Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 1 (1.1.1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3 4 uvS kräftig wirken sür-unser Volk, der Ewige aber thue, waS ihm wohlgefälkt (1. Sam. 10, 12)!" Unsere Zeit hat für eine solche gewissenhafte Thätigkeil unlaugbar viel AufmuuterndeS. Alles in der Welt geht jetzt einen unvergleichbar raschern Gang. Statt einer Sonne scheinen jetzt ihrer zehn zu brennen, um über ein kleines daS AuSgestreute zu entwickeln und zur Ernte zuzubereiten. Der Raum zwischen dem Anfänge der Bahn und dem Ziele ist sehr abgekürzt worden, waS in nicht geringem Maße zu ge« meinnütziger Thatigkeit aufmuntern muß. Und die Arbeiter, die der Hebung ihres Stammes und Glaubens Zeit und Kraft widmen, stehen ja nicht mehr vereinzelt, wie in vielen Gegenden noch vor einem Menschenalter! Selbst Diejenigen, die scheinbar für deu Rückschritt arbeiten, tragen nur dazu bei, dem Fortschritte Bahn zu brechen. An Aufmunterung fehlt cS weder auf dem Gebiete wissenschaftlicher Forschung, noch auf dem Felde gemeinnütziger Wirksamkeit. Die wahre, an einer heiligen Gluth entzündete Begeisterung arbeitet aber auch ohne Aufmunterung von außen immer und immer mit dem Gefühle, eS kann mir nicht fehlen! Den Chananja )arf sich daS Zeugniß geben, bisher daS O״gnn solcher Gesinniing gewesen zu sein; er hat den festen Vorsatz, es auch fortan zu bleiben. Roses M Raiiiwii ak Zn feinem JalirzkilStage, am 20. Tebelb. Immer mehr richtet sich in jüdischen Kreisen die Aufmcrksamkeit auf *die Geschicke dcS jüdischen Stammes in allen Zeiten und Zonen, auf den Rcichthum seines SchriftthumeS in verschiedenen Zweigen deS menschlichen Wissens und Er, kennenS, auf die Entwickelung seiner religiösen Ideen und Institutionen während seiner staatlichen und gemeindlichen Eristenz. Gebildete Laien haben allerdings weder Zeit noch Lust, den Geschichtsforschern in daS Labirinth verwickelter Untersuchungen zu folgen. Manches Resultat, daS für den Fachmann von hoher Wichtigkeit ist, scheint ihnen kaum de« achtenSwerth. Innerhalb gewisser Grenzen haben aber auch sie eia lebhaftes Interesse an den Fortschritten und Enttcckungen auf dem Gebiete der jüdischen VolkS-Literatur- und Religionögeschichte. Kompendien, Jahrbücher und Zeitschrislen haben die Erkennruiß jüdisch-historischer Spezialitäten weiten Kreisen zugänglich gemacht. Die Lebenöverhältnisse und schriststellerischeu Leistungen deS großen Mainrottide S sind in ihren weiteren Umrissen wohl allen freundlichen Lefern dieser Blätter gegenwärtig. Als bekannt dürfen wir wohl auch vorauSsetzea, daß die Maimonidischeu Studien in un« serer Zeit einen neuen Aufschwung genommen haben: der erste jüdische Gelehrte der Gegenwart, der Akademiker Sa, lamon Munk in Paris, bearbeitet den auch von Leibnitz benützten und gepriesenen ״Führer der Verirrten״ von MaimonideS auf eine dieses Werkes vollkommen würdige Weise. Der erste jüdische Banquier der Gegenwart, Rothschild, steht der Drucklegung dieses religionöfilosofischen Werkes als Mäcen zur Seite. Die besonnene, wissen, schaftliche, von eitler Spitzfindigkeit und maßlosem Conjekturenschwindel gleich weit entfernte Behandlung religionSgesetzlicher Fragen und Aufgaben knüpft ebenfalls an MaimonideS an, welcher, — wie kein Gesetzeslehrer vor ihm, und keiner nach ihm, — in allen Zweigen der nachbiblischen jüdischen Literatur Korn und Spreu von einander zu scheiden verstand. Sollte eS also nicht zeitgemäß sein, an seinen nahen JahrzeitStag zu erinnern? Ein dem Individuum gewidmeter Cnltuö ist allerdings mit dem wahren Geiste deS Judenthumö nicht vereinbar. Die ganze Reihe der jüdischen ErinnernngStage, der fröhlichen und der schmerzlichen, hat die Feier nationaler Ereignisse zum Zwecke, nicht die Verherrlichung eminenter Persönlichkeiten. Die Festtage der Sabbathäer bezogen sich sämmtlich auf die Person Sabbathai Zewi'S^), und zeigten schon dadurch ihre unjüdische Richtung und Tendenz. Wenn manche Haggadisten den 7. Adar für die Trauer über den Tod Mose's und einige Mitglieder der Frankfurter Rabbinerversammlung daS Fest der Thorafreude zur Erinnerung an Mose bestimmt wissen wollten 3); so liegt auch hierin eine Verkennung deS Prinzips, von welchem alle jüdischen ErinnernngStage auS, gehen. Nach diesem Prinzips sind eö die, bald schützenden, bald strafenden Führungen deS Höchsten, nicht die Leistungen und Schicksale Seiner Sendboten, deren Andenken durch besondere Erinnerungstage und Symbole wach erhalten wer, den soll׳ AIS einzige Ausnahme von dieser Regel könnte daS Fasten am 3. Tischri als Sterbetag deS chaldäisch-jüdischen Statthalters angesehen werden. Ein alter Lehrer schloß in der Thal auS der Anordnung dieses Fastens, baß der Tod der Fromme» eine eben so schwere nationelle Kalamität sei, wie die Einäscherung deS Tempels in Jerusalem. Maim ouideS, der die distinctiven Lehren deS JudeinhumS stets vor Augen hatte, motivirt dagegen daS Gedalja-Fasten von nationellem Standpunkte: ״An dem Tage, an welchem Gedalja ermordet wurde, erlosch die noch übrig gebliebene Kohle Jsrael'S, und wurde dessen Zerstreuung vollendet." Vor MaimonideS hatten schon die Karäer gegen die Personal-Motivirung deS fraglichen Fastens polemisirt. und die nationelle Motivirung an deren Stelle gesetzt. *) Es kann und mithin nicht in den Sinn kommen, im Widerspruche mit MaimonideS einen Maimonideö-EultuS gründen oder propouiren zu wollen. Aber die Absicht dieser Zeilen geht einzig und allein I dahin, daS Gedächtniß deS edlen LehrerS von Kordova und 115274