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Ben Chananja · 1863-03-04 · 10 (4.3.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
10 (4.3.1863)
Date
1863-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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159 160 Von diesem Freunde angeregt, suchte Avigdor seine Bekanntschaft mit dem Filosofen von Berlin durch Correspondeuz sortzusetzen. Er schrieb ihm 1769, und als er auf diesen Brief keine Antwort erhielt, schrieb er ihm daS künftige Jahr den 1. März nochmals, und schickte ihm als Purimgeschenk ein hebräisches Räthsel über die Purim-Ceremonien und eine Elegie auf den Tod deö Rabbi Meir FischeleS, gestorben in Prag den 17. Dezember 1769. — Aehnliche GcistcSproducte sendete er auch an seinen Verwandten, Hir, schel Lewin, Rabbiner in Halberstadt, später Oberrabbiner in Berlin (Jgg. Remad, 7. Brief). Mendelssohn antwortete ihm den 28. März 1770: ״Ich fühle mich tief beschämt, wenn ich bedenke, daß bereits zwölf Monate verflossen sind, seitdem Sie mich mit Ihrem überaus wcrthcn, theneren und offenherzigen Briefe beehrt haben, und ich Ihnen noch nicht mit einer Sylbe geantwortet habe. Geben Sie aber nur ja dem Gedanken keinen Raum, als schätzte ich Ihre Worte ge, ring und schenke denselben keine Beachtung; nein, mich hiellen in der Thal vielfache Beschäftigungen, und ganz besonderS der religiöse Streit ab, in welchen ich ...it einem christlichcn Theologen (Lavatcr) gcrathen bin." lieber seine literarische Mitthcilnng schrieb er ihm: ״Eö ist bereits ein Monat, daß ich Ihr schönes Räthsel (über dir Purim-Eeremonicn) und Ihre in schönem, reinem hebräischeu Styl verfaßte Elegie gelesen habe. In der Thal muß ich gestehen, daß ich daS Räthsel nicht errathen habe; denn von meiner frühesten Jugend bis setzt habe ich mich mit dergleichen nicht befaßt; ich liebe immer meine Gedanken deutlich anSznsprechen, und meine Meinung klar und hell, wie die Mittagssonne, darznlegen, nicht aber sie in Nebel und Dunkel zu hüllen. Gleichwohl verachte ich auch diese Weise nicht; denn ich weiß, daß einige große israelitische Gelehrte und Weisen Räthsel zu schreiben und ihre freie Meinung hinter gesuchten KunstauSdrückcn zu verbergen, ge, liebt haben." (Ibidem, 1. Brief). Später übergab Mendelslohn dieses Räthsel zur Auflösung an Salomo» Dubno und in neuerer Zeit wurde eS unter dem Namen MendelS-!ohn'S mit der Erklärung Dubno'S gedruckt. Im Jahre 1773 machte Avigdor Lewi aus Glogau eine Reise über Dresden und hatte das Unglück, dort in Verdacht eines Verbrechens zu kommen. Er wurde verhaftet, nach einer sächsischen LandeSfcstnng gebracht, wo er zehn Monate saß, ohne verhört zu werden. In seiner Noth wendete er sich in einem hebräischen Briefe an Mendelssohn. In diesem sehr schön geschriebenen Briefe, dem 10. seiner Sammlung, schildert er seine traurige Lage, und bittet, sich für ihn zu verwenden, daß man ihn zum Verhör zulasse, da sich sodann seine Unschuld bald erweisen werde. Die geringste Vcrmittlung M'S. würde dieses bald bewirken, denn seine Recht, lichkeit und sein großer Ruf seien allgemein bekannt. Schon daS Zeugniß, daS er einst die Güte hatte, ihm anSzustellen, wurde so sehr geschätzt, daß viele' von den vornehmsten Be« amten der Festung eS abschrieben, und keinen Verdacht mehr gegen ihn hegten. Ein Priester, der ihn zwei Mal die Woche besuchte und ein ausgezeichneter Sprachkenner ist, selbst in der hebräischen Sprache, sei besonderein großer Verehrer von M. und habe dessen Eommentar zum Prediger mit Bewunderung gelesen. Schließlich meldet er ihm, daß er ihm dieses Schreiben durch seinen Verwandten Isaak Jaffe zu« stellen lasse nnd auch ferner ihm durch denselben seine Briefe zuschicken werde. Die Antwort Mendelssohn'- verfehlte ihre Wirkung nicht, Avigdor Levi wurde verhört und als unschuldig aus freien Fuß gesetzt. Die Dankbarkeit deö Unglücklichen war unbeschreiblich, noch 20 Jahre nachher, bei Veröffentlichung seines Briefes, erzählt er mit rührenden Worten seine Net« tung durch Mendelssohn. Nach ihm nennt er noch Andere, welche sich für ihn verwendet haben: seinen Verwandten, den Oberrabbiucr Hirsche! Lewin, den gelehrten Eisak Dessau in Berlin, und sämmtliche Gelehrte und Notablen von DreSden. Er kehrte nach Prag zurück und eröffncte seine Erziehungöanstalt. Hier lebte Avigdor nun ganz seinem Berus. Im Jahre 1779 jedoch, als der ProspektnS Alim li-Ther u phah der Mendclsohnischcn Uebrrsetzung deS Pentateuchs, der 1778 zu Amsterdam erschien, ihm zu Gesicht kam, gab ihm die- Gelegenheit, seine frühere Eorrcspondeuz mit dem Filosofen von Dessau wieder zu erneuern. Mendelssohn antwortetc ihm sogleich: ״Ihr wcrthcö und schönes Schreiben vom 28. vorigen MonatS habe ich am Psingstfcste erhalten; und mich überaus gefreut, daraus zu ersehen, daß Sie sich, Gott sei Dank! wohl befinden und wie sonst, in Ihrer Liebe zu mir fest beharren. Ich beeile mich nunmehr, Ihr Schreiben zu beantworten." Den 12. Nisan 540 (den 17. April 1780) schrieb ihm Mendelssohn folgenden Brief, der so Manches über seine inneren Verhältnisse enthält und auch daS Alter seiner ältesten Tochter genau au gibt, daS bis jetzt «»richtig angegeben wurde: ״Ihr Schreiben vom 20. Adar scheni habe ich erhalten nnd meine Thränen flössen beim Durchlesen desselben. Lieber R. Avigdor, mein ältestes Kind, daS um diese Zeit Heirat-, fähig sein könnte, nnd eine gute Partie für den Sohn un« sereS Freundes, den Arzt, gewesen wäre, ist in'S ewige Leben übergegangen, und zwar als eS ein Jahr alt war. Nachher klopfte der Tod noch zwei- und dreimal an meine Fenster. Gegenwärtig ist meine älteste Tochter fünfzehn Jahre, nnd mein Sohn Josef (Gott erhalle ihn) neun Jahre alt. WaS soll ich nun sagen und antworten auf ihre so freundschastlichen Worte? ״Möge sich unser Freund, der Arzt, nur ja nicht schä« men, daß er sich selbst angeboren. Ich hatte eS meinerseits

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