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Ben Chananja · 1863-02-24 · 9 (24.2.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
9 (24.2.1863)
Date
1863-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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147 148 Wien kennen gelernt, und lieferte ihm einige Beiträge für den vierten Jahrgang deS in Wien erscheinenden ״Bikkure Ha-Ittim", welcher von Landau redigirt wurde. Der erste dieser Beitrage, der Dialog ״Hillel", — welcher in dem dereitS erwähnten, 1835 gedruckten Werkchen gleichen NamenS erweitert erschien, — wurde im ״Dikkure Ha-Jttim" in hebräischer und deutscher Sprache veröffentlicht. Landau setzte hinter den Titel deS Dialogs folgende Redaktionsbeme kung in hebräischer Sprache: ״Sehr angenehm ist mir deine Gabe, mein Freund und Vertrauter! Auch jeder Leser deS ״Bikkure haIttim" wird dich wegen dieses herrlichen Aufsatzes preisen. , Mir ist derselbe ein theureö Andenken. Wenn ich mich damit unterhalte, sehe ich deine Gestalt und gedenke der verstoffenen Herbstzeit, wo wir unö in Wien freundschaftlich unterhielten. Und wenn auch der Mensch sonst nur daS Aeu- ן ficrc zu schauen vermag, Dir blickte ich in'S Herz, und ich fand dasselbe treu gegen Gott und die Kinder seines BnndeS. So nimm denn meinen Dank, trefflicher Mann! Friede sei mit Dir! Sei stark und kräftig!" Peter Beer hatte 1826 ein Flugblatt in Prag drucken lassen, um Chorin'S Verdienste zu rühmen. Beide, Landau und Beer, korrespondirten mit ihm, nachdem sich der Verein zur Veredlung deS CultuS in Prag gebildet hatte. <5 ho rin wünschte eine Revision des bis dahin unberührt gebliebenen Gottesdienstes für die Werketage. Ferner empfahl er die Orgel vorzüglich auS ökonomischen Rücksichten, weil er glaubte, daß die kostspieligen Gesangskräste dadurch entbehrlich würden. In einem konsidcntiellcn Briese vom 16. Juni 1835 sagt er hierüber: ״Von Prag habe ich erfreuliche Nachrichten. Im September l. I. wird unter GotteS Schutze dort der Tempel eröffnet werden, an dessen Spitze der berühmte Dr. Zunz auS Berlin znm Prediger bestellt ist. Wie ich hoffe, soll dieser Tempel die wahre Verherrlichung deS Gottesdienstes erzielen. Die Wiener haben nur verschönert, nicht wesentlich verbessert. Wenn die Prager — wie ich hoffe — meine Rathschläge befolgen, soll ihr Tempel zum Muster für minder vermögliche Gemeinden dastehen, die den schimmernden Pomp nicht mitmachen können." In Arad fanden die Cultuörcsormcn in nachstehender Aufeinanderfolge statt. 18N3 verfaßte Chorin Selicholh oder Bußgrbete für den Rüsttag deS Adar-NeumondeS. Die Statuten der dortigen Chevra-Kaddischa enthielten nämlich die Anordnung, nach dem Morgen - Gottesdienste dieses TageS daö ganze Psalmenbuch zu rezitiren. Da aber diese Einrichtung, welche die Zeit deS Gottesdienstes zu sehr verlängerte, dem Vereine sehr lästig wurde, so daß Viele die Synagoge verließen, bevor der Gottesdienst zu Ende war, so verfaßte Chorin eigene Dußgcbete, deren Inhalt sich auf die Liebesdienste deS Vereines und auf die UnsterblichkeitS« lehre bezieht. BiS dahin waren auf ungarischem Boden keine Selichoth gedichtet worden. Bittere Verfolgnugen, welche anderöwo der Schmerzenschrei der Selicha begleitete, hatte, die ungarischen Juden niemals zu erdulden. Selbst die AuSschaffung unter Ludwig dem Großen (13-18) verlief ruhig und friedlich, und die Vertriebenen kehrten bald wieder zurück. Chorin war der erste und letzte Selichoth-Dichter i» Ungarn. Seine Selichoth wurden 1819 in Ofen gedruckt (8. 16.) Am Schluffe derselben rechtfertigt er in Kürze die vou ihn: eingeführte Trauung in der Synagoge. Der Altofuer Rabbiner und viele Andere hatten über diese Neuerung ibr , Mißfallen ausgesprochen, ohne zu erwägen, daß der skrupu« lose R. Jakob Möln schon im 15. Jahrhundert Traunugen in der Synagoge vornahm. Im Jahre 1827 begaoa Chorin, daS Gebet für Fürst und Vaterland in deutscher Sprache ן zu halten. Einige Jahre später wurde auf Choriu'S Antrag von dem Araber Gemcindcvorstande die Einrichtung getroffen, daß die Namenerlheilung der Knaben und Mädchen durch den Rabbiner zu geschehen habe, und daß wie die Knabeu zur Beschneidung, so die Mädchen zur Namenertheilung iu die Synagoge gebracht werden sollen. Erst seit dem Jahre 1839 nahm die CultuSreform in Arad einen raschen Fortgang, indem der Vorsteher Leopold Epstein, ein unterrichtcter Biedermann und treuer Freund Choria'S, die Destrebungen desselben eifrigst unterstützte. Am Schekalim-Sabbathe deö erwähnten IahrcS setzte Chorin in der Predigt auseinander, daß er, falls die Gemeinde eine Orgel anschaffen würde, gegen die Anstellung eines jübischen Organisten nichts einzuwenden hätte. ״In ökonomischer Rücksicht", schreibt er am 23. Feber 1839 in einem konsidcntiellen Briefe, ״verdient dieser Antrag besondere Aufmcrksanrkeit. Die tn einige» Gemeinden errichteten CultuS« tempel sind wohl alö Verschönerungen, nicht aber als Verbesserungen deö Gottesdienstes anznsehen. Die Verschönerung ist aber auch nur in reichen Gemeinden ausführbar, die eine Anzahl von Sängern anstelle» können. WaS soll aber in kleineren und ärmeren Gemeinden geschehen? Da ferner der Gottesdienst bei der dermaligen beliebten Verschönerung a, persönliches Talent geknüpft ist, so muß der Tempel leer werden, wenn die talentirte Person abtritt, und nicht sogleich eine andere da ist, die gleiche Vollkommenheit besitzt. Aufrichtig gesagt, ist dieser CultuS zu viel gekünstelt und für die fromme Einförmigkeit deS heiligen Gottesdienstes nicht passend. Zweckmäßiger und leichter wäre eS, einfache de, Psalmen angemessene Gesänge mit Orgelbegleitung eiuznführen. Anfangs muß sich vorzüglich die Jugend am Gefange betheiligen; später wird eS die ganze Gemeinde thnn." Ohne eS auf eine adäquate, wissenschaftliche Weise auSzadrücken, redet hier Chorin dem Choräle daS Wort. Aber gerade der Choral hat — mindestens bei den ungarische» I Gemeinden — wenig Aussicht auf Beifall und Erfolg!

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