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Ben Chananja · 1863-02-24 · 9 (24.2.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
9 (24.2.1863)
Date
1863-02-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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143 144 nisten, Abraham Hirsch Lembtrger, Vorsteher der Preßburger Gemeinde, unterm 29. November 1832 ein in getreuer Abschrift vor unS liegendes Circular an die Gemeinden, worin er mit allem Nachdrucke vor dem engen Co« mitö warnt, den Gemeinden jedoch rathet, sich derart zu ver« binden, daß die Judenschaft zweier oder dreier Comitate durch einen und denselben Repräsentanten vertreten werde. Untern, 14. Dezember 1832 schickte Chorin eine Abschrift dieses Briefes an Gabriel Ullmann. DaS Originalschreiben, welches ersterer bei dieser Gelegenheit an letzter« richtete, liegt vor nnS. CS heißt darin: ״Zn dieser Miktheilnng finde ich mich um so mehr veranlaßt, als die Bemerkungen dieses Schreibens ebenso tadelnswürdig, als ungegründet sind, und von Jedem, dem die Verbesserung unserer Lage am Herzen liegt, nur mit schmerzlichem Gefühle wahrgenommen werben können. Ich will diesem Herrn (Lemberger), den ich nicht kenne, zwar keine unedle Absicht zumuthcn, aber leider läßt sich auf dessen schiefe Denkart schon daraus schließen, daß er statt eines organisirten, moralischen Körpers ein vervielfachteö ChaoS wählt, welches nie mit vereinigten Kräften ans ein Ziel hinzuwirken im Stanke ist." Seinem Schreiben legte Chorin ein Verzeichnis; der Araber jüdischen Handwrrler bei. Auö diesem Verzeichnisse geht hervor, daß eS 1832 in Arad 59 jüdische Handwerker gab, in welcher Zahl jedoch auch die Gesellen und Lehrlinge eingeschlossen sind. Folgende Handwerke werden namhaft gemacht: Goldarbeiter, Rolhgerber, Lebzelter, Kürschner, Bötticher, Uhrgehäusemachcr, Schnürmacher, Seifensieder, Kurschmied, Schmied, Schlosser, Büchsenmacher, Buchbinder, Maler, Schneider, Pfeifenbe'chlägcr, Glaser, Schuster, Lederer. In dem unS vorliegenden Originalvcrzeichnisse sind die Namen der bezüglichen Handwerker speziell angegeben. 16. Jugendunterricht. DaS an Ullmann gesendete Handwerkerverzeichniß sollte .in Verbindung mit anderen ähnlichen Verzeichnissen den Be« weis liefern, daß die Zahl der jüdischen Handwerker im Zunehmen begriffen ist. waS in der an den Reichstag zu richtenden Petition hcrvorgrhvben werden sollte. Die Araber Gemeinde war sowohl in Rücksicht auf die Zahl der Handwerker, die sie in ihrer Mitte aufweisen konnte, wie nicht minder in Rücksicht auf mehrere von denselben betriebene Ge« werbe, den übrigen jüdischen Gemeinden Ungarns vorangeeilt. Die Anregung dazu ging von Chorin aus, der die Crlernung von Handwerken im Sinne deS ThalmudS sehr angelegentlich empfahl. Er blieb aber dabei nicht stehen. Die Gesellen und Lehrlinge waren Gegenstand seiner väterlichen Fürsorge. Die in Pest und in Wien stehenden Araber Handwerkergehülfeu schaarten sich daher um ihren Rabbiner und Wohlthäter, so oft derselbe diese Städte besuchte. Viele derselben hatten in der Fremde mit unüberwindlichen Schwierigkeiten z» kämpfen, indem die christlichen Meister vor dreißig Jahren nichts weniger als geneigt waren, Juden in ihre Werkstätten aufznnehmen. In Arad pflegten daher eine Zeit« lang die jüdischen Handwerkergescllen in ihren Wanderbüchern unter der Rubrik ״Religion" als ״Alt gl au der" bezeichnet zu werden. Gegen den Büchsenmacher und spätem Bildhauer Gnttinann, dem der Fürst Metternich ein Stipendium de« willigt hatte, wurde im Jahre 1839, nachdem die Wiener Polizei daS wirkliche GlaubenSbckenntniß Guttmann'S er, fahren hatte, eine Untersuchung wegen Vcrläugnung der Religion eingeleitet, die jedoch keine nachtheilig; Folgen für ihn hatte. Chorin, der zu jener Zeit in Wien war, ging dem talentvollen angehenden Bildhauer mit Rath und That an die Hand. Nicht so leicht, wie die Verbreitung von Handwerken, wollte die Regelung deS JngendunterrichteS von Statten gehen. Dort genügte der Entschluß einzelner Väter, um für; die gewerbliche Arbeit Propaganda zu machen; hier war die Mitwirkung der ganzen Gemeinde oder doch der Mehrzahl! derselben erforderlich, da ohne diese Mitwirkung an die Grün-! dnng einer wohlgeordneten Schule nicht gedacht werden ' konnte. In diesem Augenblicke besitzt ChorinS einstmalige i Gemeinde eine Schule, welche jedenfalls in Ansehung der! Klassenzahl, der Erhalt,lngSauellen und der Lehrcrgehalte die i erste jüdische Lehranstalt in Ungarn ist; vielleicht hat dieselbe j in den eben genannten Beziehungen in d. jüd. Gcm. der ganzen; öst-rrcichischen Monarchie nicht ihres Gleichen. Je weniger! dies geleugnet werden kann, desto weniger darf Chorin'S Biografie die Kämpfe verschweigen, von welchen die Erzielung so erfreulicher Resultate begleitet war. Chorin staud an der Spitze der Schulfreunde, an denen eS in Arad allerdingS auch vor dreißig Jahren nicht fehlte; er empfand zunächst die GeburtSwehen der werdenden Anstalt. Unsere Leser werden eS unö Dank wissen, wenn wir ihnen die hierauf bezügliche» Herzensergüsse ChorinS mittheilen, welche wir den vor unS liegenden Originalbriefen entnehmen. Un« term 3. Dezenibcr 1833 schreibt er einem Freunde: ״In meiner Abwesenheit haben sich einige Menschen gegen die! Schulanstalt verschworen. Ich habe abermals an die hoch« } löbliche k. nng. Statthalterei appelliren müssen,, und ich sehe j mit aller Zuversicht dem Triumphe entgegen." Die nächste ■ Zukunft erfüllte jedoch diese zuversichtliche Hoffnung nicht, j Unterm 7. Mai 1834 meldet er: ״ES war eine sorgen-; und kummervolle Zeit seither! Ich hatte zu kämpfen, und bin leider noch nicht zum wirklichen Ruhepnnkte gelangt. Meine Widersacher, die meiner Person nichts anhaben kön« nen, haben sich wider die in meiner Gemeinde errichtete und mit dem besten Erfolge fortschreitende Elementar- und Hauptschule verschworen und den größten Theil deS PöbelS für

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