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Ben Chananja · 1863-01-01 · 1 (1.1.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
1 (1.1.1863)
Date
1863-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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7 8 wickluugSprocrß auSgeschieden werde» müßte». ES ist eia Treiben hier, daS jeden Mann von nur einiger Gesinnung anekelt, und von dem sich der ruhige und friedliche Mann mit Abscheu wegwcndet. ES wäre selbst für den, den hiesigen Verhältnissen fern Stehenden nicht ohne Interesse, die Art und Weise kennen zu lernen, wie hier eine CultuSordnung sabricirt und den Landjuden ausgedrungen wird, und welche Individuen sich daran betheiligen und eine Rolle spielen, und wie die eingeschichterten Rabbinerchen, die ihreEristenz dabei bedroht glauben, nicht den Mnth haben, der Anma« ßung junger Leute mit oder ohne Doctortitel entschieden ent« gegenzutretcn. Aber alledieses kommt in keinen Vergleich gegen deu Ehillul ha—Sckem, den unsere kirchlichen Oberhäupter lner in jüngster Zeit hervorriefen. Der hiesige ״Tempel" ist viel zu klein, als daß er alle, die an dem geregelten Gottesdienst Theil nehmen wollen, aufnehmen könnte. Nun wurde, wie Ihnen wohl bekannt sein dürfte, schon vor zwei Jahren der Bau eines neuen großen Tempels projektier; doch wo eS zum Geldgebcn komm», da geht unseren Reichen die Gemüthlichkcit auö. Man witterte überdies unreine Motive, anS denen von einer gewisse» Seite her die Realisirung deS ProjektS mit großem Eifer betrieben wurde. Auf der andern Seite war die Furcht der andern hier bestehenden Synagogen nicht ganz unacgründet, daß durch einen großen Tempel die noch wenige» vcrmöglicheren Mitglieder der übrigen Synägogen, durch deren Beiträge letztere noch kümmerlich ihre Existenz fristen, abgezogen, und zur Theilnahme an dem Tempel bestimmt werden könnten. An einem ganz neuen Tcmpelbau war daher nicht zu denken. DaS Project wurde fallen gelassen und ein bloßer Umbau, eine Erweiterung deS bestehenden Gotteshauses, in Antrag gebracht. Aber auch dazu fehlen bis jetzt die nöthigen Geldmittel. Unter solchen Umständen, welche die Herstellung eines großen oder wenigstcnS eines vergrößerten Tempels in ferne Aussicht stellen, suchte man dem mit jedem Tage, und besonders zur Zeit der großen Festtage sich immer fühlbarer machenden Bedürfnisse nach Predigt und einem geordneten Gottesdienste intcrimistisch, so viel eS ging, abzuhelsen. Man adaptirte die Neusynagoge, führte daselbst einen geregelten Gottesdienst, ganz nach dem Muster deS Tempels, ein, und stellte den auch Ihnen durch seine literarischen Arbeiten vortheilhaft dekannten Dr. Hübsch als Prediger an. Die Bewilligung der Negierung zur Vornahme von Trauungen wurde für ihn, trotz der behördlich geltend gemachten Protestation deS zur Vornahme solcher Akte sich bisher für ausschließlich privileglrt haltenden Geistlichen errungen. Ader wie dankbar auch die Bemühungen deS Vorstandes dieser Synagoge, der mit geringen Mitteln Außerordentliches leistete, anzuerkennen sind, dem Bedürfnisse wurde auch damit nicht ganz abge- Holsen. Die Ordnung und Ruhe, die beim Gottesdienste herrschen, sind anerkennenSwerth, die Predigt des geistreichen Dr. Hübsch findet sogar beim gebildeten Publikum größere Anerkennung, als die im Tempel, aber die Lage der Syna« goge, die beengte Räumlichkeit und die EesangSkräste kaffen noch Manches wünschen, und den Mangel eines andern dem Tempel würdig zur Seite stehenden Gotteshauses noch im« mer fühlbar genug hervortrrtea. Diesem Mangel abzuhelsen, fühlt sich nuu die Meisel« synagoge berufen. Der Vorstand derselben, auS biedern, von dem ernstlichsten Willen und dem heiligsten Eifer für die gute Sache durchdrungenen Männern - wir wollen seiner Zeit die Namen dieser Männer und ihre rühmliche Thätigkeit auch den Lesern dieses DlatteS nrittheilen — bestehend, beschließt in einer Generalversammlung sämmtlicher Synagogenmitglieder eine Adaptirung — keinen Umbau dieser durch ihre günstige Lage, ihr imposantes Innere und durch ihre großen Räumlichkeiten vorzugsweise geeigneten und durch historische Erinnerungen geheiligten Synagoge. Der Beschluß findet die freudigste Anerkennung, dem projektirten Unternehmen wird von den achtbarsten Männern der Gemeinde — ich nenne Ihnen nur die Namen Ritter von Lämel, die Herren Edle v. Portheim, — namhafte Unterstützung zugesichert, die hiesige CultnSgcmeinderepräsentanz, auS höchst intelligenten und für alles Gute eifrig bemühten Männern zusammengesetzt, kommt dem Unternehmen bereitwilligst ent« gegen, und gestattet die Adaptirung, der BanconsenS wird von der politischen Behörde erwirkt, sieh, da tritt — nicht ein Samaritaner Sanballat — sondern daS hiesige Rab» binat diesem Unternehmen hindernd entgegen. Wer hinter demselben steckt, wer der eigentliche Satan ist, der diese guten frommen Männer in den Vordergrund drängt und ihre Autorität zu selbstsüchtigen Zwecken mißbraucht und welche Motive dabei zu Grunde liegen, ist hier Wenigen ein Geheim« uiß. So lange das Unternehmen eben nichts weiter als bloßeS Project ist, an dessen Verwirklichung noch gczweifelt wird, wird dagegen wohl im Stillen intriguirt, aber man tritt nicht offen dagegen ans, ja man thut zum Scheine so, als billige man eS, als freue man sich über einen solchen Fortschritt. Nun wird der Prcdigerposten wol auSgeschrie« den; eS werden die Bewerber zur Abhaltung von Probepredigten eingeladen, Probepredigten gehalten, dieselben finden aber keinen Beifall; die Opposition verhält sich ruhig, daö Rabbinat schweigt, obschon einer der Eompetenten nach seinen Antecedentien zu den entschiedensten Anhängern der Ultrareform gehört. Wozu auch opponiren? Man war überzeugt, daß eine solche Concurrenz nicht zu fürchten sei; ich glaube, man hätte auch gegen die Anstellung deS Einen oder deS Andern keinen Einwand erhoben. Nun aber erscheint ein neuer Competent, ein Mann auS Danzig, Dr. Stein, Rabbiner und Prediger daselbst. Der Mann gefällt. Die Offenheit und Entschiedenheit seineganzen Wesens, seiu bedeutendes Predigertalent, die Sicherheit seines Auftretens, die den seit Jahren in Amt und Würde stehenden geübten Geistlichen auf den ersten Anblick erkennen läßt, seine Klugheit, sowie einnehmende Persönlichkeit, seine Gelehrsamkeit, selbst auf talmudischem Gebiete, alles dieses gewinnt ihm die Herzen Aller. Man erkennt in ihm einen Mann, der rüstig genug ist, und Eigenschasten in sich vereint, wie sie nicht leicht beisammen in , einem Prediger zu finden sind, einen Mann, der geeignet ist, sich eine Gemeinde zu schaffen und hera.-.zubilden, kurz einen Mann, dem eine Zukunft bevorsteht. — Ein solcher Mann ist ein zu fürchtender Rival; der mnß von Vornherein unschädlich gemacht, todtgeschlagen werden. Aber wie daS anfangen? — Die erste Probepredigt mußte berhaltea. — Der Mann entwickelte dariu sein religiöses Programm offen und freimülhig, ohne Zweideutigkeit und Hintergedanken, so, wie eS einem ehrlichen Manne ziemt; ein Programm, mit welchem sich vielleicht eia alter, in verjährter

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