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Ben Chananja · 1863-01-01 · 1 (1.1.1863) · page 6

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Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
1 (1.1.1863)
Date
1863-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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11 12 Korrespondenz. Ausland. M. Frankfurt am Mal», im Dezember. Unter den aiun Gemeinden de« westlichen Deutschlandragt bekanntlich die Frankfurter Gemeinde aldie bedeutendste und wolhabendfle hervor. Fleiß und WollbäiigkeitSsinn haben e« hier zu dem seltenen Phänomene gebracht, daß in der Mitte einer jütischen Bevölkerung von beiläufig 15,000 Seelen keine Nothleidende und kaum Hülfsbetürflige find; die großartigen Wohllhäligkeiisstistungen werden selten benutzt, da- Hospital steht da» ganze Jabr hindurch säst leer, und die überflüßigen Mittel der reimen Gemeinde konnten zur Herbenirhnng jüdischer Gelehrten ersten langes verwendet werden, welche ander Gemeindeschnle (Philanthopin) eine Mnsterschule (dir heutige Realschule) machten, zu der sich jetzt nicht nur die ganze jütische, sondern auch ein bedeutender Theil der christlichen Jugend bindrängt. Franlsiirt würde unbedingt die Krone aller westlichen Geineinten sein, wenn nicht der Krebsschaden demodernen Judiffl,>!.^kmuS auch hier seil dem Ansage unseres Jahrhundertgewuchert, und schließlich, in den letzten Dezennien, ungeschickte Rescrnivrrsuchr prcvczirl hätte, drrrn erstes Opfer derjenige geworden, der den JudiffereutiSmuS auf den Wege euliueller Reformen bekämpfen zu können wähnte. Frankfurt liefert den augenscheinlichen Beweis, daß im modernen Jiidenthum keineswegs die Resoru, den Abfall. sondern daß umgekehrt JudifferculiSmuS und der Abfall vou Jndenthnme die Reformv-riuche hervorgcruscn. Franlsiirt hatte längst seinen ausgcklärten Gemeinde- Vorstand und seine vortrefflichen Jugeudlehrcr. die Kreizenach, Jost und Heß, bevor cS daran dachte. einen Rabbiner zu berufen, der die vcrfallcne Synagoge wieder ausbauen, aber die Früchte seiner resormatorischen Arbeit nicht lange genießen sollte. Zwischen der alten und neuen Jndengaffe, an der Stelle, wo früher zwei alte vcrsallene Synagogen gestanden haben, srhebt sich seit einigen Jahren der neue massive Bau. den man noch heute nach dem ehemaligen Refcrmrabbincr, der den Bau veranlaßt halte, die Stein'- sche Synagoge nennt. Wa« hat der Rabbiner Stein verbrochen, daß an ihm der mosaische Fluch in Erfüllung gehen sollte: ביר! תבנה ולא חשב בו? Dieser Mann hatte Len besten Willen und nur einen zu großen Eifer für die Wiederbelebung de« abgestorbenen Interesses an der Religion. Er wollte die Indifferenten, welche die Mehrzahl der Gemeinde, zugleich ihre einflußreichsten Mitglieder bilden, durch einen den Kunstsinn befriedigenden neuen Tempel und einen rntsprecheudeu netten CullnS gewinnen. Es ist ihm nur gelungen, eine noch größere Mehrzahl von fich adznstoffen. Dennoch fehlte eS dem Manne nicht an allen den Eigeuschastell, die zu einem modernen jüdischen Resorma, Icr erforderlich find: er besitzt ein ausgezeichnete- Rednertalrnt, ist für den Fortschritt begeistert, seine Moralität ist mackeklo». und er bat sogar ein einnehmende- Aeußerr. Aber alle die vortrefflichen Eigen' schasieu diese- MauneS von. Talent und Charakter konnten dem Jutenthume keine neue Seele eiuhauchen. Bevor er noch zu reformirea anfing, hatte Stein schon durch Predigten, die mehr Eifer al« Takt vernethen, Aufgeklärten und Fron»- wen vor den Kopf gestoßen. Seine Rede bei der Einweihung dn ueuen Synagoge, welcher dir obersten Behörden beiwohnten, war zwar kein Verbrechen, aber noch etwa« Schlimmere«, wie der Franzose sagt, dem da- Gefühl für da- Schickliche angeboren ist: sie war rin Fehler. Lurtout p.18 trop de 2616! empfahl ein berühmter französischer Minister seinen Untergebenen. Daß Nicht« den Mangel au Takt ersetzen kann, bewährte fich an Rabbiner Stein sehr bald; denn nach Jener Red» legte man ihm dir Verpflichtung auf. bet allen solennen Gelrgeaheite» seine Predigten dem Verstände zur Genehmigung vorzulegea — eine Maßregel, welche deu Grund legte zu jenen fortwährenden Reibungen zwischen Rabbiner und Vorstand, die mit der Demission Stein« endig« ten. — Obgleich Stein in der Frankfurter Gemeinde nicht wenige per« sönliche Freunde hat, wird er doch nie wieder in sein Amt eingesetzt werden. Man wünscht einen Rabbiner, der den offiziellen Zwiespalt, den S..i» zwischen den Frommen und Ausgektärleu provozirt bat», wieder versöhne, ja e« war schon die Rede davon, den Rabbiner, Hirsch als Rabbiner der Gemeinde, und neben ihm »och einen Prediger für di» neue Synagoge anzustellrn. Die fromme ״ReligionSgcscllschaft," welche jetzt außer den offiziellen Gemeindesteuern nach die Kosten ihrer Synagoge besonder« bestreiten muß, würde dadurch große Ausgaben ersparen, und diese bedeutenden Ersparnisse zu andern gemeinnützigen jüdischen Z»r ecken verwenden können. Außer der ״ReligionSgesellschaf^" welche der Mehrzahl nach an« Mitgliedern besteht, die erst in neuerer Zeit nach Frankfurt gezogen sind, rristirt hier »och eine dritte CultuS« gemeinde, welche sich ebenfalls mit der Stein'schen CultuSreform nicht befreunden konnte, eS aber erwirkte, daß der Vorstand ihr einen großen Betsaal rinräumte. Die zahlreichen Mitglieder dieser Synagoge wür« den sich ohne Zweifel mit der ReligionSgescllschaft vereinigen, deren jütische Schnle sie ohnehin meist schon benutzen, wenn die CnllnSkosten der genannten Gesellichast auf die ganze Gemeinde repartirt würden. Das Erste, wazu thun ist, wäre demnach nicht die Ernennung eine- Rabbiners, sondern die Anstellung eine- Prediger«, der den durch Stein hervorgerusrnen offiziellen Bruch wieder zu heilen verstünde. Das scheint auch jetzt die Absicht des Vorstandes zu sein, dessen aufgeklärteste» Mitglieder heute nicht mehr abgeneigt sind, eine» Prediger anzustellen, welcher, wie der jetzt in Mannheim fungirende Doktor Jastrow, einer vermitteluden Richtung angehört. Die Reform war eine Reaktion ge» gen den JntiffcrentiSmuS gewesen, welcher heute sein Unrecht und die Mißgriffe rinsicht, die durch ihn provozirt worden sind. Die Jndiffereuten sangen wieder an, fich für daaltebrwürdige Judenthum zu iiiteressirrn. und zu begreisro, daß religiöse Seltenbilduugrn dem Wesen de« Judrnthumes nicht minder. wie dem der modernen Welt wieder« d. Altona, 20. November. In der Synagoge zu WanSbeck hat vor Kurzem ein sehr skandalöser Austritt flattgefunden. ES herrschen nämlich in der dortigen Gemeinde seit längerer Zeit Streitigkeiten, und als an einem Sabbath der Prediger Jona«, ein allgemein geachteter Manu vou der Kanzel diese Uneinigkeit berührte, unterbrach man ihn mit rohen Ausbrüchen und riß ihn sogar von der Kanzel. Dieser Vorfall ist n»n vor dir Obrigkeit der Stadt gebracht und werden die Schul« digen hoffentlich der verdienteu Strafe nicht rntgehen. M. Kopenhagen, im Deeember. Vorigen Monat find zwei zü« dische Bürgerrepräsentanteo, die Herren Mor. Melchior und Meier Bing uud Herr Jakob Bing von unser» Könige zu Rittern de« DavebrogordenS ernannt worden. Inland. Sch. Briefe auS Mähren. E« war an einem schöne» Maimorgea, in der hundrrtthürmigeu Moldaustadt, als ich, ein kau» den Knabneujahren entwachsener Jüngling, von dem Drcibrunnrnplatz, wo ich so eben der Takmudvorlesung de« Rabbiner«. 8. Schlefioger angewohot. in die Dreitgaffe rinbog, al« ein hochgewachsener junger Manu wir entgegen trat und wich an beide Hände faßte, die er mit

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