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Ben Chananja · 1863-02-11 · 7 (11.2.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
7 (11.2.1863)
Date
1863-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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103 104 ו den allerdings mehrere Arten von Kopfbedeckungen nahm- Haft gemacht; dieselben scheinen aber nach Saalschütz mit Aufnahme deS zur militärischen Rüstung gehörenden HelmS mehr dem Putze, alö dem Bedürfnisse gedient zu haben *). Außer dem Helm (Koba) und dem Turban (Zanif) kennt die Bibel keine eigentliche Kopfbedeckung; Krone und Diadem (Neser, Atarah) gehören natürlich nicht in die Kategorie ge« wohnlicher, dem Bedürfnisse dienender Kleidungsstücke. Für die Richtigkeit der Saalschützischen Anschauung spricht außer den angeführten Beweisen auch der Umstand, daß der gründliche Bibelforscher Isaak Samuel Reggio noch vor Saalschutz und auf andere Bibelstellen י׳) gestützt, ebenfalls zu dem Resultate gelangte, daß die alten Hebräer nur im Kriege und in Trauer eine Kopfbedeckung trugen. AuS dem die Priester betreffenden Verbote, im Heiligthnme daS Haupt zu entblößen^), schließt er, daß außerhalb deS HeiligthumeS auch die Priester in dieser Rücksicht nicht beschränkt waren 5). Meinen Sie aber nicht, m. H., daß nur die Priester Israels bedeckten Hauptes fungirten. Auch die persischen Priester trugen beim Opfer die Tiara, und ebenso erschienen die Priester RomS am Opfrra.ltarmit bedecktem Haupte. Wird ja sogar der Name der letzteren, FlamineS, von ihrer Kopfbedeckung hcrgeleitct, inde..; sie eigentlich Filainineö oder PilamineS heißen, oder a fl am eo capitis tegumento ihre Benennung haben sollen. Die griechischen Priester opferten mit entblößtem Haupte; sie pflegten auch langes Haar zu tragen °). Die cgyptischen Priester dagegen bedeckten daS Haupt, und schoren sich an jedem dritten Tage am ganzen Leibe 7). Diese Bräuche der egyptischen und griechischen Priester zieht auch der gegen den ethnischen CultuS polemisirende apokrvfische Jeremiaöbrief mit in den Kreis seiner Polemik: ״Warum sollten sie auch Götter genannt werden? Etwa weil Weiber den silbernen, goldenen und hölzernen Göttern Speise vorsetzen; oder weil in ihren Tempeln die Priester mit zerrissenen Kleidern, mit geschorenen Häuptern und Bärten und mit entblößten Häuptern sitzen (Baruch 6, 30, 31)?" Die Abfassung deS Briefes, dem diese Worte entnommen siud, fällt jedenfalls in die Zeit vor der Zerstörung deS zweiten Jerusalemischen Tempels. So alt ist also die Polemik gegen die Entblößung deö Hauptes beim CultuS! — Gleichwohl muß ich Sie bitten, m. H., auf diese Polemik kein Gewicht zu legen. Dieselbe betrifft lediglich den Gegensatz zwischen dem israelitischen und ethnischen Tempel- oder eigentlichen OpferkultuS, ohne daS, was außerhalb dieser Sphäre liegt, in Betracht zu ziehen. Denn selbst in den letzten Zeiten des zweiten Tem« pels blieb die vorgeschriebene priesterliche Kopfbedeckung nur beim eigentlichen CultuS unerläßlich; daS Signal zu der Losung, welche in der Quaderhalle des Jerusalemischen TempelS täglich stattfand, wurde nach dem Berichte deS ThalmudS dadurch gegeben, daß der Vorgesetzte einem der versammelten Priester die Kopfbedeckung abnahm 8)! Die thalmudische Literatur, welche wir nunmehr zu befragen haben, ist auch sonst nicht arm an Aufschlüssen über den Gegenstand unserer Betrachtung. BeachtenSwerth werden Sie wohl mit mir schon den Umstand finden, daß die ganze thalmudische Literatur außer dem biblischen Koba 9) nur noch zwei Namen von Kopfbedeckungen kennet, die semitischen Ursprungs sind'"), während die übrigen Benennungen, die der Thalmud enthält, den Griechen und Römern entlehnt siud, von denen der Gebrauch der bezüglichen Kopfbcdeckuogen zu den Juden verpflanzt wurde. Als ausländische Produkte mögen dieselben nicht in allgemeinen Gebrauch gekommen sein; gewiß ist, daß die alte biblische Sitte der Barhäuptigkeit namentlich bei Männern auch in der thalmudischen Zeit herrschend blieb; daß aber in Persien seit dem vierten Jahrhundert auch schon ein schwacherjAnfang gemacht wurde,diese Sitte zu verdrängen, und dafür den Gebrauch einer kontinuirlicheu Kopfbedeckung cinzusührcn. Gestatten Sic mir also, m.H., Ihnen daS, waS die thalmudische Literatur über unsere Frage enthält, in zwei Gruppen vorzulegen, deren eine das Pro begründet, während die andere geeignet ist, dem Contra als Anhaltspunkt zu dienen. Die erste Gruppe eröffne ich mit einer Bestimmung, die ganz auö dem Leben gegriffen ist, und in der sich die dominante nationale Sitte getreulich abgespiegelt findet. Sie wissen, daß die Gelübde nnd freiwilligen Entsagungen einen integrirenden Theil deS jüdisch-religiösen Lebenö bildeten. Die hierauf bezüglichen Gesetze sind in einem eigenen thalmudischen Traktate (Nedarim) nicdergelegt. Hier heißt eö nun: ״Wer in einem Gelübde den Schwarzköpfen entsagt, dessen Gelübde beschränkt sich bloß auf Männer, indem diese auch entblößten Hauptes erscheinen, und daher mit Recht Schwarzköpfe genannt werden: eine Benennnng, welche auf Frauen nicht paßt, indem diese ihr Haupt mit weißen Tüchern zu bedecken pflegen")." Klarer und glaubwürdiger kaun wohl die Sitte der Zeit unmöglich geschildert werden!. Ein Haggadist führte die herrschende Sitte sogar auf die Geschickte deS ersten MenschenpaareS zurück. ״DaS Weib", sagte er, ״das zuerst gesündiget hat, wagt nicht, sich öffentlich mit freiem Haupte zu zeigen •״)!" Von der herrschenden Sitte wurde auch bei kultuellev Handlungen nicht abgewichen. Dies erhellt nicht bloS aus dem Umstande, daß ausschließlich dem Leidtragenden vorgeschrieben wird, daS Haupt zu bedecken "), sondern auch auö positiven Thatsachen und klaren Aussprüchen. So hat der Bericht, daß man bei dem wegen öffentlicher Calamitäten augeordneten FastenkultuS daS Haupt mit Asche bestreute"), nur einen faßbaren Sinn, wenn die Feier keine Kopfbedeckung

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