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Ben Chananja · 1863-02-04 · 6 (4.2.1863) · page 7

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Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
6 (4.2.1863)
Date
1863-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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97 98 N. Pest, 31. Jänner. Herr Dr. Meisrl, dieser nämlich ist der Verfasser de« in hiesigen Kreisen vielbesprochenen Memorandum«, hat sein angeb'ich umfangreiche« Opu« bi« zur Stunde nicht veröffent« licht; e« ist daher natürlich, daß über den Inhalt desselben allerlei Gerüchte zirkulireo. Da Niemand diese Gerüchte verbürgen kann, so muß da« Urthcil über den Inhalt de« fraglichen Aktenstücke» vorläufig suSpendirt werden. Da aber dasselbe sicherlich nicht eine reine Privat« angelegciiheit de« Herr» Dr. M., sondern ,inen Gegenstand betrifft, welcher der Behörde gegenüber vom hiesigen Rabbinate anSgcht, so muß da« Borgehen Dr. M'« von jedem Uupartheiischea und Besou« neuen entschieden getadelt werden. Die Naison brachte e« ohne allen Zweifel mit sich, daß sich Dr. M.mit dem Gemeindevorstande bespreche, oder demselben wenigsten« den Wortlaut de« tlnzuceichenden Memoran« dum« mittheile, um allen Mißverständnissen vorzubengen. 2a hiesigen journalistischen Kreisen ist es genau bekaunt, daß Herr Dr. M. vor einige» Wochen seine Anwesenheit bei einer Soiröe dazu benützte, dem rühmlich bekannten Publizisten Paul Kirülyi ein Predigimanuskript zu zeigen, um dcuiselben darzuihun. Laß er seine auf Trefort bezogene, und selbst in dem amtlichen ״Sürgony" getadelte Predigt vor mehreren Zähren von Wort ,zu Wort in Stettin gehalten habe, so daß ihm bei derselben unmöglich ungarische Berhältnisse im Sinne geweseu sein können. Herr Dr. M. fand e« also nöthig, sich vor den Repräsentanten der öffentlichen Meinung zu rechtfertigen. Warum schenkt er den Reprä« srntantcn s. Gcm. nicht dieselbe Aufmerksamkeit, indem er ihnen noch setzt die Denkschrift in getreuer Abschrift vorlegt? Wenn die hiesige Gemeinde morgen einen Rabbiner ausnähme, würde die Frankfurter Klausel, welche dem Rabbiner verbietet, ohne Wissen de« Vorstandes den Behörden Eingaben zn unterbreiten, ganz gewiß nicht in der Ausnahmurkunde fehlen. Die Herren Rabbiner wären hierüber ungehalten. Wie können es aber die Herren den Gemeinden verdenken, daß letztere durch einzelne taktlose Schritte ihrer Seelriihirlen gewitzigt, sich vor Uebergriffen sicher« stellen wollen? — Dir Angelegenheit hat aber auch eine andere Seite. Dr. M. ist von einem RabbiuatSkollegium umgeben, welches er nicht nur bei Ehescheidungen und Chaliza's zuziehen muß, sondern auch bei andern rituellen Fragen zuzieht. Er hatte oft Gelegenheit, sich zu überzeugen, daß ihm der Rath dieser Herren sehr zu Gute kam. Voriges Jahr war da« RabbinatSkollegium zur Voruahme einer Chatiza ver« sammelt, nur der Assessor B. fehlte. Die Parteien waren ebenfalls ge« gcnwärtig. Endlich erscheint B. und fragt die Witwe: wann ist Ihr Gatte gestorben? Antwort: »vor sechs Wochen." B. sagt hierauf Adieu, und die Ehaliza unterbleibt. Irren ist menschlich!! Eben darum wäre r« aber der Mühe werth gewesen, sich auch über Inhalt und Form de« bei der hohen Landesbehörde eiozureichendco Memorandum« mit den RabbinatS«Affefforen zu beratheu! Wie ich au« sehr zuverlässiger Queste vernehme, hat die eingereichte Denkschrift in dem RabbinatS-Protokolle keine» Platz gesunden: ein Umstand, der — abgesehen, von der Unord» uung. die er implizirt — ebea kein günstige« Vorurtheil für die Erpek« loraliouen unseres Rabbiner« erweckt. Ueberhaupt sostte Herr Dr. M e i» fei im Verkehre mit deo Behörden sehr vorsichtig sein. Zn seiner am IS. August 1859 gehaltenen Antrittsrede sagte er, indem er unsere Pflichten gegen ihn besprach, wörtlich zu seiner Empfehlung : »Ich habe die vielen Mittel, welche mir zu Gebote stauben, die Gunst an maßgebender Stelle zu gewinnen, unverwrndet gelassen." Es ist gewiß eine nicht gewöhnliche Erscheinung, daß Herr Dr. M. schon al« Stettiner Rabbiner sich viele Mittel zu verschaffen wußte, um bei uns die Gunst an maßgebender Steste zu gewinnen. Daß er diese Mittet nicht verwendete, war eine Großmulh, für die wir ihm ewig verpflichtet bleiben werden. Sollte diese edle Großmulh nun« mehr ihr Endziel erreicht haben? Nur die Veröffentlichung der ringe» reichten Denkschrist kann hierüber Auskunft und Ausschluß geben, und Herr Dr. M. würde nur einem allgemein gehegten Wunsche entgege,. kommen, wenn er diese Veröffentlichung nicht länger auf flch warte» ließe. VPest, Anfang« Feber. Der gelehrte RechuitzerObrrrabbiner. Dr. M. Zipser, richtet an dir Leser de« »ungarischen Israeliten, eine, sehr warme Aufforderung, die Herausgabe einer ungarischen Dtbelüber» sttzung kräftig zu unterstützen. Er selbst eröffnet die Subskription z, diesem Bchufe mit fünfzig Guldr». Böhmen. Jänner. Einer Klärung pflegt gewöhnlich ei» Gäh« ruogSprozeß voranzugeheo. Dieser Erfahrung gemäß könne, die Jade» Böhmen» ein glänzende« CultuS-Gemeindeweseu erwarten; den» allent» Halden wird Hand an« Werk gelegt, um einen neuen Derfaffuag«ba» für solche Gemeinden zu schaffen; allenthalben will man beginne, , de, Schutt wtgzuräumen. Doch gesundes Material zn diesem Kunstbau, sah man noch wenig herbeischaffen. Und selbst Viele, die an manchem Grundstein meißeln halsen, erklären dcuselben für untauglich. Za unserer Landeshauptstadt tagten die Notabeln der böhmische, Landesjudeuschas». über deren Leistungen zu sprechen, ich mich nicht be« r״fen fühle. Aber wa« diese Herren al« nur sehr geringfügig de» sprachen, da« berührt mich am schmerzlichsten. Ist nicht die Zukunft eine« Menschen von seiner Erziehung und die Wohlfahrt einer Ge« oieiilde von ihrer Schule bedingt? Und dieser vergaßen die Herr», Notabeln fast ganz! Betrachten wir zuvörderst die Lehrerbildungsanstalten, wir fl» vordem beschaffen waren, nn» wie sie jetzt beschaffen find. In der Zeit, auf welche die Sokratikcr der Eegruwart mit geringschätzendem Blicke Hinsehen, weil Pädagogik und Didaktik nicht so, wie jetzt tradirt wur« Len. bestand an der Prager isr. Hauptschule ein einjähriger Präpa» randenkurS. Die kurze Dauer diese« Kurses ermöglichte es Jedem, der sich dem Lehrerstande widmen wollte, sich die Sndsidenzmitrl zum Auf» enthilte in Prag zu verschaffen. Ja am häufigsten kamen die Jünger mit leeren Taschen in die Stadt; denn Privatunterricht bot ihnen hin» länglich Mittel zur Deckung der damals geringen Bedürfnisse. Zn der Schule wurde der Candidat vor Astem zum tüchtige» ReligionSlehrrr qualifizirt. Herr Dr. W. Wessely wußte nicht nur de, Geist für Iudenlhum im angehenden Schulmanne zu beleben, ja za entslammcn. sonder» trachtete auch, so weit e« sein Beruf zuließ. demselben das Feld der hebräischen Literatur zu erschließen. Der bestanden, Lehrkurs für hebräische Sprache zeigte dem Jünger, wie er auf diese» Felde sich bewege und sich eine Fertigkeit verschaffe. Die Bildner, tüchtige Männer, waren von warmem Sinne für'« Iudenthum durch» drungen. Vierzig bis fünfzig zu.Lehrern vorgebildetr Individuen m« ließen jährlich diese Anstalt. Und sie müssen nicht wenig gelernt habt», denn die meisten Schulen de- Kaiserstaate«, die sich eine« sehr gute» Rufe« erfreuen, find mit Lehrern, die au« jener Schule hervorgingt», besetzt. Wie sieh« ,« jetzt aut? DieCultuSgcmeinde zu Prag hat sich diese« Institute« »ntäoßert. Die zweijährige Dauer de- Lehrkurse« macht e« so viele, (der Demi!» teile wird wohl nicht Lehrer) unmöglich, denselben zu srequeutirea. Di, vielen ErziehullgSanstalteo, Product» der Jetztzeit, entziehen dem Lehr« amtSkaudidatea aste Mittel zur Selbsterhaltuog. Daher ist ,« natürlich, daß zu Ende de« vorigen Schnljahre« i, ganz Böhmen blo« zwölf israelitsche Lehrer den Kur« vollendet habe». Wie sieht ,« in den BildungSanstaltea selbst au«? j Die Lehrer katholischer Religion sind, wir e« auch sei, soll. al< i Vorbild katholischer Lehrer, voa echt katholischem Geiste belebt. Wa« I soll au« dem israelitischen Jünglinge, der in einem Alter steht, wo S»«! schauungsweisr und Eharakter eine gewiss, Richtung aonehme,, dort I werde»?

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