Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 1 (1.1.1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9 10 orthodorer Anschauung versunkener Rabbiner nicht hatte befreunden können, das aber gewiß nicht über die Grenzen religiöser Ueberzcugung hinanSging, innerhalb welcher sich unsere Rabbiner und Prediger hier nach den nicht nur auS ihrem Vorleben, sondern auch in Schrift und Wort kund« gegebenen Principien, bewegten nnd noch bewegen. — Aber dem Mann mußte einmal betgekommen werden; waS blieb übrig? Er wird als entschiedener Reformer ä la Holdheim nnd Geiger auSgeschrieen nnd als Popanz znm warnenden Erempel den Gemeindegliedern hingestellt. Der Mann fühlte wohl die Opposition heraus, obschon Niemand den Muth hatte, ihm offen entgegenzutreten und ihm ein quousque zuzurusen. Er entschloß sich daher, dem Verlangen nach einer zweiten Predigt, zu welcher ihm das Thema gegeben wurde, nachzngeben. — Die zweite Predigt, die dein Prediger Ge« legenheit gab, sein früheres Programm mit noch größerer Bestimmtheit und Klarheit zu entwickeln, und seine von der des Reformers xnr’ ($0%ף himmelweit verschiedenen Rich« tung genau zu kennzeichnen, und noch schärfer zu betonen, wurde mit größerem Beifalle ausgenommen. Aber daS allrS half nichts; eS blieb einmal dabei: der Anznstellende sei ein Reformer, und man verschmähte eS nicht, die Kanzel dazu zn benützen, um iu Predigt und Derascha den Mann — ohne seinen Namen zu nennen — und das ganze so höchst löbliche nnd gvtteösürchtige Unternehmen zu verdächtigen, letzteres sogar in echt zclotischer Weise alö fluchwürdig dar« znstrllen. Der bestehende Tempel wurde in der דרשה als eine Musteranstalt, alö wahres Hciligthnm, sein Prediger alö der wahrhaft gottgefällige Mann, alö Hohepriester und Meisterlehrer hingesteüt; er sei — aber wir möchten den Herrn Oberrabbiner nur daS Eine fragen: waS will denn der Vorstand der Meiseliynagoge anderes, als den GotteS« dienst ganz nach der Art, wie er im Tempel besteht, ein« führen, sich streng an den dortigen RituS halten, ja sogar die im Tempel befindliche antijüdische Orgel soll daselbst nicht eingeführt werden. Und mußte nicht auch die frühere Altsynagoge eingeriffen und ein Umbau vorgenommen wer. den, als sie iu den jetzigen Tempel nmgestaltet wurde. Auf den Besuch beim Prediger Herrn Dr. Kämpf freute sich, wir wissen eS gewiß, Herr Dr. Stein sehr; eS sollte die alte Bekanntschaft eines College» anfgefrischt werden; aber er fand sich abgewiesen. — Die Abschieds« worte des Herrn OberrabinerS R. an Stein lauteten: ״Sie gehen jetzt, ich hoffe, Sie kehren wieder, und seien sie ver« sichert, ich bin Ihnen geneigt." Stimmte daS Benehmen deS Herrn Oberrabbinerö und die in seiner Derascha gethanen Aeußcrungen mit diesen Versicherungen überein- Der Manu steht wiffenschastlich und gewiß auch in seinem Leben viel zn hoch, alö daß wir ihm eine Falschheit unterschieben möchten; scheint eS aber nicht, daß. der alte schwache Mann nur daS Werkzeug einerKotterie ist, von der er iu der uuver. zeihlichsten Weise gemißbraucht wird? Doch daran war noch nicht genug. — ES wird zur bewilligten Adaptirung der Synagoge geschritten; der Almeiner niedergerissen, an die Erweiterung der Räume gegangen; da erscheint eines Mor« genS der zweite Oberjurist, stößt Beschimpfungen und Ver« wünschungen auS, als wenn eS sich um die Zerstörung deS Jerusalemischrn Tempels handelte und zuletzt wird von dem Nabbinate gemeinschaftlich bei dem Statthalterei-Präsidium eine Schrift — ich will mich der ihr gebührenden Bezeichnung nicht bedienen — überreicht, in welcher, um die Eiastellung deS Baues und um Erwirkung eines ErlasteS gebeten wird, demgemäß dem Rabbinate nicht nur ein unbedingteS Veto in allen den CultuS betreffenden Unternehmünzen, sondern ein jus gladii über daS korporative und autonome CultuSgemeindeleben eingeränmt werden möge! — Entspricht ein solches Verfahren den Grundsätzen der Reitgion, der sonst an den Rabbinern gewohnten Pastoralklugheit und Versöhnlichkeit? Wäre eS nicht, wenn das Radbinat sei» Gewissen dabei wirklich beunruhigt fühlte, gera« thener und der Würde des RabbinatS entsprechender gewesen, eine Vorstellung bei der Repräsentanz der Gemeinde zu machen, in deren Mitte einsichtsvolle, mit den religiösen Satzungen und den Bedürfnissen der Gemeinde vertraute nur pfiichtliebende Männer, sitzen, welche gewiß nichts gestatten würden, waS der Religion zuwider ist und daS Ansehen des RabbinatS verletzen könnte? Und woher dieser Zorn? Dieser ZelotiSmuS? Handelt eS sich etwa um ein Unternehmen, daS neu u. noch in den Gemeinden nicht eingeführt ist? Wollen die Mcisclschüler etwas anderes, als waS im Tempel, in der Neusynagoge schon seit einer Reihe von Jahren besteht, und dem der Oberrabbiner selber öffentlich Anerkennung zollt? gegen welches Gebot wurde gesündigt? welche religiöse Vorschrift übertreten? Möge daS Rabbinat eS gewissenhaft aussprechen. — Wird nicht nur zu leicht der Verdacht rege und gerechtfertigt, baß eö Mo« tive anderer Art sind, Furcht vor Entgang materieller Vortheile, welche für den Urheber der ganzen Bewegung — für welche wir übrigens nicht die Rabbiner halten — maßgebend und bestimmend hervor? Ein Mann, so hochgeachtet und so hochgestellt, wie Rapoport, braucht übrigens auch solche Furcht nicht zu haben. ES thut nnS leid, herzlich leid, daß wir gegen den Mann, dem wir unsere Hochachtung nie versagten, und auch fortan zollen wollen, einen solchen Vorwurf erheben müssen; aber במקום שיש הלול השם אין ר,ולקין כבור ירב Und ein Ehillul Ha-Schem ist eS gewiß״ wenn man in rein cultuellen Angelegenheiten die weltliche Macht anruft, und dem auS den Fesseln staatlicher Bevormundung kaum gerissenen und sich zu entwickeln beginnenden autonomen Leben der Gemeinde den Todesstoß versetzen will. Wir hoffen, daß alle die behördlich angebrachten Recla« Marionen erfolglos sein werden, und fordern die Männer, die auS den edelsten Absichten zur Ehre GotteS an daS verdienstliche Werk gegangen sind, aus, nicht mnthloS zu werden, und nicht zu ermatten. סוף הכבור לבוא — Die kommen de Generation wird segnend ihre Namen nennen als die Namen der Männer, denen daS religiöse Leben am Herzen lag, uud welche die Ehre Israels nach Kräften zu fördern bemüht waren. Mögen sie sich über die erlittenen Beschlmpfungen und Verwünschungen mit dem Spruche deS Welsen trösten: Wie der Sperling flüchtig, wie die Schwalbe fliegend, so grundlose Verfluchung: sie trifft nicht ein. (Spr. Sal, 26, 2)!*) •) Wir bttten ttn vcrehrtea Herrn (Siaftnorr. ua» über dra Brr« lauf dieser Angelegenheit genau unterrichten zu Wolira, lieber dra Na« mrn dr» einstmaligen Gründer» der Meisellyuagoze werde« iu drr jü« discheu Geschichte dir Nameu der Ehrenmäuner glLuten, welche die Synagoge der Dcrgaugeuhett in eine Synagoge der Gegeawart verwandelt haben. Red.