Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 9 (24.2.1863)
- Date
- 1863-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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145 146 sich gkwonnen. Ich und die wenigen Gutgesinnten meiner Gemeinde hatten mehr als zu viel zu thuu. Ja, ich gestehe, daß ich fast entmuthiget, bis zur Verzweiflung gebeugt wurde. Nicht der Undank gegen meine Person kränkt mich, sondern die Verstocktheit, die eine für die gegenwärtige und für die kommenden Generationen der Jugend gegründete, wohlthätige Anstalt untergräbt. Ich glaubte, bei der halbjährigen öffentlichen Prüfung die Cache gänzlich zu meiner Beruhtgung zu endigen. Die Prüfung ist gottlob nach Wunsch auSgefallen. Eine vom löbl. Eomitate hierzu ernannte Kommiffion ha! auch hierüber ein Zeugniß auSgefertigt. Und dennoch beharren viele der Gegner darauf, daß sie ihre Kinder in Winkrlschulen von elenden Landstreichern wollen unterrichten lasten." Die Gegner der Schule ließen sich nicht beschwichtigen. Am 4. November 1834 schreibt Ehorin: ״Unsere Schule hat noch immer viele Finsterlinge zu bekämpfen; aber ich hoffe, mit GottcS Hilfe bald den Sieges, tag feiern zu können. Die EinleiNing bei der hohen Landes, behörde ist schon getroffen: in einigen Monaten hoffe ich unsere Schule von der hohen LandeSbehörde sanktionirt und alö öffentliche Schule erklärt zu sehen." Dieselbe Hoffnung spricht er am 10. Juni 1805 auS: ״Auch wir hier haben viel zu kämpfen gehabt. Wir sind auch noch nicht ganz auS den Schranken getreten und muffen unS noch immer gerüstet halten. Doch Gottlob! wir sehen dem baldigen Siege entgegen, daß nämlich unsere Hauptschule Allerhöchsten OrteS sanktionirt werden wird. Sodann werden wir die diese Austatt betreffenden Statuten der Preffe übergeben." Alö Ehorin in diesen konsidenliellen Briefen, deren einstige Veröffentlichung ihm nicht i», entferntesten in den Sinn kommen konnte, von seinem Kampfe für die bessere Erziehung deö beranwachsenden Geschlechtes in seiner Gemeinde bald mit Bitterkeit, bald mit froher SicgcShoffnung, immer aber mit nngeheuchrltrr Warme sprach, war er ein Siebziger! Und keine Aussicht auf einen etwaigen weitern Wirkungskreis spornte seinen Eifer; keine Adrcffe brachte ihm Worte aufmunternder Anerkennung; kein Journal gab Kunde von seiner nnverwüstlichen Liebe zu seinem Volke, von seiner Ausdauer und Beharrlichkeit und von der Verkennung, mit welcher ihm gelohnt wurde! Ging ja erst vor Kurzem der Redakteur eines in Wien erscheinenden jüdischen Blattes so weit, daß er daS Streben, die Schule an die Stelle des Ehederö treten zu lasten, für Schulsuchserei erklärte! ״Wie kam cS aber, daß die Schule selbst in der Arader Gemeinde, in deren Mitte Ehorin bereits so viele Jahre gewirkt hatte, noch 1835 so viele Gegner hatte?" — Diese nieterschlagende Erscheinung ist theilS aus der lokalen Stiininung, theilS auS dem allgemeinen DildungSznstande zu erklären. Die einheimischen ״Widersacher" EhvriuS, die von allen ungarischen Nabbinen in ihrer Gegnerschaft bestärkt worden waren, machten gegen die Gründung einer ordentkichen Schule schon deshalb Opposition, weil sie eben Choriu'S Werk nicht wollten zu Stande kommen kaffen. Letzterem waren aber auch die allgemeinen Enlturzustände nichtSwr, Niger als günstig. Hätten seine Vorschläge zur Veredlung des EnltuS (1820), zur Abhaltung von Synoden, zurGrüukung eines EonsistorinmS und eines Rabbincr-SeminarS, und zur Aufmunterung zu Wiffenfchaften und Künsten (1826) in den ungarischen Geiiieinden nur einige Beachtung gefunden, so würde die Rückwirkung auf die Arader Gemeinde ebenfalls nicht anSgeblteben sein. Seine Vorschläge aber ver« hallten spurlos! Dazu kam noch, daß eS zn jener Zeit nur drei ordentlich eingerichtete Schulen gab: in Prefibnrg, Altofen, Pest! Hat ja die Gemeinde zu Paks, woher der erste Anstoß zur Verfolgung Ehorin'S gekommen war, noch im Jahre 1860 die seit einigen Jahren bestehende Schule aufgelöst! 17. Cultilsreform. Der erste und letzte Selichadichter in Ungarn. AuS gleichen Gründen konnten sich die gottesdienstlichen Reformen in der Arader S:nagoge keiner Aufnahme erfreuen. Noch im Jahre 183-1 schrieb Mannheimer: ״ES ist noch Vieles zu schaffen, MrhrereS im Geiste zu vollenden, daS in der Form geschaffen ist, und Alles zu hoffen und zu wünschen. Um so mehr fühle ich mich verpstichtet, auch tu weiteren Kreisen daS Wort zu verbreiten, daS da, wo eS gehört war, die Herzen rührte und die Seelen weckte, wenn auch Manches unverstanden und Vieles nnbeherzigt blieb, und daS Wenige, daS in die Herzen drang, selten wieder an'S Licht der Welt kam, und sich rhaikrästig iu'S Leben stellte. Zudem sind eS bisher nur zwei Gemeinden in dem gesammten Vaterlande, — außer der unserigen nur noch die ehrcnwerthe Pester Gemeinde, — die sich den Bestrebungen der neuereu Zeit zur Auferweckung eines lebendigen Sinnes und eines thatkräftigen Glaubens in Israel geschlossen haben')." Daß nach dreißig Jahren ein großer Thcil der Wiener Gemeinde Legen diese Bestrebangen opponiren werde, konnnte Mannheimer 1831 nicht ahnen! Während in seiner Synagoge Alles beim Alten blieb, hatte Ehorin doch die Genugthuung, daß er nach wie vor allenthalben zu Rathe gezogen wurde, wo der Geist der Resonn sich zu regen begann. Wie dies gegen daS Ende dezweiten JahrzehentS unseres SäknlnmS von Norddemschland, im dritten von Wien und Karlsruhe anS geschehen war, so geschah cS in den dreißiger Jahren von Prag aus. Seine Korrespondenten daselbst waren MoseS Israel Landau und Peter Beer. Jenen hatte er im Herbste 1823 tu