Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 2 (7.1.1863)
- Date
- 1863-01-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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21 22 daß der GobiuS hierorts (in Ferrara) niemals für verboten gehalten wurde. In Cremona galt dagegen der Ltorione für verboten')." ES fragt sich also, ob der Ltorione der Jtaliener mit dem Sterlet identisch sei, und wäre eS sehr wünschenSwerth, wenn einer der Freunde Ben Chananja'S in Italien, besonders Herr Rabbiner Lelio de la Torre, hierüber nnd gelegentlich auch über den Genuß deS Caviar'S Aufschluß gäbe, da aus einem Gutachten deS Abraham Menachem ha—Koben, deS Ahnherrn der Rapoporte, erhellt, daß die jüdische Gemeinde zu Ferrara den Caviar zu den erlaubten Speisen zählte. Die Geschichte der Sterletfrage läßt sich aber noch weiter zurück verfolgen. Schon im 13. Jahrhundert wurde über die Reinheit deS Fisches אש טוריאון gestritten. '"). Sollte auch darunter der Stöhr, und zwar daS spanische Esturion verstanden werden? Im bejahenden Falle hätte sich gerade die Landau-Chorin'sche Parthei auf NachmanideS berufen können, da eben dieser sich für die Squalosität des in Rede stehenden Fisches erklärte, nachdem scheu vor ihm Naschi'ö Enkel, der gefeierte R. Jakob b. Meir Tam, (gcst. 9. Juni 1171), denselben reiugesprochen hatte. Nach der neuern thalmudischen Sprachforschung sind sogar sichere Nachrichten vorhanden, daß die berühmtesten Amoräer den Stöhr keineswegs von ihrer Tafel verbannt haben ")! Die historische Behandlung religionSgesetzlichcr Fragen würde vielleicht auch keinen Anstand nehmen, daran zu erin- »ern, daß nach einer alten thalmudischen Regel alle Eier legenden Wasterthiere rein, nnd nur diejenigen unrein sind, welche lebendige Junge zur Welt bringen, und ist diese Regel ein wesentlicher Bestandiheil der thalmudischen Zoologie'׳). Alles dies blieb gegen Ende deS vorigen Jahrhunderts unberührt. E ho rin berief sich auf die Autorität seines Lehrcrö, und bemühte sich, alle gegen besten Ausspruch erhodenen Einwendungen zn entkräften. Er folgt hierbei unverrückt der herkömmlichen pilpulistischen und haggadischcn Methode, und der aufmerksame Leser sieht ganz deutlich, daß dicö nicht etwa in Folge einer Akkomodation geschieht. Mit den orthodorcn Anschauungen und Satzungen weiß er sich in so vollkommener Uebercinstiinmung, daß er einem seiner Gegner, dem Makoer Rabbiner Jehuda Lob Segal, den Vorwurf macht, daß derselbe sich hetcrodore Blößen gegeben habe. Nichtsdestoweniger ist auS der Darstellung und der öfteren Anführung deS Maimonidischeu More leicht zu entnehmen, daß Ehorin'S Studien mit denen der meisten damaligen Rabbinen in Ungarn denn doch nicht kongruirten. Der Pakser Rabbiner sagt in der Vorrede zu seiner Streitschrift auch ausdrücklich, daß er an Sprachgewandtheit seinem Gegner nachstehe, und sich ״Gottlob mit besten Studienweise nicht befaßt habe", worauf Chorin replicirt, daß hierin nur daö Bekenntniß eines dürftigen DibelstudiumS liege, indem fleißiges Studium der Schrift schon an sich zur Gewandtheit im hebräischen Ausdrucke führe. Die bezüglichen Streitschriften sind selbst in Ungarn nicht sehr häufig zu finden, da viele Eremplare der Chorin'schen Streitschriften von den Gegnern Ehorin'S vernichtet wurden, wie denn auch die eifrigeren Chorinianer eS für angemessen hielten, die Schrift deS Pakser Rabbiners zn unterschlagen. Die erste, 28 Octavblätter umfassende, Schrift Ehorin'S erschien 1798 in Prag unter dem Titel: Jmre Noam. Auf dem Titelblatte preist der Verfasser den freigebigen Jsak Steinbach und dessen Frau Hendel, von denen er bei Herausgabe seines WerkchcnS unterstützt wurde. Die zweite Schrift ״Sirjon Kaökassim", 30 Octavblätter umfassend, erschien in Prag 1799; der Censor Karl Fischer erthcilte die Erlaubniß zum Drucke mit der Bemerkung, daß all und jede Personalität weggclasseu werde. Diese Schrift ist eine Replik gegen das in Wien erschienene 60 Octavblätter umfassende ״Makkel Noam" deS Pakser Rabbiners KricShaber, und enthält unter Anderem auch eine fulminante Erklärung deö Prager RabbinateS gegen KrieS- Haber. Letzterer ließ sich dadurch nicht abschrecken. Vielmehr forderte er R. Eleazar FleckrleS in Prag auf, die abgegebene Entscheidung zu widerrufen, die Drohung hinzusügend, daß dlejenigen, welche den Genuß deS vielbesprochenen FischeS gestatten, ganz gewiß an dem Mahle deS Leviathan nicht Thcil nehme» werden: eine Drohnng, welche jeder Vernünftige unterschreiben wird. R. Eleazar ließ sich jedoch da» von nicht beirren, und schrieb an den Pakser: ״Sie machen sich wirklich lächerlich. Viel besser wäre eS, wenn Sie nicht grübelten, um neue Erschwerungen zu erfinden. Stellte ja der alte Palästinische R. Jsak die Mariine ans: ״Laß dir mit den Verboten der Thora genug sein, und lege dir keine Beschränkungen auf, welche die Thora nicht kennt")!" R. Eleazar verweist, indem er diese Marime anführt, auf MaimonidcS, welcher in Bezug auf die Marime R. Jsak'S sagt: ״Ich habe niemals einen wunderbarer» Ausspruch gehört43)!" Der Streit kam zu Ende, noch bevor der Friede von Lüneville geschlossen wurde (9. Februar 1801); die Kämpfer halten ihren ganzen Pulvervorrath erschöpft, und so mußte nach dem Kampfe stille Ruhe eintreten. Chorin hatte sich aber durch seine hartnäckige Opposition gegen daö Herkommen in Ungarn und gegen die Mehrzahl seiner Eollegen deren Feindschaft zugezogen. Die Folge davon sollte er bald schmerzlich genug empfinden. Einige angesehene jüdische Kaufleute auS dem Sümeger Comitate, welche nach Arad zn kommen pflegten, munterten ihn nämlich auf, in die Somogy zn kommen, indem eketnem Zweifel unterliege, daß man ihn daselbst zum ComitatSrabbiner wählen würde. Im Frühlinge deS JahreS 1802 machte Chorin wirklich die Reise nach der Somogy, und