Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 2 (7.1.1863)
- Date
- 1863-01-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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29 30 Hofkanzlei bei Entscheidung diese« Gegenstände«;״«besondere deu Um« > stand vor Augen hielt, daß man weder der progressiven, noch der söge׳ nannten orihodorea Partei einen Gewissenszwang bezüglich der Au«» übnng ihre« Cultus auferlegen kann, und e» überhaupt im Interesse des zu bewahrenden Frieden« angezeigt erscheint, diese zwei Partrieu in ritueller Bezrehung von einander gänzlich zu trennen, damit jede derselben ihren Cultus nach eigener religiöser Anschauung einricktea, und ungehindert auSübe» soll. Dieser Erlaß unterläßt e» auch nicht, unter Einem dir Eommentation anfzustelleu, daß unter den rituellen Einrichtungen nicht nur die Abhaltung des Gottesdienstein einem ad« gesonderte» Beibause, sondern auch die abgesonderte Verwaltung der CultuSgcldcr, die Ausnahme eines Rabbiner«, Anstellung der Schächter und dir Errichtung einer Schule, — zu verstehen sei, und daß jede Partei ihre allfälligcn rituellen Einrichtungen ganz selbstständig unter Leitung eines aus ihrer Mitte, ebenfalls au-schließiz der ander» zu wählenden CuItuS-VorstantcS zu bestimmen bat. In administraliver Beziehung jedoch verbleibt dir Gemeinde rin ungctheiltcr Körper. — ES wird hier ebenfalls auSeinandergesetzt. daß die administrative Gestion bloß in der Matrikenfübrung und in der Einverleibung der in Filial.-Genicinden nächst der Hauptgemeinde woh- ״enden kiiizelue» Israeliten — zu bestehen hat. Es ist vorauszuschen, daß «ine derartige Entscheidung für Stuhl» wcißenburg gerade den Samen der Dereiuigung mit sich bringen wird, denn die so gering an Zahl dort lcbeudcn Orthodorrn sind gewiß nicht m der Lage, eine abgesonderte Rcliglonsgeineinde bilden zu könuen und werden datier »ach endlicher Erschöpfung ihre: materiellen Kräfte den ן Rückzug zur EuItuSgemciilde alltreten. Es wäre aber endlich an der Zeit, daß die Stuhlwcißenburger isr. Gemeinde, vermöge ihrer Stellung und ihre- Standpunktes, sowie ihrer in sich zählenden intelligenten Männrr. »uii'iiehr dahin wirken möge, sich die höchsten Güter des GemeindclcbenS: Friede und Ein- »rächt durch eine recht bald herbcizuiührendt Bereinigung und Aus« gleichung der obschwebrnten Disserenzeu zu bewahren. bl. Post, 5. Jänner. Meine Mittheilungen eröffne ich mit der Nachricht, daß Herr Schoßberger, welcher io den Adelstand erbe» den wurde, bei der k. Slattballerci zehntausend Gulden mit der Be- , stimmuug hinterlegt hat. daß dieselbeu zu allgemeinen, nicht konf-ffionellcn, literarischen Zwecken verwendet werden sollen. Zch begehe keine . Zndistrclion, wenn ich Ihnen melde, daß Herr Schoßberger. der Schwic. gcrsohn des um die jüdische Literatur so hoch verdienten MoseS Kn« ui per. auch auf den Altar der jüdischen Literatur ein bedeutendes Opfer uiederziilegen gedenkt. Fachkenlicr, welche Hr. Schoßberger zu Rathc zog. sollen ihm vorgeschlagcn haben, die Summe, welche er iadieser Richtung zu spenden gedrillt, aus die Anfertigung und Herausgabe einer ungarischen Ucbersetzung der 24 Bücher unserer heilige» Schrift zu verwenden. Da eS kein Hinderniß gibt, welche« dir jüdischen Bibelübersetzer abhielte. bei der Uebrrtragung der heiligen NriligiouSurkundr» JsrarlS die neueste Svrachsorschung und deren eregelischeu Resultate zu benützeu. so wäre eine solche Ucbersetzung einer Seit« eiu fromme- Werk, anderer Seil« aber auch eine die ungarischen Juden ehrende Bereicheruug der ungari» scheu Literatur. — Hr. Török gibt iu der letzteu Nummer seines Blatte« eiu Derzeichniß der iu Ofeupest erscheiuendcu Journale, ohne den »uu« garischen Jsrarlitru* zu erwähnen!! Die konfessiouelle Statistik ist riue voll Hrn. Türök erfnudene Wissenschaft. Daß unser wackerer Spitalarzt Dr. Groß seinen Gehalt von 420 st. dem Spitale spendete und noch 80 fl. hinzusügtc, wird Ihnen wol scholl bekanat sein. Moritz 2«äk ai ist vou dem jüd. Krankta-uad Leichellvereille zum Ehrenmitglied erwählt worden: Eine wohlverdiente Auszeichnung dr« liberale» Schrift« flester« und Redakteur«. Verona, Jänner. Jll Betreff der isearlitischtll Coldalt» hat Feldjkugmeistrr Denrdek einell Armeebefehl erlasse», woria rrialler» wird, daß die dicnstfreien Soldatrn isr. GlaubenSbekeuntniffe« dott, wo Synagogen oder Dttbäuscr bestehro, an dem riturtlru Gottr-dieuste unter Aussicht drr Osffzirre ihrr« Glauben« theilzunehmra habe». Aach jene Frirrtagc wurden brzcichnet, an welchen die Israeliten auch nicht vor Gericht geladrn werden können. Die Zahl dirsrr Friertagr beläuft sich auf dreizehn. (M. Jzr.) Lemberg, 1-ten Jänner. Ich habe Ihnen über rin furchtbare« Ereigniß. das sich im Dezembrr vorige» Jahres zugetragen ha», Berich» zn erstatten. Ein »»weit einer Sinagoge stehendes dreistöckige- Gebäude stürzte während einer dunkcln Nacht ei», und*setzte dir ganzr Sadt i» pantschen Schrecken. Man gab sich alle Mühe, den Schutt wegzuriu« men, um dir Anzahl der Dcrunglücktcn zu erfahren, und wenn möglich. Hilfe zu bringen. Unser verehrter und hochherziger Herr Statthaltrr. Graf MciiSdorf. lcgtr selbst Hand ans Retnrngswerk; rr beorderte eine Ablhcilmig Soldaten ans den Schauplatz de« Unglücks, welche frisch ans Werk gingen, und glücklicher Weite noch einen lebenden Manu im Keller fanden, welcher sich, als rr da- Bersten und Stürzea de« Ge« mäucrS vernahm nnd!einen andern NcttnngSwrz mehr sah. iu den Kcllcrraum flüchtete. Leider fanden sir auch nach längcrcm Suchen den Leichnam eines jüdischen Schneider- Namen- Tiger, welchen mau so» glrich ins allgemciiir KraiikcnhauS brachte. Nur mit Müh e konnte man Len Leichnam vom Sccirmeffcr der Acrzte erretten. Dieser Sch oei» der trägt übrigens selbst die Schuld seines Tode-; denn er war bereit« außer dem Hausc, als er, um den vergessenen Sparpseunig zu holen, sieb nochuials hiiici,!wagte, und mit seiner ihm folgenden Frau und zwei Mägden unter drn Trümmern dcS Hauscseiur» Tod fa»d. Nur tiefer cinzigr ganze Lclchnain, so wie Kopf und Hand eineder Mäd« chen, wurde bis jetzt gesunden. Der Here des Hauses hatte sich und seine Familie gerettet; auch seine Miethpartheicu retteten sich. al« sie durch ihn aus die Gefahr aufmerksam gemacht wurden, während diese vier Persoue« allein die Opfer ihrer Unvorsichtigkeit wurden. Josef Schorr. Stuhkweipcnburg, 4. Jänner. Dem einstimmigen Beschlüsse unserer Gcmci11dercprä,c»ra1!z grmäß hat der Borstand drr hirfigru isr. Gemriiide au dru Red. d. Bl. folgende Adresse in ungarischer Sprache gerichtet: »Sr. Hochwürden, de- Herrn ObcrrabbcnerS Löw in Szezedi». Ehrwürdigster Herr! Iu drr Akadraiic drr Wisscuschaftcn, in je« neu, Hriligthumr, dessen Vertreter berufcu sind, bei jeder sich darbieten« den Gelegenheit die obwaltenden falsche» Ansichten mit der Fackel der Gelehrsamkeit zu beleuchten, wurden die im großen Vaterlaudr woh« nciiden jüdischen LandeSkiiider mit der geistigen Kraft der Rede, mit dieser mächtigcn Waffe eines jede» Zeitalter-, angegriffen. - Al« dagesellschaftliche Leben und der Charakter nnserer Konfrsfiou einer mit dem Rostr de« Borurthcil« bedeckten Kritik unterzöge,,, und da« scharfe Wort drt Bcrdammung in dir Wrlt gestreut wurde r sahen wir mit schmachtendrn Blicken einem Manne entgegen, der, auf drr Höhe drr Zeit stehend. die gegen uu« erkobencu Anklagen widerlegen und zurück« weisen würde. — Ew. Hochwürden haben in Ihrem gegen die akad. Vorlesung Le« Herrn A. Tresort verössrntlichtru offenen Sendschreiben diese Aufgabe fo erfolgreich gelöst und Ihren ungarischen Glauben«, genossen für die erlittenen Beleidigungen riue soglänzende Genug« thoung »erlchaffl. daß e« unmöglich ist. daß nicht jeder ungarischer 2,'rarlitr mit drm Gefühle der Daulbarkeit erfüllt werde» sollte gegen jenen Mann, drr da« heiligste Gut der ungarischen Jode», schast, ihre Ehre, grrettet hat. Wir halten e« daher für unsere süßeste ämtiiche Pflicht, drn in der Sitzung unserer Gemeiadrrepräsrntanz ge« faßten Beschluß zu verwirklichen. nach welchem wir Ew. Hochwürdr»