Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1863-01-28 · 5 (28.1.1863) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
5 (28.1.1863)
Date
1863-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2542917-2542918-2542924--2961-2546795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

81 82 stimmig eint Dankadresse an den Redactrur de« ,Den Chananjage» richtet, um demselben ihre Anerkennung für seine neueste Ehrenrettung der ungarischen Znden auszudrückeu. Die Adresse hat den auch in der gelehrten Welt rühmlich bekannten Herrn Josef Lövy zum Verfasser. Unsere Gemeinde, die niemal« aufgehört hat, da« Streben und Wirken ihre« einstmaligen Rabbiner« mit der lebhastrsten Sympathie zu be» gleiten, sagt in der Adresse: ״Wir nehmen nn« da« Vorrecht, auf die Aufkläenng. die au- Ihrer Feder geflossen, stolz zu sein, da wir Sie eine Reihe von Jahren al« Meister und Führer verehrten, und in süßer Erinnerung noch immer hochachten." Die Administration nnserer Gemeinde ist nach dem Vorbilde der Defler einigen Reformen unter» zogen worden. AnS dem Schnrofeher Gvmitate. Al« den Juden der Wohnsitz in der Freistadt EperieS nicht gestattet war. machten sie sich theil« in dem nahen Kelleme« ansässig, theil« bauten sie sich recht« und links der nach EperieS führenden Straße Häuser, welche man später mit dem Namen SebeS-KellemeS bezeichnete. Im Jahre 1825 waren noch diese Eolonisten von solch geringer Anzahl, daß sie nicht einmal ihr selbstständiges Minjan hatten, und nur mit Zuziehung der in den nmliegenden Dörfern zerstreuten Glaubensgenossen konnten sie an den Sadbath- und Feiertagen in einem Privathause den Gottesdienst verrichte». Aber so gering auch die Anzahl der dort wohnenden Jude» war, fehlte es doch nicht an Parteiungen. R., in Lessen Hause der Gottesdienst abgehalten wurde, war einigen nicht orthodor genug, und dieser Umstand veranlaßte diese. ein besonderes Minjam im Hause W'S zn veranstalten. Man denke durchaus nicht. Laß R. etwa einen geregelten Gottesdienst eingesühr«, oder gar die Pijutim verbannt wissen wollte, denn daran wird noch jetzt in SebeS nicht gedacht. Gleichwohl standen sich beide Lager schroff gegenüber, ohne einen Angriff zn ma« chen; aber als die Hohen Feiertage herannahteu. griffen sie zu den Waffen. Eine Partei wollte der andern das Recht des MinjamS streitig machen, und beide Führer wendeten sich deshalb an den damaligen Vizegespan Pöcsi; anein da dieser der Grundherr beider war. wollte er weder dem einen noch dem andern Unrecht geben, und erlheilte ihnen nur den Rath, sich zu einigen und gemeinschaftlich eine Synagoge zu bauen. Die Gemeinde nahm au Mitgliedern immer zu, und eS gelang ihnen sowohl, den Bau des Tempels im Jahre 1828 zu vollenden, al« auch einen Rabbi, MoseS Fränkel, anzustellen. Tempel und Rabbi be« wirkten nun einen Scheinsrieden, aber in der Tbat wucherte der Partei» haß immer fort, besonders als ein neuer Koriphäe der Orthodorie in der Person eines T'S. die Schaubühne betrat. So mußte im Jahre 1845 eine von der progressiven Partei errichtete Schule durch den Wi« verstand der Orthodoren schon nach zwei Jahren ihre« Bestehens zu Grunde gehen. Später wurde zwar ein Cheder unter dem Namen Schule errichtet, aber auch diese« mußte sich nach zwei Jahren auflösen. T. unternahm nun den Bau eine« prachtvollen Bet-Midrasch, daß in Un» garu kaum seine« Gleichen siudet; die Fortschrittspartei errichtete dagegen ein Casino. Dieser Umstand war nur geeignet, die Kluft zu erweitern. Die Parteien traten in ihrer wahren Farbe auf. Erst mit dem Tode T'S nahm der Streit ein Ende. Ein Iahe früher war auch der greise Rabbi gestorben. Alaber den Juden der Wohnsitz in Eperie« gestattet wurde, emigrirte die Fortschrittspartei nach und nach dahin, so daß Srbe« nun» mehr nur eine Partei bildet; da« Casino wurde natürlich aufgelöst. Fünsunddreißig Jahre besteht nun diese Gemeinde, ohne daß die mindeste Veränderung in ihren Einrichtungen wahrzunehmen ist; weder der hart angrenzende ChaffidiSmn«, noch da« gebildete fortgeschrittene Eperievermochten aus den Sebeser CultuS einzuwirken, welcher tapfer seinen Standpunkt behauptet, und sich berufen glaubt, zwischen Chaffi» diSmn« und Reform die Mitte zu batten. Bemerkenswerth ist e«, Laß nur wenige Orthodoren sich in Eperie« niederließen; wer sich daselbst niederläß». wird von der Orth», dorie al« Renegat betrachtet. Gegenwärtig zählt Sebe« nahe an 200 Familien. Die Gemeinde ist im Besitze eine« Leichen», Gevatter», Thalmud» Thora- und Ge» lebrtenvereine« (Schaßehevra). Der Rabbi, D. Deutsch, versuchte niemal« die Gründung einer Schule auziiregen. und der gegenwärtige Rabbi, L. Jolleist zu ohnmächtig, um eine Schule erhalten zu können. I» Jahre 1853 wurde zwar auf seine Anregung eine Schule errichtet, muhte aber schon nach einem halben Jahre einem Cheder Platz wachen. Gegen» wärtig wird im Aufträge der Regierung eine Schule constitnirt. S. Roseufeld, RabbinatSkandidat. — Oroßwardein, tm Jänner. Soeben erfahren wir au« verläßlichster Quelle, daß die Streitigkeiten der Gemeinde mit den Lrh. rrrn in SzeuleS von »er hohen Statthalterei dahin erledigt wurden: die weggejagtrn Lehrer sind wieder zu rehabilitiren, Auszahlung der rückständigen Gage vom Tage der Verjagung und Schadenersatz. Brief» liche Mittheilungen au- SzrnteS melden, daß der dortige Vorstand Rekurs an die Hofkanzlei ergriffen. [| Arad, 20. Jänner. Wie wir hören, hat die alte Gemeinde in Großwardcin beschlossen, die Mädchenschule aufzulösen, und die seit 1859 bestehende Knabenschule, die zu den besten llnternngarn« zählt, auf eine zweiklassige zn reduzier», an der nur ein Lehrer und ein Melamed angestellt sein soll. Begierig sind wir, zu erfahren, wa« in diesem Falle mit dem Museum der dortigen Schule geschieht, welche« durch die um» sichtige nud aufopfernde Thätigkeil dedirigirenden Oberlehrer« Philipp Krau« z» Stande kam. Au» eigener Auschauung wissen wir, daß die dortige Schule eine Bibliothek von mehr al- 1200 Bänden an« allen Fächern der Wissenschaft, eine wohlgeordnete Mineraliensamm» Inng, über 300 Nummern, ein bedeutendes Herbarium, die Flora Bi» har«, reiche Conchilien-, Käfer» und nnmismatische Sammlungen besitzt. In letzterer, über 400 Stücke, fiel uns in der Abtheiluug ״Denkmünzeneine solche aus LaS Erscheinen von Mendelssohn«, Phädou auf. Dieselbe ist vom feinsten Silber, etwa« größer, al« ein Zweithalerstück, trägt an der Vorderseite da« wchlgetroffene Bild Mendelsohnmit der Rund» schrift ״Mose« Mendelssohn- und unten an der Düste in kleiner Schrift 3״. Abraham- (wahrscheinlich der Graveur); an der Rückseite einen Todtenkopf. dem ein Schmetterling entsteigt, mit der Aufschrift: ״PHLdon-; unterhalb de« Todtenkopse« die Angabe ״Natua MDG'CXXIX ** Die plötzliche Pensioniruug und Entlassung unserer Lehrer, sowie die Einsetzung anderer, hatte eine Untersuchung von Seite der hohen Stallhalterei zur Folge gehabt, und ist mau hier allgemein auf den Ausspruch der hohen LandeSstelle sehr gespannt. Wir wollen unser Urtheil bi« dahin zurückhalten; die eine Bemerkung können wir jedoch nicht unterdrücken, die Herren Lehrer mögen in ihrem eigenen wohlver« standene Interesse nicht so ins Blaue hinein konkurrireu, sondern fich erst erkundigen, auf welche Art und durch welche Mittel die früheren Lehrer ihre Posten verloren; denn hodie mihi, craa tibi. C. AaS Dühineu. Der in der I. Nummer d. Bl. unter der Aufschrift Die CultuSreform und ihre Gegner in Prag erschienene Artikel hat durch seine Auffassung und seinen Freiwuth euthalteuden In« halt Sensation erregt. Sie erlauben vem Wohlunterrichteten jenen Be» richt einigermaßen zu kommenriren. Weit entfernt, da« Vorgehen de« Prager Nabbinate« entschuldigen zu wollen, muß e» nichtsdestoweniger al« Consegnenz der von den Vertretern drr israelitischen Cultu-gemein» den Böhmen« am 22. November vorigen Jahre« gefaßten Beschlüsse angesehen weiden. Da« Nabbiuat hat eben mit Beziehung auf die §§. 55—74 der EulluSordnunz durch sein Vorgehen den Satz : ״Lea extremes 8e touchent“ praktisch in Szene zu setzen beabsichtigt. Ob

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.