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Ben Chananja · 1863-01-01 · 1 (1.1.1863) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
1 (1.1.1863)
Date
1863-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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5 6 stillen hohen Geist von Einer Seite zur Anschauung zu bringen. Wir thun dies bei Zeiten, damit einsichtsvolle Rabbiner, Prediger und Jugendlehrer in der Lage seien, im Laufe der kommenden Woche eine würdige, die Gegenwart befruchtende Jahrzeitfeier deS Rambam vorzubereiteu. Im Jahre 1836 trat Dr. Geiger mit dem Vorschläge hervor, ln Deutschland zum Dehufe der Gründung einer jüdisch« theologischen Fakultät einen Verein zu stiften. Der Verein sollte am Geburtstage deS MaimonideS, (am Rüsttage deö PeßachfesteS), in'S Leben treten, und MaimonideS- Verein heißen, ״zur Ehre des ManneS, der unS mit seinem wissenschaftlichen Geiste getragen durch die Finsterniß deö Mittelalters, der allen neueren Bestrebungen AnknüpfungS- Punkt war und ift5).״ Dieser Vorschlag fand seiner Zeit bei den deutschen Juden nur schwachen Anklang. Würde die Motion, am nächsten Jahrzeitötage deS MaimonideS den ersten Versuch zur Gründung eines jüdischen Culturvereiirs") zu machen, bei dem ungarischen Israel stärkern Anklang finden? UnS ist eS hi.r zunächst nicht um die Erörterung dieser Frage, sondern um einen kosmopolitischen Ausspruch deS MaimonideS zn thun. Indem derselbe die Ausschließung deS Stammes Levi vom Grundbesitze bespricht, sagt er: ״Warum gelangte der Stamm Levi nicht mit den übrigen Bruderstämmen zum Besitze deS Landes Jsrael'S? weil derselbe auSgesondert war, dem Ewigen zn dienen, und dem Volke die geraden Wege und die gerechten Satzungen GotteS zu lehren, wie geschrieden steht: ״Cie lehren Jakob deine Rechte und Israel dein Gesetz (5. M. 33, 10)." Deshalb bleiben d. Lev. von den welt« lichen Angelegenheiten geschieden: Sie ziehen nicht in den Krieg, und erben und erwerben keine liegenden Gründe. Sie sind daS Heer deö Herrn, wie eö heißt: ״Segne, Herr, sein Heer (Das. V. 11)! und Er, gelobt sei Er, sorgt für sie, wie eS heißt: ״Ich bin dein Theil und dein Erbe (4. M. 18, 20)." Aber nicht nur der Stamm Levi, sondern ein Jeglicher von allen Einwohnern der Welt, dessen Geist ihn treibt und dessen Einsicht ihn lehrt, sich zurückzuziehen, vor Gott zu stehen. Ihm zu dienen und Ihn zu erkennen, der alö Rechtschaffener wandelt, wie ihn Gott geschaffen, und abwirft von seinem Nacken die vielen Rücksichten, welche die Menschen suchen'), erlangt den hochsten Grad der Heiligkeit; Gott ist sein Theil und sein Erbe in Ewigkeit und in die Ewigkeit aller Ewigkeiten und beschert ihm auch, wessen er in dieser Welt bedarf, wie er solches den Priestern und Leviten bescherte. So sagt der König David: Der Ewige ist mein bescheiden Theil and mein Kelch, du bewahrst mein LooS (Ps. 16, 5) *)!" Der aufmerksame Leser erkennt leicht, daß MaimonideS hier seine Lehre vom höchsten Lebenszwecke andeutungsweise vorträgt, und dabet den Peripatetiker uicht verläugnet. AuSführlicher behandelt er diese Lehre in dem ״Führer der Derirrten", dessen Schluß Alles, was früher darüber gesagt wurde, in folgenden Worten deS Profeten JeremiaS kurz ausgesprochen findet: ״So spricht der Ewige, ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichthumö — sondern dessen rühme sich, wer sich rühmen will, daß er mich erkenne und wisse, daß ich der Ewige bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übet auf Erden; denn daran habe ich Wohlgefallen, ist deö Ewigen Spruch (Jerem. 9,22. 23)." Seine filosofisch«haggadische, daS kontemplative und praktische Moment der menschlichen Vervollkommung hervorhebende Erläuterung dieses SchristverseS schließt er mit den Worten: ״Im Geiste dieses Verses besteht die Vollkommenheit des Menschen, welcher er sich in Wahrheit rühme» kann, in der Erfassung der Gotteöidee, so weit dies dem Menschen möglich ist, in der Erkenntniß deS Waltenö der Vorsehung Gottes über seine Geschöpfe, indem er dieselben erschafft und leitet; ferner in einem dieser Erkenntniß gemäßen Wandel, wobei der Mensch stets die Intention hat, Liebe, Recht und Gerechtigkeit zu üven, um in seinem Thun Gott ähnlich zu werden")." Die Dahn zur Erreichung dieser Vollkommenhcit steht nach der von MaimonideS vor 700 Jahren in einem der jüdischen Dogmatik, Ethik und GesctzeSkunde gewidmeten Werke mit begeistertem Schwünge auSgesprochenen Lehre ״allen Bewohnern der Welt" offen'")! Wie beschämend ist diese kosmopolitische Weltanschauung, die ein Rabbi in Nordafrika in der Zeit des zweiten KreuzzugcS vertrat, für manche judcnsresserische Publizisten uu« serer Zeit! Anmerkungen. ') S. Geizers Zischst. 2, 127—135. F. Forschung v. Rapoport und Zacharias; s. ferner Rap. in Keren, Chemed 7, 240—254. — ') Dieselben, 13 an der Zahl, find verzeichnet in Torat ha«K»nast, 36.— *) Zaar. Drwasch an mehrere» Sletleu. Protokolle d. 2. R. V. 131 ff.— 0 Rosch ha—Schöna 18, 6. M. Tora Taan. 5. 2. Cfchkol ha—Koser 92, d. Sude. B- Chan. 2, 545. — ')Wiffensch. Ztschrst. f. jüd. Theol. 2. 20. — *) S. Ben Chanaaja vor. Zhrg. Nr. 41. S. 348. — 1 Anspielung auf Pred. 7, 29. ') Schemitta we—Zotvel 13. 12. 13. — *) More Nebochim 3, 54. — ") Al« Quelle ist ohne Zweifel der Ausspruch R. Meir'S in der B. tkama 38. a. und den Parallelst,sten angeführte- Barajtha anzosehen. Die Distinktion der Gemara das. ließ Maim. füllen. 3» Sifra zu Achar» Math 13. 12 steht für R. Meier wohl fehlerhaft, 9t. Jeremta«. Nie JMlustefotm uni) ihre Regner in Prag. Der junge ConstitutionaliSmuS hat hier Elemente auf die Oberfläche gedrängt, die bei einem gedeihlichen Ent-

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