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Ben Chananja · 1863-01-14 · 3 (14.1.1863) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
3 (14.1.1863)
Date
1863-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4ö 46 trauen. Ich empfehle den Gegenstand unserm Gemeindeausschuß und nnserm hochverdienten Prüfe«. Stammte dieser gleich mir, an« der Szabolc«, würde meine Aufmunterung sicherlich überflüssig gewesen sein; hoffentlich wird dieselbe ihre Wirkung nicht verfehlen, und wird der Herr Prüft«, als ein horazischer vir propvsiti tenax eine seiner voll« kommen würdigen Aufgabe mit Umsicht zu lösen verstehen. 15 Pest, 8. Jänner. ״Der hat noch zu singen und zu sagen!" Diese« Sprüchwort wird in der jüdischen Volkssprache hüufiz angeweiidet, wenn von der Ueberwindung vieler Schwierigkeiten, von der Beseitigung bedeutender Hinderniffe. von der Lösung schwieriger! Aufgaben die Rede ist. Wer noch solche Schwierigkeiten, Hinderniffe. Ausgaben zu überwinden, zu beseitigen, zu lösen hat, der hat viel zu fingen und zu sagen! Zu sagen »ud zu singen hat nun auch unsere Gemeinde recht viel, und zwar niacht uns da« Singen und Sagen im buchstäblichen Sinne nicht wenige Sorgen. Merkwürdiger Weise haben unsere beide» Gctteshüuser die zwei Bestandiheile de« Sprüchwerte« redlich unter sich getheilt: von dem ersten Theile hat die Svna» zöge, vo» dem zweiten der Tempel Besitz genouimen. Die Besucher der Synagoge sind nämlich seit einiger Zeit gesanglustig geworden; sie wünschen, daß ihrer Synagoge ein Ghazan ansgenouimen werde, der ein würdiger Nachsolger David StreliSker'S sei. Die Genesis diese« Wunsche« ist sclgende: Untere Gemeindesynagoge ist eigentlich kompa« rativ orthodor, ihren Positiv bildet der Tempel, ihren Superlativ die polnische Synagoge. Nu» bat der Superlativ eine» polnische» Lhazau angesiellt, der am vergangenen Neujahrsseste seine Zuhörer bi« drei llhr Nachmittag« zu fesseln verstand. Der Komparativ fürchtet also diese lsoiicurrenz, und will daher ebenfalls einen Gkazan angestellt wissen. Bei der letzten Generalversammlung rief Liese Angelegenheit einen surchlbaren Sturm hervor, indem sich ein Repräsentant einige scharfe Ausdrücke erlaubte. So viel vom ״Singen." Da« ״Sagen" betrifft den Tempel, in welche», zufolge eine« früheren Beschlüsse« ein ungarischer Prediger angestellt werben soll. Auch darüber gab e« eine sturmvolle Debatte. Nicht, daß sich Stimmen gegen den Beschluß erhoben hätten, da« nicht. Jedermann weiß, daß La« ungarische ISIcinrnl in diesem Augenblicke stärker ist i» unserer Gemeinde, als e« vor "5 Jahren in der evangelischen Gemeinde war, als diese in Szekae«, den gegenwärtigen Superintendent.», den ersten ungarischen Prediger ansiellie, welcher An« strllung die Gonstitiiiruiig einer ungarischen evangelischen Gemeinde voranging, wa« bei uns vermieden werde» soll. Die Debatte betraf mir die Dotlrung de« künftigen ungarischen Prediger«, welcher zugleich dritter RabbinatS-Asseffor sein soll. Die einsichtsvolle» Männer, welche unsere Gemenideangelegenheiten leiten, werden die Bedürfnisse der Ge» meinte weise und »msichtiz zu befriedigen verstehen. Bi« diesegesche« hen ist, habe» sie wirklich ״zu singen und zu sagen!" P. Pest, 12. Jänner. Die von der Generalversammlung be» schlcffene definitive Ausnahme nnsere« Oberkantor« Fried mann wird vo» der ganzen Geiueiude gebilligt. Herr F. entzückt die Gemeinde durch seinen schönen künstlerische» Gesang, und manche zeitgemäße kulr tnelle Ginrichtuiiz ist auf seine Anregung in'« Leben getreten, z. B. die Solennität bei:» Anzünden der Ehanukkalichter. die Regelung de« Tot» teSdienste« beim SabbatauSgange und an Wochentagen, ein zweckmäßige« Programm für die Mitwirkung der Orgel. Sein Werk sind auch die Melodieen zu Len ungarischen Liedern, welche iu mehreren Synagogen benützt werden. Die dem Herrn F. zu Theil gewordene Anerkennung wird ihn sicherlich anspornen, seinem heiligen Berufe auch fortan mit ungeschwächtem Giser obzuliegen. J. S. Lemberg, 6. Jänner. Au« dem Schutte de« einge« stürzten Gebäude« ist noch ein jüdische« Mädchen gerettet worden, welche« ebenfalls unser edler Statihalier in seine» Schutz genommen hat. H. Pest, 12. Jänner 0« durfte vielt Ihrer Leser intereffier» zu erfahren, daß die Antiqnarienbnchhandluug de« Herrn Sigmund Drill (Königsgasse Nr. S) in vollem Gange ist. und daß au« derselben die seltensten hebräischen Werke um billigen Prei« bezogen werden können. Herr Br. wird nächsten« einen Katalog der von ihm zu bezie» henbeu seltenen Werk.- veröffentlichen. Erofi-Kanizsa, 28. Dezember. Zn meinem tiefsten Leid» wesen und Besremte» machte ich hier die Erfahrung, daß die hiesigen Juten noch immer vom bürgerliche» Eafluo auSgeschloffeu sind. Ich, der ich mich mit Stolz einen Araber nennen darf, kann diese Intoleranz nicht begreifen. Die hiesigen Bürger sollten ein Mitglied ihre« Kasino nach Arav erimitiire», um Toleranz und wahre Brüderlichkeit zu lernen. Wie ich höre, hat da« hier erscheineude ungarische Blatt, welcheallen Juden, die ungarisch lesen, empfohlen zu werben verbient, die Uaduld» samkeit de« hiesigen bürgerlichen Gasiuo nachdrücklich gerügt; die Rüge ist aber leider bi« zu diesem Augeublicke erfolglos geblieben. ® Pest, Gute Dezember. Der ungarisch jüdische Verein arbeiet seit Kurzem mit erueuiem Giser. Die ungarische Bibelübersetzung soll nun ernstlich iu Angriff genommen werden. Wien. Dr. A. M Wie Sie in der ״Presse" gelesen haben dürsten, wurde vor kurzem im Archive de« Ministerium« de« Arußern und de« kaiserlichen Hause« bei Gelegenyeit der Gnrfernmig cinr« im 15. Jahrhunderte angeseetigten, nunmehr aber schadhaften Aktenfa«» eikeleilibaiideS ei» iiikeeessauler Fund gemacht. Bei Loslösung de« Leder« nämlich vom hölzernen Deckel fand ma:, zwei Pergamenlblättrr iu Groß« fcl'.o und 2 Pergaliieiiibläiier in Quart, welche rin größtentheil« recht gut eehalienes Mauuseeipt einiger Abschnitte de« Talmud*) enthalte» sollen. Bei der Gelegenheit mache ich Sie aus einen andern rbensall« recht iiiteeessaliiei, archäologischen Fund aufinrrksam, eine jüdische Ur» künde nämilch an« dem lä. Jahrhundeete, dir sich im letzten Hefte der ״Mittbrilungen de« historischen Beeeine« für Steiermark" in einer ebenso neuen als deullichen Lithographie als Beilage findet. Nur Jammer» schade, daß dieselbe eine so oberflächliche Behandlung erfahre»! Liest man nämlich die in dem He'te der hebräischen Transskription beigegcbene denlsche Uebcesetziiiig. so weiß man wabelich nicht, über wr» man sich mehr wiiiidrrii milß, ob über den lieber 1"fper oder den Mittheiler der Urkunde, dem dock׳ so ein eraffer Uusiun, wie ihn die Ueb.-rsetzung bietet, hätte auffalleu sollen. Nach der Uebersetzung dr« Herrn Urbersetzer« nämlich ist die Urkunde, ein sogenannter ״'Berufbrief“, ein wahre« RLlhstl. — Gin Herr X., wie wie ihn vor der Hand nrnnrn wollen, (keine«» wegaber Bilmee oder Willuier, wie der Name au« paläographischen Gründen uiiinöglich geles.» werde» kau»), der so manchen Gulden an Juden der Stadt Judenburg schulden mochte, bekommt, nachdem er für alle seine Gläubiger in der Synagoge zu Jildenburg hatte verkünden lassen, daß sie bei Verfall ihre« N.-chte« binnrn 30 Tagen ihre An» sprücke geltend machen sollten, nach Ablauf diese« Termine« von zwei Ausschüsieu der Judenburgee Judengemeiude eine Urkunde ausgestellt, welche da besagt. Herr X. habe vor mehr al« 30 Tagen jenen Auf» rus erlassen, und da ssch niemand gemeldet, so hätten sie ihn zum Au«» •) Auf ähnliche Weise entdeckte vor etwa 2 Jahren der gegen» wärtige Redakteur der hiesigen ״Katholischen Liteeaturzeitung" Dr. Theo« Lor Wiedemanu. dem die Revision und Katalogistenng der Bibliothek de« seiner Zeit aufgehobenen Karmeliterklosier« in der Leopoldstadt an« vertraut war. an einem Bucheinbände ein Pergamentblatt. da« ein Stück au« dem Thalmud enthält. Da« betreffende Blatt befindet sich gegenwärtig, wenn ich nicht irre, in der Hosbibliothek. die e» durch Kauf erworben haben soll.

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