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Ben Chananja · 1863-01-14 · 3 (14.1.1863) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
3 (14.1.1863)
Date
1863-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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47 48 weise, zur Rechtsertiguug und zum Zeuguiß für ihu selbst und seine Nachkommen jcue Urkunde ausgestellt. Dadurch wird auch HerrL. aller Schulden gegen Angebörige der 2»deobnrger Judeugemeinde entbunden. DaS der gesunde und klare Sinn der Urkunde. Was aber enthält sie »ach der Ueberietzung jene- Herrn, an den man sich wendete ״da es zuletzt an einer gediegenen Kraft mangelte, diese fremden und zugleich veralteten Züge zu lesen". wie der Herausgeber Professor Zahn bemerkt? Einen haarsträubenden Unstnn, abgcfaßt in einem Deutsch, das nichts weuigcr als schristgemäß ist. Sveo röar genug. daß auch Herrn Zahn die zweimal im Tert prangende kaudcrwälsche Phrase, ״welche von dieser Schrift sehen oder hören werden" von Seiten deS UeberfetzerS nicht wehr gethan. Rach diesem hat jener Herr £. die bcsagte Urkünde, obwol sie erst nach einem mehr als llvtägigen Termine ihm rin-׳ gehändigt wurde, doch schon vor diesem Termine in Händen gehabt, und zwar wohl gemerkt eben diese Urkunde und keine andere. Das muß ein Zauberer gewesen sein! Durch diese verzauberte Urkunde wird er seiner Schulden gegen Indcudurger Israeliten sü׳ entbunden erklärt und Loch läßt er nach unserem scharfsinnige» Ucbcrsetzer eben dieser Urkunde in der Synagoge bekannt machen, damit seine Gläubiger sich melden! DaS heißt doch der ganzen Zudenburgrr Zudengemeilide rin arges Armiithszeiigniß ihre« Geistes auSstcllen. wenn man ihr zumuthet. sie habe sich von einem Herrn X. so foppen lassen! Doch genug! — Uns war eS in dem gegenwärtigen Artikel nur darum zn thun, die Ehre u»d das Niisehc» der jüdischen Literal,ir, wenn auch nicht gerade zu mehren, so dock vor der Geringschätzn.ig oder gar Mißachtung von Seiten Unciilgeweihlcr zu wahren. Nicht nulhin kann ich auch mit allem Erliste die Mahnung auSzusprechen, falls die ebenso schöne, als kulturhistorische vielleicht wichtigste Literatur auch bei Christen ordentlich gehegt und gepflegt werden soll, daß sie vor allem von Zsraelitcu nicht mit jener GcringschLtznug behandelt werden darf, wie sic dieses Stück erfahren unk das noch von einem Manne, der berufe» ist, als Lehrer die hebräische Literatur nach Kräften zu pflegen, — ich meine den Herrn Ucbcrsetzer Professor Dr. Golde,ithal. Zn einem der nächsten Blätter bringe ich, so.Gott will, den hebräischen Tert der Urkunde sammt ן der ihr gebührenden Uebersetzug.; Literarische Anzeigen. j Der Knabenrau b zu KarpentraS, Drama in 4 Auf-! zögen von Leopold Stein. Berlin. Heymanu. 1883. 8. 91. bespro-! chen v. B. Wald, Rabb. Candidat. Der Stoff, dessen sich der Vers, zur Bearbritung des vcrliegen- | dcu Stückes bediente, ist eincui historischen Faktum entnommen. Die Grasschält Bcnaissen. im südöstlichen Frankreich, war seit d. 3- 13VS! dis 179t unter päpstlicher Herrschaft. Zn der Hauptstadt der Grasjchast CarpcntraS, lebte vor u. während der französischen Revolution I der Jude Messe und dessen Weib Hanna. Deren Sohn Zosef wurde mit eiucr armen Waise Mara. die Messe adoptirt hatte. im elterli- - che» Hause erzogen, aber kaum 8 Jahre alt. auf Befehl des Jnquiß ,orgewaltsam entführt. in der christlichen Religion erzogen. «. nur! durch glücklichen , Zusa» seinen Eltern wiedergegeden. So die Uedrr« lieseruua. Nun entlehnt der Pcrfaffer auch der Mortarageschichtr einig« , Blume» um seut voettschcS Kind damit zu schmücken: Der kleine Zo» srf bekommt eine Amme, durch die er während einer Krankheit getauft wird. Nun überspringt d. D. 12 Zähre. Zosef ist Züngling, u. mit seiner. Milchschwestrr in fast gleichem Alter; diese hatte ihn mit Hülfe dir Amme, welch: ihren Fehler dadurch gut zu machen sucht, jedem Jahrestage seiner Entführung, al« Gespenst verkleide«, heimlich b»- sucht. Endlich wird sie ertappt, muß mit Zosef in» Gesängarß wandern, u. wie das Urrhril laute», mit ihm den Flammentod sterben — Dir französische Revolution gewinnt immer mehr Boden; Ludwig XVI. hat die neue Constitution beschworen; Frankreich entreißt dem Papste das stammverwandte Beuaiffin; ein sranzös. Ccmiffär. der Ear pentraS durch BolkSabstimmung annektirt, trifft drn Scheiterhaufen Joiess und MaraS gerade im Augenblicke an, als derselbr angezüntet werden soll; beide Jnquisiten werden befreit, u. der Inquisitor kommt nur durch Moffe'S Dazwischciikuusl mit heiler Haut davon. Mara wird Josefs Gattin. DaS Ende bildet ein Schlußgcsang auf die Freiheit. Vorliegendes Werk bekundet allenfalls einen Griffel, der seine Büsten meisterlich zn zcichucn versteht, u. dir Kritik wird wol keinen Anstand nehmen den ״Knabrnraub zu CarpcntraS" eine der besten Aquisilionen auf drm.dramatischcu Gebiete der neuesten Zeit zu nennen. Fern von Phrascnrciterei sucht d. V. nicht durch überladcnden Bombast »och Effekt zn Haschen; er zeichne» seine Charaktere m,t jener wahren Einfachheit, welche deutlich bekundet, daß wir es mit keinem Novizen der Tbalia zu thun haben. Wir finden im ganzen Stücke keine einzige jener Szenen, welche die 4-ren Gattcricn der Schaiispirlhänscr in uiinutenlangeu Applaus ausbrcchcn läßt, denn der Held des Stückes stampft weder mit dem Fuße, noch gestikulirt er zu viel, fletscht nicht die Zähne u. schwört nicht seinen Feinden ewige Rache n. Tod; desto nicbr aber wird d. V. den veedieiitcn Beifall der Knust 11. Sachcrständige» riurrNten. DaS schönste Charakterbild finden wir i» Hanna der Müller des geraubte» Kindes. DaS zwar oft gezcichncle aber immer ausprecheilde Bild einer litbcndc» Müller enliollt sich unseren Augen; da» sonst io schwache Weib legt wunderbare Proben vou Mitth u. edler Srlbstver läugnung a» drn Tag, sobald eine« der ihrigen in Gefahr schwebt, ne äußert jenes hohe AhnuiigSgelühl. welches das sorgsame Multerhcrz. im Vorgefühle nabender Gefahren, zu beengen pflegt; Es ist Nacht-, aus die Kinder hat Morpheus bereits Mohnkörner geworfen; der Gal- ,e ist im GoiteShausr, u. bcwciui Jrhudas Unlergang: Hanna üffnei das Fenster n. versinkt in Betrachtungen. ״O laue Lust, zieh ein in meine Brust Und wehr kosend meine Wangen au; Du kommst von Gott, und seine Sterne leuchten Auch i» die Judengaffe stillen Frieden " — etwa» später: ״Schlatt, schlaft, ihr thenere» Kinder! Webe Gott In rncrn Schlas des Himmels gold'ne Träume! Ein Zudenkind ist glücklich nur im Schlaf — (Schluß folgt.) Bemerkung. Herrn Dr. A. M. Dollkomme» einvcrstandru. — Herrn Dr. M. j Zipfer. Zch bitte um da« Angetrageue. Lzegedin, Leipzig, Lklbllverlag drr Uebalttlou. Lomwlstion,-Verlag von Fra^ Vagnrr Druck ocu Slamunt Burger tu Szrgrdin. ££7־ Hiezu ein viertel Bogen Beilage.

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