Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 4 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542923--2953-2546785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Josef unb Mara gestehen «inantrr ihr» Liebe; entzückt rust Josef au«: ״— ich sterbe gern! — Wir kowmru. Seel ia Srrlr. Hrrz tu Herz — Komm, Fruerwagen, »rag uo« himelwärt«!' — Dom Inquisitor ist «ur wenig zu sprechen, er vollzieht di» Be» fehle seine« Herr» und ist grausam. Moffä ist rio aller ehrwürdiger 2״d,. der sich die Siwpathieo selbst seiner christlichen Mitbürger er. worben hatte; am Ende verzeiht er seinen Feinden. Der Pater. Haupt, wann und Bürger endlich stören den harmonischen Acecrd de« schönen Ganzen durch keinen schrillen Ton. Der Verfasser hat somit seine Aufgabe vortrefflich gelöst; wir nnsererseit« empfehlen diese schöne GeifleSfruch t einem jeden Freunde der dramatischen Literatur, und glauben uu« zur Hoffnung berechtig«, daß dem genannten Werke in jeder jüdischen Bibliothek der ihm gebührend» Ehrenplatz riugeräumt werden wird. Lin -Kries an Nabbiner Dr. Abr. Geiger in Sresiau. Hochwürdiger Herr! Wenn Anschauungen und Teiidenzen, dir eine Zeit lang en vogus waren, im Verlaufe der stet« fortschreitenden Zeit schal geworden, dann geschieht eS nicht selten, daß ihre Kcriphäen, um sich wenigsten« auf Augenblicke wieder in ihrem ehemaligen Glanze zu spiegeln, marktschreierisch ankündigrn lassen, sie würden nächsten«, wie Gott, über die sündige Welt zu Gericht sitzen, um die Verirrten wieder in« rechte Geleise zu bringen; und e« finden sich dann noch immer einige Anhänger, quelques vieux <le la veiüe au« ihrer alten Garde, die ihnen auf'« Wort glauben und die frohe Botschaft weiter eolportiren. So schrieb ein Mitarbeiter Ihrer Zeitschrift. Rabbiner Wechsler au« Oldenburg im Juli vorigen Johrc«. kurz nachdem meine Schrift ״Rom und Jerusalcm" im Buchhandel erschienen war. an Rabbiner Hirsch in Lnrembürg: ״Geiger will nächsten« dem tollen Spuck zu Leibe gehen und ihn beleuchten." Meine Erwartungen waren nicht übermäßig groß; uud da di» nngekündigte Geisterbeschwörnng nicht erfolgte, so hatte ich die drohende ״Faust in der Tasche", die mir gezeigt wurde, längst schon vergessen, als mir vor einigen Tagen da« jüngste Heft Ihrer Zeitschrift mit der Bemerkung zugeschickt wurde, ich sei von Ihnen rücklings angesallen worden. Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt, dachte ich, und durchflog die wir bezeichnete Abhandlung: ״Alte Romantik, nene Reaktion." Ich hegte, wie gesagt, kein« große» Erwartungen. Aberda« hatte ich dennoch nicht vermuihet, daß ihr» ganze Polemik nur in ei» nigen Schmähungen bestehen würde. Ich war überrascht, ich gestehe e«. Am meisten überraschte mich Ihre Bemerkung, daß die Schrift, die Sie nicht zu bekämpfen, dir sie nur im Davonlaufen za besudeln wagen, den alljüdischen CultuS mit einer Idee befruchte, vor welcher sich die Vertreter derselbeu ״fein vorsichtig" zurückzirhea. Die Orlhodorie. auch die kritikseindliche, hat alle die Punkte,welche zwischen ihr und mir Scheidepunkte sind, frei, offen und ehrlich bekämpft; 1» llebrigeu hat flr weine Vestrebuogeo ebenso fteimüthig anrrkannt- — Sie hochwürdiger Herr, habe« nicht einmal de» Muth, die Punkte avzudeuten, dir Ihnen in meiner Schrift anstößig erscheinen. Wa« Sie über Rsmantik und Reactioa sagen, ist ja lediglich eine Umschreibung dessen, wa« ich selbst gesagt habe. Nur waren Sie dabei so schlau — di, List ist die Stärke der Schwachen — eiuerseil« zu verschweigen, daß Sie die Anregung und Anleitung zu Ihrer Abhandlung einem ״baukerott gewordenen Schwindler" verdanken — wa« ich Ihnen^vekIrtchr- — andererseits unter den syoonimen Brzeichnuogeu ״Orlhodorie, Eonservatismu«, Reaktion" zwei wesentlich verschiedene Arten von Anhäu» gern de« alljüdischen Cultu«, die historisch-kritischen und dir kritikfeindlichen, ia eine Art zusammenzuschmelzen — »ine unverzeihliche Grwiffeuloflzkeit, womit Sir nur Ignoranten hiotergehen können. Wahrlich, wenn irgend ein ״Schwindel bankerott geworden", so ist e« der Resormschwindel, der nicht mehr den Muth ha», dem Gegner frei in« Gesicht zu schauen — und wenn irgend ,in jüdischer Gelehrte sich ״fein vorsichtig" vor jedem starken Lustzuge zurückzieht, so ist e« eben wieder einzig und allein jener geistliche Rrsormdvetor, der nicht nur da« Kleid, sondern auch die Haut eine« Pfaffen hat. Die vorsichtige Methode, durch allgemeine Abhandlungra und jnjlrtutt Bemerkungen einer Polemik auSzuweichen, haben Sie übrigen« nicht selbst erfunden, sondern Ihrem würdigen Eollegen Philippsou abgelauscht. Gleich diesem vorsichtige» Helden würden auch Sie. wenn ich Sie zur Rede stellen wollte, mich mit der ״Erklärung" abfindeu, keine bestimmte Schrift, keine bestimmte Persönlichkeit im Auge gehabt, auch ja Niemand genannt zu haben. als Sie von einem ״außerhalb Stehendeu" sprachen, ״der an Sozialismus und allerhand anderem Schwindel bankerott geworden, in Nationalität machen will." Doch ich erlasse Ihnen diese Demüthigung — nicht etwa blo« deshalb, weil r« mich anekelt, allen Denen einzeln nach einander entgcgenzutreten, welchen »ur noch unartikulirte Jnvcktiven und Jnfinna. uoncn zu Gebote stehen, die Einer dem Andern abschreidl, sondern au« rein humanen Rücksichten. — Die romaiirische Grimasse, mit welcher Sie sich 1848 vom Kampfschauplatze znrückzogen, als Sie merkten, daß die idealen Güter, bitj mit ״ernstester Geistesarbeit" errungeu worden sind, reales Gemeingut werden sollten. — Dir Art und Weise, wir Sie in Ihrer neuesten Abhandlung Ihren bekannten schmählichen Abfall vom ״demokratischcu Schwindel" motiviren, — zeigt nur die klafsende Wunde, die Ihrer Eitelkeit geschlagen worden, seitdem dir Welt sich für andere Reformen, als kirchliche, zu intereffiren ansängt und ihr pontiflkale« Schaugeprängr nicht mehr beachte». — Armer Manu! — Der ״tiefe Schmerz", der seit dieser Zeit Ihre Brust durchwühl«, dauert mich' wirklich, und glauben Sie e«. mir, daß ich mit einem aufrichligen Gefühlt de- MiileidS ohne allen Groll von Ihnen Abschied Köln, im Januar 1883. «- Heß. Verfasser von ״Rom uud Jerusalem. *) *) Unser Urtheil über d. W. s. vor. Jhrg. L. 225. 240, 250, 259. Vorliegendem Briefe glaubten wir um so weuigrr die Ausnahme verweigern zu dürfen, al« io Deulschland kaum ein jüdische« Blatt so unpartheiisch ist. dem Herrn Eiusender s. Spalten z« öffnen. Red. Qzegedin, Leipzig, 2rlb5orrla, der «rbaltllon. Btaalfficai-tnlag 00■ Jran} Oagatt. Druck von Sigmund Burger in Ezegrdin.