Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 2 (7.1.1863)
- Date
- 1863-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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26 bi« Jungen, bi» fl« ihnen gleich geworben find, und ihr« Nahrung selbst finden können, und wenn auch bies« Zeit im Bergleiche zu der beim Menschen dazu erforderlichen, «ine sehr kurze zu nennen ist, so ist doch hiermit die Erziehung (wenn r» mir erlaubt, mich hier diese» Au«» drucke« zu bediene») de« Thiere», von Seiten der Alten geschloffen. Daß die Natur auch brim Menschen da» Weib zur Erziehung ihrer Kinder bestimmte, geht schon daran» zur Genüge hervor, baß fie r» mit dem im reichsten Maße auöstattete, wa« die erste Bedingung aller guten Erziehung ist. nämlich mit der Liebe de» Erziehenden zum Zögling; fie verlieh ihm die innigste, und Loch zugleich aus daurrndste, die aufopferndste und heiligste aller Liebe, fie verlieh ihm — Mutter« liebe.- Gattenlikör. Väterliche, die Liebe zweier fich Liebenden (im Ro» man oder in der Wirklichkeit). Geschwisterliebe, Nächstenliebe, alle find fie nur matte Irrlichter gegen da» ungeheuere Flammenmeer der Mutterliebe. Die bedauernSwerth find daher dir Mütter, die die heiligen Geschenke der Natur nicht zu würdigen verstebe»! Die rhre Kinder von der Geburt an und weiterhin fremde», bezahlten, liebelerren Personen auvertrauen, als da find: Amme, Bonne, Hofmeister, Gouvernante. Solche Mütter erziehen auch nur (sammt der Hilfe ihrer grdungrnen Personen) anstatt lcbenSfeische, gottgefällige, an Geist und Gemüth herangcdildete Menschen, erwärmt, erleuchtet nnd genährt van der wohl« thnenden Sonne de» Familienleben», verkümmerte, künstlich hera:.gezogenc, an Geist lind Gemülh verdorrte Treibhauspflanzen, kaum erwärmt, halb verdunkelt, schwach genährt vom trüben, matten Ocllämpchen de» bezahlten Diensteifer».- Wer da glaubt, ich hätte zu viel behauptet und übertrieben, der gehe in die großen Städte. und er wird sich überzeugen. daß von 10 Fällen 9 meine Aussage bestätigen. Der Grund aus den socialen Derhältniffc» der Gesellschaft ist sehr einfach und leichter ersichtlich, als der frühere. Die Männer find entweder Handels- und Gewcrbslcutc, Doctoren, Lehrer oder sonst im Dienste anderer Beschäftigte. Alle hier Genannten bringen den größten Theil ihre» Tage» in ihren Geschäften und BcrusSgeschäflen zu, und wenn sic de» Abends ermüdet nnd oft verdrießlich uach Hause kommen.!Hut ihnen eine Erholung sehr noth. Wo bleibt die Zeit, da» so wichtige und so viel Zeit iu An« spruch nehmende Geschäft der intellektuellen Erziehung i» Angriff zu uehnieii? Haben fie die Zeit, die Kinder in ihrem Ruhen und Treiben, in ihrem Weinen nnd Begehren, in ihrem Ernst und Spiel zn belauscheu? Und Ließ ist vor Allem nothwendig, um dazu ergründen, wa» ich in einem früheren Briefe als da» erste Moment einer guten Er» ziehnng bczeichnete. nämlich die Erlenntniß de» Wesen» de» Zögling». ,Auch an seinem Spiele erkennt man den Knaben", sagt schon der weise Salomon. Sie scheu also, daß auch von Seite der soziale» Der» hältniffe dem Weide, d. hder Mutter, die Erziehung zugewiesru wer» den muß. Freilich kann der vernünftige. gebildete Vater der Mutter durch seine tiefere Einsicht und Bildung, oft durch bloße Winke behilflich sein, rr kann und soll sogar den Plan zur Erziehung hergeben; aber da« Hanptgeschäst der letzter», die Ausführung muß der Mutter überlaff,a bleib,». Sir muß also in allen dazu nöthigeu Bedingungen qualificirt sein, und diese Ausbildung muß sie während ihre» MLdcheustande« er« Während ich diese ,wei Gründe niederschrieb, siel mir noch rin dritter ein, der an Triftigkeit den erstera nicht oachsteht. Rusen Sir fich noch einmal in» Grdächtniß zurück, wa» ich als erste» Moment der Er« 26 ziebuug aufsteklte; zudem bedenken fie noch, daß da» Kind in phyflschn Beziehung Väterliche« und Mütterliche« in fich ausgenommen — wie Jedermann bekannt — baß ferner dir Physiologie '), die Psychologie und endlich auch die Erfahrung zeigen, daß r» mit der Geiste«, und GemüthSrichtuiig de« Kiute« dieselbe Dewaiidtniß habe; und nun beaot» wort״« Sie mir die Frage, wo der Fremde diesen grheimnißoollen Schlüssel zur Erkennung de« Weseu« seine« Zöglinge« hernehmeu soll? Soll er erst die Eltern und Ureltern de« Kinde« studieren? — Voraus» gefetzt, er wäre für seinen Beruf so erglüht, daß rr kein Opfer und keine Anstrengung scheuen würde, wa» übrigen« zu den größten Selten» heiteo gehört. Ganz wa» ander» ist'» hingegen bei den Eltern; diese kennen sich selbst — wa» wenigstens bei Gebildete״ vorauSzusetzen — und einander gegenseitig; ihnen wird e» also v'cht so schwer sein, bei einiger Bil» düng und Ausmerksamkeit auch da» innerste Wesen ihre« Kinde» zu er» Nun aber weiß ich wohl, daß man mir in Drzug aus den dritte« Grund die Eiuwrndunz machen kan», daß gerade die Eltern oft au« allzugroßcr Liebe gegen ihre Kinder deren Schwächen nicht einsehev. und also verhindert sind, ihr Wesen klar »ud vollkommen zu erkennen. Diese Einwendung ist nicht ganz ungegrüudcl und ich behalte r« wir vor. in cineni meiner nächsten Briefe hierüber zu sprechen. Der Vater kann fich aber — wa« schon oben besprochen wurde, nicht ausschließlich, wir es aber nothwendig ist, mit der Erziehung be» fasse», also muß selbe auch an- .diesem drillen Grunde, der auch an» der Natur genommen, der Mutter überlassen bleiben. Daß c» viele große Männer gab. deren Kinder, respective Söhne, nicht groß wurden, ist eine bekannte Thalsachc; daß e» viele große, d. h. vorzügliche Frauen gab, deren Söhne nicht groß wurden, dürste auch der Falt sein; daß r» aber keinen großen Mann gegeben, oder auch nur einen bedkiitenden Mensche», aus dessen Entwicklung nicht eine au Gcmüih und Geist vorzügliche Mutter — wenn selbe auch nicht zu den berühmten Frauen gehörte — einen sehr großen Einfluß genommen hätte, wage ich zu behaupten. Erinnern wir un» an die Mutter degrößten Mannes Israel«, an die Mutter Moses. Wie groß muß die gewesen sein! wenn auch in der Bibel nichts davon erwähnt ist. Trotz de» schreck« lichen Pharaoiiischcu Gesetzes wußte fie ihr Kind zu erhalten; fie mußte ihr Mnttergesühl der Prinzessin gegenüber verleugnen, und die Rolle einer Amme übernehmen. — ein leibhaftiger Gegensatz zur liebenSwür» digcn Sitte unserer Frauen, die ihre Mutterliebe den Ainnrc« überlassen — um nur Mutier zu bleiben. Und wie hat sie ihr, Ammcnpflich t rr» füllt? wahrhaft groß, göttlich groß, noch von keiner Mutter übertroffea! Hier sieht man e» deutlich, wa« r« heißt, etwa« milder Muttermilch kinsauge».! Mose sog ein die nubeflegbar, Liebe zu seinem Volke und den unbesiegbaren Haß gegen dessen Feinde! Kur, mußte allerdinz« die Zeit ihrer unmittelbaren häusliche» Erziehung gewesen sei», weil Vach Mose« bald an den königlichen Hof gebracht und dort erzöge» wurde; aber desto bewunderungswürdiger und desto größer muß un» der Einfluß erscheinen, deudie Mutier in der kurzen Zeit aus ihren Sohn zu nehmen wußte, da doch die »u seiner frischesten Kindheit ans ihn gemachten Eindrücke von der spt - terra egyplisch-königlichen Erziehung nicht verwischt wurden, und rr als Prinz den frühen Mahnruf seuer Mutter: ,Bleibe Jsraelitr, schäme dich dttner hartgrträugtea Brüder nicht, nehme dich ihrer an!" nie vergaß, und da« wurde, wa« rr geworben. — Wenn auch die» alle« von Gott vorherbestimmt war, so hindert un» da» doch nicht auch die meuschlich, Größe anzuerkrnar». Uad wi e «in einfacher Mann muß dieser Amcam gewesen sein, gar nicht« wirb ') Vergl.29. und 30. Brief von Voigt'» ,Philologischen Briefen