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Ben Chananja · 1863-02-11 · 7 (11.2.1863) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
7 (11.2.1863)
Date
1863-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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105 106 forderte,5). Die babilonischeGemara führt eine ganze Reihe von Berachoth oder Eulogieen an, die täglich gesprochen werden sollen, bevor man das Sndarinm auf das Haupt legt'"), also — unbedeckten Hauptes! Von R. Aße, einem berühm« ten Lehrer des 4. Jahrhunderts, wird erzählt, daß er sich vor dem Tischgebete mit d. Sudarium bedeckt habe"); Andere müssen also dieses Gebet unbedeckten Hauptes verrichtet haben! DaS Nachtgebet, von welchem sich allerdings die Schriftgclehrten zu diSpensiren pflegten "), muß ebenfalls bei entblößtem Haupte verrichtet worden sein, da die ganze thalmudische Literatur keinen Anödruck für eine Schlafmütze oder sonst eine nächtliche Kopfbedeckung besitzt, den sie aber ganz gewiß besäße, wenn in der thalmudischen Zeit eine nächtliche Kopfbedeckung bekannt gewesen wäre. Ein Haggadist spricht sogar ganz unumwunden auS, eö sei gleichgiltig, ob man daS Schema bedeckten oder unbedeckten HaupteS lese. An die Worte deS Profelen Micha: ״Mein Volk! was Hab' ich dir gethan, womit Hab' ich dich belästigt? Zeuge wider mich (6,3)!" knüpft nämlich dieser Haggadist solgcude Betrachtung.- ״Wenn ein Fürst seine Befehle und Verordnungen bekannt machen läßt, vernehmen die Untertlianen dieselben stehend, entblößten Hauptes, mit Furcht und mit Zittern; ich aber, spricht der Heilige, gelobt sei er, belästige euch nicht: ihr müsset daS Schema weder stehend, noch entblöSten Hauptes lesen, sondern ״während du zu Hause sitzest, während du aus dem Wege gehst, während du dich nicdcrlegst und während du ausstchst IS)!!״ Sie werden sich, m. H., über die Duldsamkeit unseres Haggadisten nicht wunder», da sich ja in derselben nur die allgemein befolgte Sitte und Gewohnheit auöspricht. Dagegen dürften Sie cS brachtenöwerlh finden, daß der christliche Apostel Paulus minder tolerant^war, als unser Haggadist. Paulus schreibt nämlich an die Korinther: ״Ein jeder Mann, der da betet oder weissaget, und hat etwas aus dem Haupt, der schändet sein Haupt. Ein Weib aber, daS da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupte, daö schändet ihr Haupt.Der Mann aber soll daö Haupt nicht bedecken, sintemal er ist GotteS Bild und Ehre'")." Paulus will also die Entblößung oder Bedeckung deS Hauptes nicht der Willkühr heimgegeben wisj sen. Die christlichen Theologen finden eS unbegreiflich, wie; Paulus daS Beten mit unbedecktem Haupte fordern könne,! da er als Sohn jüdischer Eltern von Jugend auf an daS \ Beten mit bedecktem Haupte gewöhnt war. Diese Voraussetzung ist aber nach Allein, was ich Ihnen auö der biblischeu und thalmudischen Alterthumökunde mitzntheilen die Ehre hatte, leicht als grundlos zn erkennen. Die Paulinische For« derung, welche die mit der griechischen übereinstimmende jüdische Sitte nur simbolisirt und mit Erklusivität auSstattet, bestätigt demnach mittelbar daS auS dem Talmud gewonneue Resultat. Ein solch mittelbares Zeugniß liegt auch in dem Nathe eines Haggadisten, den Kopf mit einer Bedeckung zu versehen, um sich vor Rheumatismus zu schützen""). WaS nun von dieser diätetischen Regel zu halten sei, mögen die Herren Ärzte benrtheilen, die sich in Ihrem verehre-a Kreise eingcfunden haben. Mir liegt «S od. Sie nunmehr, da Sie die Prostimmen kennen, auch mit den Kontrastimmen bekannt zu machen. Ich gestattete mir bereits, zu bemerken, daß diese Stimmen sich nur in Persien vernehmen ließen, wo die Bedeckung deS Hauptes Landeösitte war, und wo eS auch unter den Juden, besonders unter den Schriftgelehrten für unanständig galt, vor augeschenen Personen entblößten Hauptes zu erscheinen. Nur Kinder oder unheirathete junge Leute durften sich dieS gestatten"'). Gesetzeslehrern gegenüber erlaubten sich nur die Einwohner von Sura eine Abwcichung von der Etiquette, indem sie, an den Umgang mit Gelehrten gewöhnt, weniger Respekt gegen dieselben an den Tag legten""). Bei dieser herrschenden Etiquette konnte leicht der Gedanke auskeimeu, daß der Mensch niemals daS Haupt entblößen sollte, indem er sich ja unausgesetzt in der Gegenwart GotteS befindet. Dieser Gedanke erwachte nach den vorliegenden thalmudischen Berichten zuerst im Herzen einer für die Zukunft ihres Kindes besorgten Mutter. ״Ein Astrolog, so erzählt nämlich der Talmud, prosezeite der Mnlter deS N. Nachinan b. Jsak (um 320), derselbe würde ei» Dieb werden. ״Sie schärfte daher ihrem Sohne von frühester Kindheit ein, den Kopf zu bedecken, damit die ״Furcht GotteS über ihm sei, und zu bctcn."R. Nachman wurde aber der Sinn dieser mütterlichen Ermahnung erst klar, als ihm einst, während er im Schatten eiueS DattrlbanmeS studirle, daS Tuch vom Haupte fiel, und er, in diesem unbewachten Augenblicke sich vergessend, von den Datteln eines BaumcS naschte, der nicht sein Eigenthum war"")." Nun kann dieser Sage allerdings die Absicht zu Grunde liegen, die bekannt gewordene Uebereilung eines berühmten LehrerS, an der man Anstoß nahm, zu entschuldigen. Aber selbst wenn dem also wäre, so war doch jedenfalls der Sage bereits die Anschauung geläufig, daß die Gewohnheit, daö Haupt zu bedecken, der Gottesfurcht förderlich sei. Gleichwohl war diese Gewohnheit selbst unter den persischen Juden so wenig verbreitet, daß eia späterer Lehrer alS R. Nachmann, R. Huna b. Josua, jüngerer Zeitgenosse Konstantin'S deS Großen und älterer Zeitgenosse BasiliuS deS Großen, noch den Ausspruch thun konnte: ״ES stehe mir bei, daß ich nicht einmal vier Ellen weit ging, ohne meine Kops zu bedecken "')!* Im Thalmud wird diese Skropulosität auch als eine Eigenthümlichkeit R. Huua'S darge« stellt""). R. Huna hat eö bei Lebzeiten nur zu einer untergeordneten Stellung gebracht: er war Korrepetitor (Resch Kalla) an der Schule zu Rirasch, deren Haupt sein Kom-

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