natur und Deschafsenheit der Musik eine Ahnung, noch von der Bestimmung der Sabbairnbe. Zur Zeit der Restauration deS zweiten Tempels pnlsirte daS jüdisch-religiöse Leben noch kräftig ge> ulig, ״in die übliche Trinpelmusik auch am Sabbathe nicht zu unterbrechen. An den auf die Präventivgesrtze bezüglichen oben angeführten Kanon dachte zu jener Zeit noch Niemand; der Kanon wurde, wie dies in der Natur der Sache liegt, später eben von dem Verfahren im Tempel abstrahirt, wl׳ die Observanzen von dem außerhalb deS Tempels immer mehr steigenden Cabbath-Nigorism unberührt blieben. Für die Festivität deS FackelhansrS a2> hingegen läßt sich iu der ganzen Geschichte der zweiten Tempelperiode kein anderer Ursprung entdecken, als der siebentägige Waffenstillstand, welche» AntiochuS VII. Evergeta oder SidetrS dem Johann Hyrkan aus dessen Verlangen wegen der bevorstehenden Frier tcö Laubhültensesteö gewährte, und auS welchem ein FriedenSschluß brrvorging 23). Dieser Waffenstillstand bildete eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.