Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 8 (18.2.1863)
- Date
- 1863-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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131 132 erschöpft. Dir ihm ergebt»« Heerde hak er »och nicht so demoralifire» köunro, daß fit alle« Gefühl der Menschlichkeit verloren, oder so vre» dummen, daß fie Gute« vom Bösen. Recht von Unrecht ju unterscheide» strUmt hätten; nur einige Dunkelmänner, dir im Schatten von Hirsch vir Pilze hervorwuchern, siehe» noch ans der Seite de« Machthaber«, deren ephrwärr» Kräfte allein Hirsch seinen momentanen, materiellen Sieg zu verdanken hat, aber Vas vlctis! Die DerfolgungSsucht wird fich bei der allgemeinen Stimmung nicht lange ihre« Siege« ersreueu können. Wir wollen nun dir Thatsachr, welche einen nicht zu bcwäl« tigenden Sturm gegen Hirsch hrrvorgerufen hat, mit diplomatischer Geoauigkeil erzählen, u. übcrlaffen ,« dem Leser, sein Uriheil z» fällen. An der Schule der ReligionSgesellschasr lehrt in den höher» Klaffen Dr. Deffauer. an den untern Dr. Hirsch u. noch 6 Lehrer. D. ist der beste, beneble!» und kenntnißreichste Lehrer, als Perle der Schule anerkannt. Dr. Hirsch bat eine traurige Berühmtheit erlangt durch eine Liebschaft mit seiner Schülerin — worüber seiner Zeit in dirsrn Blättern berichtet wurde — und durch einen 60 Blatt umfassende» Artikel in riutm PrüfungSprograwm, den sicherlich nur er nud der Setzer bi« an- Ende gelesen haben. Rabbiner Hirsch ist Rektor und in so fern unbeschränkter Despot als der ihm zur Seite stehende Schulrath nach seiner Pfeife tanzt. Dies zum Derständuiß. Da geschah »S eine- Tage-, daß Deffauer unbcdachtsamcr Weise in Gegenwart einiger Kiu׳ der sagte, ״R. Hirsch flehe unter den Pantoffeln seiner Kinder, eine Wahrheit, der Jedem bekannt ist, und es daher ein doppelter Leichtsinn von D. war, Bekanntes zu wiederholen. Ein schwatzhafter Knabe erzählte dieses MajcstätSverbrechen einer fromuien Matrone, die in ver« wandschastlichcr Beziehung zu Hirsch steht und die eS nun Hirsch dem Sohne wicdererzählt. Eilends lies dieser nun zu den Mitgliedern de« SchnlrathrS hin, die sofortige Entlassung des BerbrecherS verlangend. AIS dieselben ihn natürlich auSlachleu, drohte er, ganz nach hirschischem Edelmuth, ״die Sache in Vaters Hände zu legen". Vergebens war alles Bitten ״BaterSrhrr muß erhalten werden". Und als der alte Hirsch die Worte DcffauerS vernahm, da entbrannte sein Zorn und er schwur, heftige Rache an dem Verbrecher zu üben. Da bcriethcn der Vorstand und die Schristgrlehrten, wie der Zorn des Heiligen ״die Schwungkraft Israels" zu versöhnen sei und die Schristgclehrtcn forschleu und suchten und sanken eiu altes Buch in einer ihnen nicht ganz dclanutcn Mundart, in welchem von der großen Wirksamkeit des SündeubekennInißeS und der Buße viel geschrieben steht. Was bei dem Heiligen im Himmel — so sprachen sie — wird auch wohl bei dem Hciligrn aus Erden von Wirkung sei». Und freudig, ein Mittel der Versödnung gefundeu zu haben» erschienen sie demüthig vor den» Heiligen J-raelS. Da öffnete der Heilige seinen Mund und sprach also: Gesetzestreue und Parnaßim der Galuth-Gemeinde, höret meine Worte und dre göttliche Gerechtigkeit, die meine Lippen verkünden. Der Sünder, welcher dcu Heiligen Israels verlästerte, muß vergehen, der Verbrecher vernichtet werbe». Diese» Richterspruch habt Ihr schleunigst zu vollziehe» und meine Gnade wird übrr euch walten. Da ermannte fich endlich d»e heilige Versammlung und sprach: Wie kann das gesetztrrue Israel «iue solche Schaudthat begehe«, »ine» Vater von vier Kindern wegen eines unbedächtigeu Wortes brodloü zu machen, und einem so geliebten Lehrer, dir Perle der Schule, von dem unter seinen Händen so fruchtbar gewordeueu Boden zu vertreiben; wer wird künftig unsere Knaben lehren, die Thora halten, und Gott verehren, wenn selbst ein kleines Verbrechen der Heilige so hart bestraft? Einmal sprach ich; entgegnet, der der Heilige, und gehr nicht davon ab. Beschämt und verlegen stand da« treue Häuflein da und »rrölhete ob de« Gegenstände« seiner Verehrung. Wa« ist nun zu thua, wo Hilfe und Rettung fiudea? rief Einer dem Andern zu, sollen wir einen Menschen und verehrten Mitbürger, di, blühende Schul, und die Zukunft unsrer Kinder dem Fa. natismu« opfern? Da fuhr ri» lügenhaft»« bi» 1Um» sammlung und sprach: Wie, ist da« dir jüdisch» Standhaftigkeit, da« AuSharreu in der Zeit schwerer Prüfung, wodurch da« Jndenthum so groß in der Geschichte dasteht? War Abraham »ich« btktlt. seinen einzi. gen Sohn, Gott zum Opfer zu bringen, was doch all«» Gefühlen de« H»r« zens Hohn spricht, ei» Menschenopfer dem Gott», de» die« in seiner Thora als die abscheulichste Thai bezrichnetr. und doch ließ sich Abraham in seinem tiefgewurzelteu Glauben durch Gefühl und BerNNNft nicht zum Abfall verleiten, und ihr wollt die erste Prüfung «»sttt« göttlichen Mri» stcrS nicht bestehen, wollt nicht Zeugniß ablegtN, daß die romantisch, Orthodori, erhaben sei über menschlichen Edeluiuth, Litbr. Gerechtig. keit, Brüderlichkeit und über die sonstige trivial» Schlagwörter unsrer auSgeartrteu Zeit im Munde des von riner Uebcrknltur btlhörtrn Volke«? Mögen tausend Lehrer mit der ganzen Brut der ft^rcr zu Grunde gehen, der Machtsprnch nnseres Rabbiners aber MUß ewiglich bestehen. Und das Strohfcucr der Anflehuung, das dir Getreuen rittstaiiimt hatte, erlosch alsbald von dem Hauche dies lügenhaften Gtifirö, und reuevoll stürzten fie zu Len Füßen Hirsch'« nieder und spracht»! Verzeih allgr« waltiger Richter, wir erkennen deinen weiseo, gerrchlkN und milden Machlspruch an; wenn wir auch anfangs deine verborgenen Grunde und Absichten nicht erforschen konnten, so hat NUN der Geist, der von dir ausging uns mit deinem Lichte erleuchte«. Wir bringen der Ehre Leines Namen« Lea verehrten Lehrer und die geistig» Bildung untrer Kinder zum Opfer! Als die Kunde von Lirsei» glorreichen Sieg LeS Rabb. H. sich verbreitet hatte, La beeilte fich Dr. D-, um riniger« maßen die Dcmüthigung einer Verabschiedung sich t» erspar,», und reichte an 10. des Monat« Schcbat sein Entlaffu»gSgef»ch ei», welcher Tag nunmehr im Festkalender der Hirsch'schen Familie als Freudetag eingeschrieben wurde, an dem weder getrauert »och gefaste« werbe» dürfe. Aber das gemeine Volk ließ sich, wie da« ausgewühlte Meer, nicht so leicht besänftigen, und können seine Welle» da« Molochbild auch nicht von seinem hohen Standpunkt sortschwciuuic», so ist doch die Basis des kunstvclleu Baues bloSgrlegt und kitlkU »eueu Sturm wird er nicht mehr bestehen können. Raphael Kirchhrim. Brcölau, lL. Feber. Dr. Joül ergänzte seitte» am 4. v. M. gehaltenen Vortrag über Philo und die aleraudrinisch-tüdisch, Richtung. Im Eingänge erwähnt, der Redner der Bedenke», welche sich der Wahl seines Themas entgeg,»stellten, die aber wie er sagt», »am sichersten zu Grund, gehen, wenn mau aus ihren Grund gehe," und widerlegte dann die irrige Ansicht von der llnpopularität der Philosophie. I» Bezug auf den Hilden seines Vortrages hob der Rrdlier drei Momente hervor. Was Philo geschrieben, was der Inhalt seiner Schriften sei. und endlich, welchen Einfluß er auf Mit- und Nachwelt gehalten habe. Das rrstere anlangeud. habe Philo mehr geschriebtll. als ihm zugrschriebe», und weniger verfaßt, als ihm imputirt werde; denn die neuere wissen jchastliche Kritik weise die lluechtheit vieler ihm untergcschobtueu Schriften nach und habe anderseits unbekannte Werke von ihm ans Licht gezogen. Ihrem Inhalt, nach »nach»» Philo'« Geistes» Produkte entschieden Front gegen den PhantheiSNlU« der Stoiker, welcher — freilich in großar.'.ger Vollendung — in spätere» Jahrhun» derteu einen Triumphzug durch Europa gehaltrn, dessen SiegeSwagru von Hegel und Schelling gezogen wurde, und der als Beute, Lrssing und Göthe heimgeführt hatte. Audiesem Oppositionövrrhältoiß gegen seine Vorgänger sei die philonischr Lehre von den persönlichen Kräften, von dem loyot entstanden, weil Philo nur in drr Weis» die Trauszrn» Lenz und Immanenz des Göttlichen sesthalteu zu können glaubte. Dir Redner wie« sodaua den Einfluß Philo'S bei EhristtN und Heidrn, Juden und Mohametaoeru nach, und zwar bei letzter»» durch das Medium de« Neuplatouismu«, den letzte» philosophischen RtltungSvrrsuch de« untergehrnben HeidenthumS. welcher drr phllvntscht» kehre An re-