Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 50 (26.12.1862)
- Date
- 1862-12-26
- Page
- Seite 434 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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434 die Befürchtung angieb:. daß von de» Svunaogenbesiichcri! leicht auf diese Nüsse und EonfitäreS getreten werden könne, was seine rltncslcn Bedenklichkeiten habe, fo wird Jeder leicht zn dein Schlüsse gelangen, daß dieser gelehrte Rabbiner wenig Sinn dafür habe, was nntcr den Begriff ih1׳! Unfug an heiliger Ställe gehöre. Daß dieser Sinn aber auch so manchem reformistischen Prediger in einer bedauerlich ec Weise abgcht. davon gicbt folgender Vorfall in einem rcformirten Tcinvel in der Nachbarschaft dieses Rabbiners ei» betrübendes Zengniß. Nachdem am jüngsten BcrfölmnngStaac der erste Prediger beim MorgcngoltcSdicnstc eine begclstcrndc Predigt gcbalten, ltefien lt,m zwei cnthnsiasttsche Znhörcriniwn sofort als Ausdruck ihres Bcifallo 2 Blnmcnbongnets während des Goltcsricnns. Der neben ihm sitzende Teinpelvorstchcr schien an diesen vlötzlich zum Vorschein gekommenen BongnetS keinen Anstoß zu nehmen, da er wahrscheinlich in denselben eine» dnstcndcn Ersatz für das abrovirtc שושן אירה gefunden. auch fand er es wohl ganz in der Ordnung, daß dem Geistlichen, den er als כהן הגמל verehrt, am Vcrsöhnungötage eine solche Hnldignng von fremden Damen gebracht wurde, da die Tradition ja ausdrücklich für die AmtSvcrrichtnng des hohen Priestern am!"יה die Bestimmung bat: מתקנין לו אשר, אה הה• Was er indessen zu befürchten schien, war, daß diese Huldigung leicht die Eifersucht des zweiten PrcdigerS werden könnte. Doch hlesür wußte er guten Rath. Er tchiektc nämlich seinen Knaben auf die Dauicngallerie nnd ließ!einer Frau die Weisung zngehen, ihrerseits dem zweiten Prediger ein ähnliches Zeichen der Huldigung in Gestalt eines BlnmenstraußcS zmtellen zu lassen, was auch sofort pünktlich ausgeführt wurde. Welch einen tief verletzenden Eindruck dicker Vorgang ans das andächtige Gemüth vieler Tcmvclbcsncher machen mußte, kannst du, lieber Ben Ehananja, leicht ermessen, da man sich an heiliger Ställe, am heiligsten Tage des Jahres plötzlich ins Theater versetzt zu sehen glaubte, wo einem gefeierten Schanspieler oder einer angcbeteten Tanzerin Blumensträuße als Zeichen des Beifalls nnd der Huldigung zngeworsen werden. Und doch hätte hiermit der Unfug noch nicht feilten Höhepunkt erreicht. Denn, was sagst du, lieber B. Eh., erst, wenn dn hörst, daß der erste Prediger hierauf als er die Tribüne zur Abhalluug einer öffentlichen liturgischen Vorlesung betrat, mit Ostcntation die beiden Blumenstränße mithin aufnahm und sie wärcnd seiner Amts- Verrichtung vor den Augen Aller vor sich hin legte? Ist das nicht ein Unfug, der eine laute und scharfe Rüge verdient? Ist das nicht eine Profanisiruug des Gotteshauses und des heiligsten Tages die noch mehr als der erwähnte Unfug des, die noch mehr als der erwähnte Unfug des HerabwerfenS von Consitäres am Simchath Thora von der Weibcrgallerie unter die Jugend öffentlich gegeißelt zu werden verdient? veooruw. Inland. Pefth, 24. Dezember. Durch den eingetretencn Tod eines Bruders des Präses Dr. Hirschler wurde die Generalversammlung, welche am 28. hätte abgehalteu werden sollen, auf einige Tage vcrschoben Dieselbe wird entweder am 4. oder am 6. Jänner abgehalten werden. Der Ausschuß hat in seiner letzten Sitzung bei Abfassung des Budget einen Posten für jüdisch-literarische Arbeiten mit 300 Gulden anfgenommen; die sinanziellen Verhältnisse der Gemeinde erlauben es nicht, vor der Hand zur Unterstützung jüdisch-literarischer Arbeiten eine größere Summe zu bewilligen. Nachdem nnn aus dem Schulsonde im hiesigen Blindeninstitilte für Israeliten eine Stiftung gemacht wurde, so haben d. neuernannten 2 Ausschußmänner, die Herren Jakob Kern und Karl Ullmann dafür gesorgt, daß die Verköstigung der isr. Zöglinge abgesondert und nach jüdisch rituellen Gesetzen geschehe. Es scheint dieser Umstand »och we- »ig gekannt zu sein, denn cs haben sich bis!ctzt nur 3 Zöglinge zur j Aufnahme gemeldet, Ihr Sendschreiben an Trefort erscheint hcntc als Beilage znm! ״Pcster Lloyd." Ich crinnerc mich seit vielen Jahren keines Ereignisses,! welches in der hief. Gemeinde eine so allgemeine, freudige Bewegung , hcrvorgcrnfen hätte, wie dieses Sendschreiben. Undankbar gegen die- I jcnigen, welche das Wort für »11S zu führen verstehen, sind wir Inden j sicherlich nicht. j Prag, 22. Dezember, In der Mciselsynagoge ist wieder ein Eandidat, Herr Dr, Landsberger ans Posen, ausgetreten. Seine ztvcimaligc» Versuche scheinen nicht vom gewünschten Erfolge gekrönt worden zn sein, Vergangene Woche sind die Arbcilcn in dieser Synagogc in Angriff genommen worden, das Einreißcn des Almemvr hat eine etwas heftige Eontrovcrsc prvvoeirt, nnd Napoport hat sich zu einer Ehannkadratcha. die er diesmal in der Altncusnnagoge vortrng, mit aller Energie gegen daS eigenmächtige Verfahren bcö Vorstandes der Meiselsnnagoge geäußert. Wie cs verlautet, sind die Arbeiten in der Mciselsynagoge eingestellt; Herrn Obcrrabb. Rapoport soll von der h. Behörde ein Erlaß zngestcllt worden sein, d. ohne seine Gntheißnng in dieser Angelegenheit nichts weiter geschehen darf. Man ist hier sehr begierig, welche Erledigung dieser schwebende Gegenstand finden wird. — Pest, 17. Dezember. In unserer Töchterschule ist ein sabbatlicher Gottesdienst eingerichtet worden, DaS Verdienst, diese zeitgemäße Institution in'ö Leben gerufen zu haben, gebührt dem wackern Lehrer Roscnbcrg. 8/., Szegedin, 22. Dezember, Am vergangene Sabbatbe wurde der Kantor Katschmarow installirt. Seine reichen Stimmmittel nnd sein ergreifender Vortrag haben ihm den ungethcilten Beifall der ganzen Gemeinde gesichert. Die Notärstelle ist dem rontinirten G o l d h a m m c r, bisher in Stnhlwcißenburg, verliehen worden. Znm Lehrer der VorbcreitnngSklasse wurde der absolvirte Praparandist H e id u s ch k a gewählt. Groß-Kanischa, 19. Dezember. Herr M. Krcmzir, Dr. der Medizin, ist nichi mehr! wir fühlen uns gedrängt, unserem Schmerze Ausdruck zn geben um so mehr, als er bis nahe zn seinem Ende in seiner ärztlichen Laufbahn auf unserem Platze eine höchst achtbare Slellnng cinnahm. Seine Lcistuuge» zeichneten sich aber nicht nur auf dem Gebiete der Medizin, sondern auch auf dem der Journalistik in rühmlichster Weise ans, nnd mehre Blätter der Tagespressc beurkunden in seinen schriststeller'schen Arbeiten daS nnbegränzte Wissen, den tief durchdringenden Geist des Verfassers, besonders als eifrigen Verfechters des JudenthnniS, Er erlag seinem langjährigen Lungeulciden am 6. November in den Armen seines Bruders Hrn Carl in Lrtros (Somogy) und wurde seine irdische Hülle in seinem Geburtsorte Nemet-Lad am 8. bestattet. Friede seiner Asche! L ö w y. — Temesvar, 22. Dezember. Wiewohl cs vor Kurzem noch den Anschein hatte, daß daS hiesige Rabbinat erst nach vollendetem Sinagogcnbaue zur Besetzung komiucn werde, so wurde doch Hr. Hirschfeld, Rabbiner zn Großmeseritsch in Mähren, zum hiesigen Rabbiner gewählt. Ein früherer Beschluß, nach welchem aus den Konkurrenten, b. bis dahin z. Probeprcdigt zugclassen worden waren, drei kandidirt werden sollen, wurde kassirt. Von 60 bis 70 Wählern, die gegenwärtig waren, stimmten 50 für Hrn Hirschfeld. Möge die Wahl der Gemeinde znm Heile und Frieden gereichen! LiterSrische Anzeigen. Der Taimhauser und Ewige Jude. Zwei deutsche Sagen in ihrer Entstehung und Entwickelung, historischmithologisch nnd bibliografisch verfolgt und erklärt von Dr. I. G Th., Größe. 2«te vielfach verbesserte Auflage. Dresden. 1861. 8-0. Besprochen von L. DukeS. (Schluß.) Manche Mährchen dürften schwerlich einer Astegorifirung fähig sein. So z. B. das Mährchen vom Zauberer Merlin '), welches im Mittelalter sehr verbreitet war.