Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 4 (21.1.1863)
- Date
- 1863-01-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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63 64 üo rrespon-en). Ausland. X. Frankjurt am Main, 12. Jänner. Die Rabbinerwahl ist nun zur größten Zufriedenheit alter Gemeiudemitglieder beendigt und die einzige hier mögliche EapacitLt, auf die wir in unserem jung« fjtn Bericht (£T2r. 50 v. 3 ) hingewiesen baden, unser Mitbürger Dr. Geiger, wird einstimmig hieher berufen. Derselbe hat jedoch seine An« nähme nur unter der Bedingung zugesagt, wenn eine Rehabilitation Stein'« nicht möglich sein sostte. Um jedoch zu ermöglichen, hat Geiger Stein von seiner Berufung nnd eventuellen An nähme in Kenntniß gesetzt und ihm angeboten. seine Wiederaufnahme zu vermitteln, so er seine AbhorreSzenz gegen die Instruktionen überwinde, gegen die er (Geiger) doch selbst nichts einwende. Das Resultat dieses Briefe«, dessen Abschrift Geiger dem Gcmcindevorstande zusendete. ist un« noch nicht bekannt. Jedenfalls hat ©. durch die gezeigte Bereitwilligkeit, das h. Rabbinat anzunehmen, dir Ehre der hicstgen Gemeinde nnd ihrer Bertreter gegen dir tendenziöse Verunglimpfung Philippson« mit dem Schweife der Main- und Mosel-Correspondenten gerettet, und hat durch iei» charaktervolles edles Benehmen gegen Stein, seinem eventuellen Amtsantritt eine allseitig freudige Zustimmung bereitet. Wir müssen schließlich noch eine unrichtige Angabe des Ll-Correspondenten in Nr. 1 dieser Blätter berichtigen. Der Corrcspo,ident, der bei seinem kurzen Aufenthalt am hiessgen Platz die Gcmeindevrrbältniffe nnr vom Hörensagen kannte, nahm einen Witz seines BerichterstattcrS für Wahrheit an. und schrieb, daß die Rede schon davon gewesen wäre. — korridilo ckiotu — Hirsch als Rabbiner der Gemeinde aiizustcllenü Wahr ist nur so viel, daß einige einflußreiche Mitglieder des Wahllomite die reformistischen Bestrebungen Steins nicht in einer vermehrten zweiten Auflage reproducirt haben wollen, nnd daher gern bei der Wühl etwa« rechts schwenken wollten, rwar aber leicht, ihnen diese Besürchtung zn nehmen. Inland. Pest, 15. Jänner. TS liegt rn der Natur der Dinge, daß sich die Provinz iu Allem und Jedem nach der Hauptstadt richtet. Ich Lenke, wich der Mühe entheben zu dürfen, historisch nachzuweisen, wie Sitten- Verbesserung und Sittcnverderbniß zu allen Zeiten und in allen Staalen von der Hauptstadt auf den Landbewohner gleichmäßig übergangen sind. Ist e« bei den Völkern, die auf der Höhe der Eivillsation stehen, noch nöthig, daß di, Hauptstadt den Impuls zur Hebung der sozialen Zustände unter den Bewohnern der Provinz gebe, um wieviel mehr bei un« . wo die Begriffe von Bildung nnd Civilisation noch nicht sehr klar find. Jeder auf der Höhe der Zeit stehende Rabbiner und jüdische Lehrer in Ungarn weiß e«, wie r« mit unserem Schulwesen bestellt ist, von welchem Widerwillen di, meisten unserer Landgemeinden gegenda« Heiligthum aller zivilifirten Völker: die Schule, erfüllt sind. Ich könnt, mir durchaus nicht den Vorwurf der Kühnheit machen, wenn ich behauptete, stünde heute den Landgemeinden die Wahl frei: ob Schule oder Ehedrr? sic gewiß da« Cheder wählen würden.... Eine Schule, durch den Arm de» weltlichen Ersetze« errichtet, kann uur als Strafanstalt betrachtet werden; soll sie eine wahre Pflanzstätte für die Jugend sein, so muß sie von der Säule der freien Entschließung getragen werden; sie muß audem Bewußtsein hrrvorgehrn, daß nur durch fle allein die moralische und intelektuelle Vervollkommnung de« Menschen aus Erden angebahut werden könne. Soll eine Idee, dir groß, Segnungen iu ihrem Schoße birgt, realisirt werden, so muß sie von einer Persönlichkeit von großem mora« lischem Ansehen, oder von einer durch Gesinnung nnd Eharakter her» vorrag,aden Körperschaft aoSgrhen: Der Gemeinde der kande-hauptstadt wir der schwere Beruf zn Theil, daß sie zur Verwirklichung der Idee: unter unseren ungarischen GlaubenSgenoffen regen, progressiv erstarkende» Sinn für ein den Eulturvrrhältniffeu der Zeit und den Ersorderuiffeo de« Daterlande« gleich entsprechende« Schulwesen die Initiative durch Beispiel ergreife. Und ihr Beispiel wird erfolgreich sein. Kaum hat fie einen Prachttempel erbau», der nach Jahrhunderten noch Zeugenschaft von ihrer Begeisterung für religiöse Veredlung geben wird, und mau sah, und sieht noch immer in verschiedenen Theilen de« Lande« neue zeitgemäß eingerichtete Synagogen erstehen. DaS Beispiel aber muß groß in seiner Art, in doppelter Weise gegeben werden: durch Erbauung eine« dem hohen Doppelberuse einer israelitisch-ungarischen Lehranstalt entsprechenden Schulhause« und durch Erhebung der daran wirkenden Lehrer iu einen achtunggebietenden Stand, in einen Stand, der fie vor dem Kampfe mit Nah« rnng«sorgen schütze. Auf die Durchführung dr« Plane«, in Pest ein zweckmäßig,« Schulgebäude aufzuführen. ist mehr als Hoffnung vorhanden, wie dir« au« folgendem Passus de« am 6. Jänner l. I. von dem auch al« Mann der Wissenschaft in großem Ansehen stehenden Präses der Pester CultuSgemeind, erstatteten GeueralberichteS, — eines Aktenstückes, da« an Form und Reichhaltigkeit gleich ausgezeichnet ist — hervorgeht. ״Wir können die Schilderung de« Zustande« unserer Schulen nicht ohne die schmerzliche Bemerkung beginnen, daß der iu unserem vorigen Berichte au«- gesprochene Wunsch bezüglich eines anständigen Schnlhanse« leider rin frommer geblieben ist, da die sich vermebrenden dringlichen Ausgaben nicht erlaubten, die Inangriffnahme eine« so kostspieligen Baue« iu Vorschlag zu bringen, überdies der gedrückte Zustand der kaufmännischen Welt einen Apell an dieselbe für jetzt nicht geralhrn scheinen ließ. C« wurden somit nur Pläne ausgcarbeitet, und die Frage so weit studirt. daß der erste günstig, Moment uns bereit finde», Hand an« Werk zu lege». Möge derselbe uns je eher erscheinen." Es unterliegt demnach keinem Zweifel. daß sobald eu» günstiger Wendepunkt für die Geschäftswelt eintritt, dem Wunsche bezüglich eine« anständigen SchulhausrS die That folgen wird. Daß der Gcneralbericht das Schulwesen zu den ״hervorragendsten Erscheinungen auf dem Gebiete de« GemeiudelebenS" zählt, ja sogar gleich nach de» ״gotteSdienstlichcn Anstalten" mit der Schule sich beschäsiigt, beweist auch klar genug. daß der Vorstand dir Wichtigkeit des Schulwesenzn würdigen versteht. Und in dieser Beziehung ist die diesige CulluSgemeinde wirklich mustergiltig, obgleich der 7. Absatz des Generalberichte« diese« Epitheton bescheiden ablehut. Die Erhebung der Lehrer iu einen achtunggebieteudeu Stand, iu einen Stand, der fie vor dem Kampfe mit NahrungSsorgen schütze, ist die zwr ite unerläßliche Bedingung, die mit der ersten so zusammen hängt, wie die Seele mit dem Leide. Während jedem Stande die Möglichkeit geboten ist, durch Fleiß und Sparsamkeit etwa« zu erwerben, wird dem Lehrer rin monatliche« Einkommtu firirt, dakaum für 15 Tage auSreicht. Der uiedrigstgestellte Gemeiudebeamre ist besser daran, alder Lehrer. Den Kaufmann ernährt seine Bude, den HaudwerkSmann seine Wrrkstättr; warum soll die Schule, der Wirkuug«krei« dr« Lrörer«, diesen nicht erhalten? Der israelitische Lehrer insbesondere hat einen doppelten Berns: er muß am Tage in der Classe wirken, in der Nacht der Wissenschaft obliegen. Ist e« billig, ist e« gerecht, einen solchen Menschen dem härteste» Kampfe mit dem Leben auszusetzea? Warum soll rin öffentlicher Lehrer, nachdem er 6—7 Stunden lang iu einer Elaffe von 80—90 Schülern Geist u»d Körper bi« zur