Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 8 (18.2.1863)
- Date
- 1863-02-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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127 128 hier nichr, wie im Privatleben, der Einzelne die Initiative ergreifen; vielmehr muß der Entschluß, das Herkommen zu verlassen, von einer ganzen Gemeinde gefaßt werden, waS nicht leicht zu bewirken ist. Von einer Verletzung des RitualgesetzeS kann aber dabei nicht die Rede sein, da im Gegent'.ile gerade die Reform zu der Sitte der biblischen und thalm. Zeit zurückkehrt. Ich darf Ihnen aber, m. H., auch nicht verschweigen, waS in neuerer und neuester Zeit über ken Gegenstand unserer Betrachtung gesagt wurde. Herr Hirsch, daS Haupt der neuorthodoren Romantik in Deutschland, sagt: »Dein Geben, dein Stehen sei frei, aber bescheiden! Zur Bewahrung dieser Bescheidenheit empsehlen unsere Weisen besonders, unter freiem Himmel gehend, daS Haupt nie unbedeckt zu lassen, damit wir stets die Schranken menschlicher Thierheit gewahren, und wissen, daß unmittelbar, wo Menschenkreis aufhört, ewiger Kreiö göttlichen WaltenS beginne 51).״ Nachträglich muß jedoch Herr Hirsch diese Hut- und Mützcnsymbolik nicht befriedigend gefunden haben. Nicht etwa, daß er die Geschichte zu Rathe gezogen hätte; o nein! — wie könnte ihm auch so waS in den Sinn kommen! Er mag sich aber gesagt haben, daß der cwtge Kreis göttlicher: WaltenS nicht erst dort beginne, wo der Menschenkreis aufhürt, daß vielmehr der Mensch auch in seinem Wirkungskreise der Hilfe des göttlichen WaltenS bedarf. Herr Hirsch versucht daher eine andere Symbolifirung: ״Wie wir dem Menschen gegenüber alles Thierische am Körper verhüllen, also hat sich der Gottheit gegenüber selbst unser menschlichster Körperthcil bescheiden zu verhüllen." Daran ist aber nur so viel wahr, daß die persischen Inden, die vor vornehmen Menschen bedeckten Hauptes erschienen, die stete Kopfbedeckung als Ausdruck der Ehrerbietung gegen Gott betrachteten. Ein Wiener Blatt ging unserer Frage ebenfalls an den Leib. ES behauptet, die bestehende Sitte sei eine ״Jahrtausende lang gepflogene Usanz", uud daß die Juden durch die Entblößung deS Hauptes ihre orientalische ״Abstammung verleugnen!" Alle diese Jrrthümer kommen daher, weil die biblische Alterthumökunde noch zu wenig, die thalmudische aber fast gar nicht gepflegt wird. AnmaßlicheS Absprechen ist allerdings viel leichter und bequemer, als gründliches Erforschen der Spezialitäten. Den unbefangenen Wahrheitssinn befriedigen aber nicht die Einfälle eitler Romantik und Süffisance, son« dern die Resultate einer Forschung, welche nicht müde wird, die Quellen zu fragen und sich von denselben belehren zu lasseu. (Fortsetzung der Biografi, ju der nächste« Nummer.) Anmerkungen. ') G. oben Nr. 7. Zu den das. angef. Thalmudst. ist noch hinju zu fügen; Kidd. 8. -. u. d. Gleise R. Mia Will,»'- das. ') Sofe. rim l». 14. Ueber פרס על שמע oder אח שמע 'C. wie es an manchen Stellen beißt, find dir Meinungen getheilt: s. Raschi Megilla 23. 6. und Rabb. Nisfim das. 271. 6. im Namen der Geonim. Letztere haben offenbar das Nichtige; ihnen folgt R. Nathan im Aruch פרס VÜI. R. 3faf aus Wien (f. Alf. a. a. O.) uud Maim. Thefilla 8. 5. Die Nichtigkeit ihrer ohne Zweifel traditionellen Erklärung erhellt auch ans Soscrlm 10. 7. und aus Wajjikra rabba Abschn. 23 (ock. Amst. 164, c) und d. Midrasch;um Hohenlicde 2. 2., wo die Leseart nach erstercr Stelle zu berichtigen ist: die Erzählung spricht, wie jeder Unbefangene fieht, von einer gewöhnlichen, nicht von einer kasuellen RituShandlnng. was auch v. d. ang. Thalmudstellen gilt. DaS Sprach« licht d. פרס ist noch einer nähern Prüfung zu unterziehen. Landau'« Uebersetzung a. a. O. ist jedenfalls unrichtig, da nicht von einem Segen, sonder» von einem Lcbspruche die Rede ist. Aber selbst die Uebersetzung R. Naihan'S trifft kaum zn. da daS Thargnm l Sam. 9. 13. gewiß nicht als wörtliche Uebersetzung zu nehmen ist; (R. Nathan las das. נכסתא. in unseren Editionen steht ממנא» was auch dlt Kasuisten ziliren). Brgl. auch Migdot O; Thefilla 6. 5. lind Lechem Mischna das. ferner. R. G. A. Benjamin Ze'cb Nr. 170. S. 208. b. ') Trak« tat Kallah 39, a. Ende. *) Äschert Zizith Nro 20. SJ Das. Nro 9. ״) Nluiuke Zos. zu Hilch. Zizith 77. a. ') Deoth 5. übersehe» v. Reggio im ״ha Thora wcha-filosofia" S. 136. s) More 3, 52. *) Thefilla 6, 5. '") R. Zooa b. Lonsano Dcrcch Ehajjim 93. b. cd. Lcmb. 1860. -33. 3. Tur O. Eha,j. 8. Beth Josef uud Darkhe Mosche Las. ") ha-Manhig cd. Berlin 1855 S. 15. Nro 45. Brgl. Nro 45- Darkhe Mosche zum Tur Orach Ehajjim 282. 3; כמנהג צרפת הקורין בראש מגולה ואסור לקטן לקראת בראש מנילה וכ״ש יי נדול דלא) Kolbo Nro 11. o!1. Von. 8, 6. Beth Zos. O. Ehajj. 91. ") Scser Minhagiu, ed. Sabionelta 109, b. יאסור לאבל לילך בגלוי הראש IS) Pcßalim u. Ktthabim Nro 203: ובגלוי הראש לא ׳ אשכחן קפידא להדיא לאסור" sKosmos 2. 266. די) Tcrum. ha- De,che» Nro 197. Ture Zahab zum O. Ehajj. 8.3. ")Ma« zrcf la-Ebochma bei Reggio a. O. 137. 0ג) Schebulh Zakob. Orach. Ehajj. 111. Nro 5. cd. Lemberg 16. Der Lcmbcrgcr Rabbiucr Zosek Saul Ha-Lcvi Nathausohn hat 1860 zu dieser Edition seine Approbation ge« geben, in welcher er merkwürdigerweise den Brs. fälschlich Zakob Back , nennt!! ,י) S. hierüber alle Acharonim zu den bezüglichen Abschn. d. - O. Eh. ") Gesammelte Schriften 5. 419. ") Mefiboscheth 6. Zo« uathau Prag, M. I. Landau 1826. 8. ") Ehoreb S. 437. L » a l e li l e n. Bon Dr.fAd Z e 1 l i u»k. I. Ertemporireu oder Memorireu? Ueber dies, wichtige Frage der Homiletik ist viel geschrieben worden., und es haben gewichtige Stimmen sich bald für da« Ertrm* poriren und bald für da« Memorircn der Predigten ausgesprochen. Zu jüdischen Kreisen ist sie schon im Anfänge des zweiten Jahrhundert« auf eine originelle Weise beantwortet worden, uud zwar mit riurm Verbiet gegen das Ertemporireu. Wir lesen nämllch im Midrasch Tau« chuma zum Abschn. Zitro (S. 80 n cd. Wien; r« ist dies weine« WissenS der erste Midrasch, der überhanpt dir Wiener hebräische Prrffe vrr« lassen hat). Einst wurde R. Akiba zur Thora gerufen. ohne dem Rufe Folge leisten zu wollen. Don seinen Schülern über da« Motiv befragt» antwortete er denselben, daß er Liese Parascha nicht mehrere Male ge» nau üterlesen und durchdacht (שלאי' סייח איחה), und man dürfe vor einer Gemeinde nicht eher mit einem Thora-Dortrage rrschrine«, bis man ihn einig, Mal, gründlich durchstudirt Hab, (עד שיפשוט)•