Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 4 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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65 66 Onuallnng erschöpft, nach einer Prlvatlekrion Haschen müssen, wie ein Gefangener nach frischer Luft, um nur nicht unterzugehen? — Warum soll ein Stand, gebildet nud aufgeklärt, der Wissenschaft huldigend, im Dienste der Menschheit mit Treue und Ausdauer faktisch arbeitend, von den schönsten nnd edelsten Gefühlen erfüllt, Ehre und Charakter prei«» geben müssen durch Inanspruchnahme eine» erkünstelten Kredit«? Wenn Pest einem Lehrer ein jährliche« Fixum von 700 fl. gibt, ist'« rin Wunder, wenn Landgemeinden Lehrerstellen mit fl. 300—400 auSschreibrn? Wie kann unter solchen Umständen unser Schulwesen zur Dlüthe gebracht werden? Pest darf da« Opfer von einigen hundert Gulden im Interesse de« gesammten ungarischen Schulwesen« nicht scheuen. Das Beispiel wird auf die Landgemeiuden rapid wirken. Nnd reichen die Einkünfte einer Gemeinde nicht a»S, dem Lehrer eia seine Bedürfnisse deckende« Honorar zu firircn. so soll sie ihm Ressourcen erschließen. Die Korrepetition soll für die bemittelteren Zöglinge einer jeden Claffe obligat sein. Zeugnißgelder, sowie eine Einschreibgebühr von 10—15 Nkr. per Schüler sollen dem Lehrer znsticßcu. Diese Emolumente genießen auch unsere »ichtisraelitischen Collegen. obgleich sie für weit wenigere ttnterrichtsstiiiiven einen weit größeren Gehalt nebst einem Quartiernnd Holzpauschale beziehen. Leider gibt es heutzutage Leute, die, verstimmt über ihre Ver« gangenhrit. zerfallen mit der Gegenwart, ohne Hoffnung für die Zukuuft, jede« redliche Slrebr». jede« aufrichtige Wort verdächtigen. Aus Ausdrücke aber, wie: ״egoistisch", ״Licoro pro domo", u. a. m. habe ich nur geringes Gewicht zu legcu. da ich weniger für mich, al« für viele wackere Kämpen meine« Stande«, und im Interesse der gesammten israelitischen Elciiieiirarlchuljugcnd meine« Balerlaude« spreche. Ich habe nur noch zu bemerke», daß mir diese Zeilen von keinerlei Eon- oder Inspiration in die Feder diktirt worden; ferner gestehe ich, daß ich als Lehrer abhängig bin. d. h. ivtra muros nur da« lehren darf, wa« mir von mciuem Borgesetzten vorgeschriebrn wird: extrs muros aber werde ich meine Freiheit in Schrift und Wort zur Förderung der geistigen Wohlfahrt meiner ungarlschen GlaiibenSgeiioffeu bis zu meinem letzten Alhemzuge zn wahren bcstlffen sein. L. M. Bauer. R. SikloS, im Jänner. Folgende wohlthäiige Spenden verdienen wohl ausgezeichnet zu werden. Die Frau Charlotte Wertheimer, ged. Schwarz, spendete für unsere Synagoge einen herrlichen, goldgestickten Vorhang für die heil. Lade, im Werthe von 250 Gulden ö. W.. ihr Gemahl, Herr Jakob Wertheimer, eine silberne Büchse zum Behuse der Hawdala. — Oedenburg, 20. Jäuner. Die Nachricht von der Berusuug Geiger« nach Frankfurt am Main ist au« letzterer Stadt hieher tclegraphirt worden, damit Dr. Hildesheimer sogleich Kenntniß davon erhalte, und nicht fortfahre, den Sieg Hirsch'« in Frankfurt als nahe bevorstehend zu verkünden. Mit der projektirten Rabbinrrversammlung Witt rS nicht vorwärts gehe». H. Hildesheimer hat erfahren, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen eia laudeSsürstlicher Eommiffär der!, beiwohnen müsse: er fürchtet daher, wie er sich selbst äußert, die Versammlung werde sich durch die Doträge mancher ihrer Mitglieder lächerlich machen. Wie ich höre, macht auch da« von Dr. Hildesheimer neu errichtet» Kundschaftsamt für orthodore Lehrlinge und Geselle» keine brillanten Geschäfte . Dr. Hildesheimer geht jetzt mit dem Plaue um. ein neue« KundschasSamt für orthodore Verschwägerungen zu errichten. Orbodorr Elter» werden aufgefordcrt werden, sich au diese« Amt zu wende». Junge Männer, die empfohlen sein wollen, müssen auSweisea. daß sie aus deu Mainzer Jrsaeliteu präuuwerirt sind. Jung» frauen müssen sich dir Gunst de« KnndschaftSamte« durch Kenntniß de« Miucha Tehora erwerben. Dir Vorrede mit ihren »idealisirteu Idealenmüssen die künftigen Dräute gründlich riofludirt habe». Herr Dr. H. strengt sich an, seinen Wirkung-krri« zn erweitern; man muß r« ih« uachrühmeu, daß er, wiewol er zu wiederholte» Malen Fiasko gem, cht, nicht müde wird, neue Versuche z» wage». Literarische Ä11)eigea. Der Knabeurau b zu Karpentra«. Drama i, 4 Aufzögen von Leopold Stein. Berlin, Heymann. 1803. 8. 91. brspro» chen v. B. Wald. Rabb. Caodidat. (Schluß.) Am schönsten aber bekundet Haiina ihre Celbstverläozoung; sie Witt ihre» Sohn vor seiner Hinrichtung zum letzten Mahle sehen; sie rüstet sich zum schweren Gang; ihr Mann MoffL wird klrinmüthig; sie, da« schwache Weib, ermuthigt ihn. den sonst so starken Mann, sie ermahnt ihn, tröstend mit dem baldigen Wiedersehn im glücklichen Jen» seil-, indem sie sagt: ״Wenn rüst'gc Jugend sterben sieht da» Alter, So muß sie lange barr'n de» Wiedersehn«, Wenn müdes Alter sterben sicht die Jugend, So dauert Trennung nur so kurze Zeit! — Im Schiff bc« Glaubens ziehen unsere Kinder hinweg aus diesem Land der Sklaverei; In S Land der Freiheit schweben sie hinüber. — Wir steh» am Ufer — grüßen — segnen — weinen — Da« Schiff kehrt wieder — »ud wir folgen nach! -- Nach Hanna nehmen Josef und Mara unsere meiste Ausmerksamkeit in Anspruch. Der »och als Knabe von seiner Milchschwester getrennte Joses sicht sic als erblühte Jungfrau; ihr schlichte- Wesen, ihre Hobe Tugend, ihre natürlichen Reize sind wohl geeignete Ringe, um eine goldene Kette zu schlingen, .und einen seinfühlenden Jüngling, wie Joses, zu fesseln. und nun sollen beide kiucS martervolleo Tode« sterben; jetzt sott er sic um seinetwillen leiden sehen. Im herben Schmerze klagt er sogar Len Himmel an: »Und soll ich sterben — ach. warum auch sie. Dein gute«, liebes, fleckenlose» Kind? — Doch bald ermannt sich der fromme Jüngling; er bereitet sich mit Ergebung zum letzten Gange vor, und freut sich ob seiner Derernigüng mit Mara: ״Komm, Liebe! strahle in die Finsterniß. Und mach des ewige» Leben« ua« gewiß! Steig tiefer Quell, von mächt'ger Hand berührt. Der kommt au« Eden, uad zu Eden führt; Der Druck von oben, allgewaltigtich. Laß' bizu Gottes Höhen strahlen Dich; Befrei die Herzen, selig im Verein. Gefühl, zu lieben und geliebt zu sein! — Komm große Stunde, hril'ge Lebenswrade, Des Himmel- Anfang und der Erde Ende!- — Mara wird zu ihm geführt; da« dankbare Mädchen gedenk, de« Guten, da« sie iu Moffü's Haus« genossen und spricht: »Doch was mir ward, ward mir au- Liebe; und Was i ch gethaa mit meiner schwachen Kraft. Ich that es nicht au« Dank, ich that'« an« Liebe - Nicht ab und zu schreibt Liebe, wa« sie gibt — Sie zahlet nicht — sie rechnet nicht — Ke liebt!- —