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Ben Chananja · 1863-01-07 · 2 (7.1.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
2 (7.1.1863)
Date
1863-01-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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20 talischtn Juden für rein gehaltenen Sterletnicht entbehren wollten, wiewohl ihre Afchkenasischen Gemeindegenoffen, in deren früherer Heimat der Sterlet nicht vorhanden war, denselben für unrein betrachteten. R. Hirsch sendete zwei Eremplare deS SNrletS nach Prag, um eia auf Autopsie gegründetes Nrthcil über dessen Schupptgkcit zu ermöglichen. R. Ezechiel erklärt in seinem Gutachten, daß er sich von der Squalosität deö Sterlets auch im Sinne der in den alten Quellen nicht begründeten Nachmanidischen Distinktion überzeugt habe, und daß daher die Reinheit desselben keinem Zweifel unterzogen werden könne. In Folge dieser Erklärung wurde in TemcSvär der Genuß deS Sterlets freigegeben. Die Nachbargemeinden nahmen jedoch wenig Notiz davon, und auch in Arad fand Chorin die prohibitive PrariS vor. Er hob dieselbe jedoch auf, nachdem sein TemeSvärer College ihm die Abschrift deS Prager Gutachtens eingesendet hatte. Unerhört war diese Verschiedenheit deS Brau 1 eö nicht. In der zweiten Hälfte deS 12. Jahrhunderts herrschte unter den gcrmano-fränkischen Juden eine gleiche Verschiedenheit in Bezug auf die Flußtrüsche^), welche von Manchen genossen, von Manchen gemieden wurde, und über deren Reinheit die Rabbinen nicht inS Reine kommen konnten: R a schi batte sie für rein erklärt, was aber nicht verhinderte, daß R. Je hu da ha—Chaßid alle diejenigen von dem künftigcn Leviathan-Simposion ausschloß, die sich unterfangen würden, dieselbe zu genießen. Man erzählte sich sogar., daß R. Efraim b. Isaak in RegenSburg durch ein Traumgesicht bewogen worden sei, seine frühere Entscheidung zurückzunehmen und den ״Burbot" zu verbieten. Von Traumgesichten ist nun allerdings in dem Streite wegen des SterletS nicht die Rede; desto häufiger wirb aber daS Leviathan- Mahl zur Sprache gebracht: vorzüglich von I s a k Kries- Haber aus Krakau, Rabbiner in Vaksch, welcher zuvorderst ein freundliches Schreiben an Chorin richtete, die auf den Sterlet bezügliche ReinheitSerklärung zurückzunehmen <1798), später aber, nachdem Chorin dies verweigert hatte, viele Rabbinen zu Hilfe rief, um eiu Verbot des Fisches zu erwirken, gegen dessen Reinheit er sowohl die Nachmanidische Distinktion, als auch das Herkommen geltend zu machen suchte. Auf daletztere Moment legte er daS größte Gewicht. Daß bei den orientalischen Juden eiu entgegengesetzte- Herkommen üblich sei, vermochte er allerdings nicht in Abrede zu stellen; er glaubte aber die Bedeutung diese- Herkommenentkräften zu können, indem er eS dem SabbathäiSmuS in die Schuhe schob. Die den Sterlet auf ihre Tafel kommen lassen, sagte er, sind gewiß frivole Sabdathäer! AIS Krieöhaber gegen Chorin auftrat, wußte er, daß letzterer einen Gewährsmann, wie R. Ezechiel Landau, für »ich habe, indem sich seine Gemeinde, welche dem TemeSvärer Beispiel folgen wollte, auf da- Prager Urtheil berief, ohne jedoch bei ihrem Rabbiner ihr Ziel zu erreichen. Er schrieb daher an Chorin, R. Ezechiel selbst hätte seinen früheren Ausspruch widerrufen, and ihn, KrieShaber, ersucht, diesen Widerruf dem ^cmeövärcr Rabbiner mitzutheilen. Diese Angäbe war aber erdichtet, und KrieShaber mußte sich gefallen lassen, von den Prager Rabbinen, Michael Bachrach, Eleazar FleckelS und Samuel Landau, Lugen gestraft zu werden. Unter den Rabbinen, welche sich entschieden gegen die Reinheit deö Sterlets auSsprachen, ragte besonders der mährische LandeSrabbiner, Markus Benedikt, hervor. Derselbe verhinderte in Wien die Veröffentlichung einer Streitschrift ChorinS, und warnte die Araber Gemeinde in einem an dieselbe gerichteten Sendschreiben vor dem Genüsse der in Rede stehenden Fischgattung. DaS Altofner Rabbinat stellte dagegen auf daS dringende Verlangen Chorin'ö eiu amtliches Zeugniß auS, worin bestätigt wird, daß die Schupptgkcit deS Sterlets durch eine vorgenommene genaue Prüfung desselben vollkommen sichergestellt ist, und daß der Pakser Rabbiner die von ihm zu Hilfe gerufeneu Kollegen mit Lügen berichtet hat°). Das Prager Rabbinat bekräftigte von Neuem die Reinsprechung R. Ezechiel'S. Die Meinungsdivergenz zwischeu den angesehensten rabbinischen Autoritäten betraf hier nicht einen synagogalen Gebrauch oder eine unwesentliche liturgische Observanz, sondern ein Gesetz der Thora. Der Genuß der Fischgattung, welchem die Diskussion galt, unterliegt nach dem Urtheile deS Prager RabbinateS nicht dem geringsten Bedenken; vor dem Forum deö mährischen LandcSrabbinateS sinkt jeder, der sich diesen Genuß erlaubt, so tief hinab, daß weder seiner Zeugenaussage, noch seinem Eide zu trauen ist! Weder die Tradition, noch die reiche Fülle rabbanitischer Gesetzbücher konnte einer so weit auseinander klaffenden Verschiedeuheit der Anschauungen vorbeugen, und dennoch scheut man sich nicht, der progressiven Schuie den Vorwurf zu machen, daß sie die Störerin de- Friedens in Israel sei! Wäre die Slerletfrage in unserer Zeit zur Sprache gekommen, würde man sich von der verbietenden Seite wohl auch darauf berufen haben, daß die neuere Ichthyologie von den Nägeln, nicht aber von den Schuppen der Stöhre spricht; KrieShaber hob arlch sehr nachdrücklich hervor, daß der Sterlet Nägel, und keine Schuppen habe. Andererseits wäre aber anch geltend gemacht wordea, daß die ganze Frage altern Ursprüngesei. Jsak Lampronti erzählt nämlich: ״Im Jahre 1712 schickte man zwei Fische, einen Ltorione und einen Gobius7) mit der Anfrage zu mir, we-halb der Genuß deletztereu. nicht aber der deS erster» vermieden werde. Eine sorgfältige Untersuchung führte mich zu dem Resultate, baß beide zu den reinen Fischgattungen gehören.! Die ältesten Mitglieder derJeschiba^) versicherten mich auch,

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