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Ben Chananja · 1862-12-26 · 50 (26.12.1862) · p. Seite 435

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
50 (26.12.1862)
Date
1862-12-26
Page
Seite 435 (sequence 5)
Language
German
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435 Das Mährchen von MerUn enthält manches (SinjcUtc, des da. malS im Volksglauben wurzelte und für die Kulturgeschichte manches Nützliche enthält. Der Zauberer Merlin — so erzählt die mittelalterliche Sage — war der Sohn einer Prinzessin und eines DämonS, welcher in der Gestalt eines Mannes sich ihr genähert hat. Im Mittelalter geschah dieses — dem Volksglauben nach — oster. Unter Jude» war dieses wcnig oder gar nicht bekannt?) Es thnt uns leid, daß wir in diesem Augenblicke nicht angcben können, ob im Sefcc Chaßirim etwas davon vorkömmt. Zn der griechischen Mythologie ist oft erzählt. daß Götter cs nicht vcrschmäheten, sich von den Neitzen sterblicher Frauen binrcißcn zu lassen, unter allerlei Gestalten zu erschenien, und die Tugend edler Franc» oft zu Grunde richteten. Die Folgen dieser Annäherung waren in der Geburt von Halbgöttern sichtbar. Die niittclalterliche fabelhaste Anschanilng hängt so mit der griechischen Fabel zusammcii. Der gesunde Verstand — ein Fremdling im Lande der Mährchen — mochte dennoch gegen das Herabkommen der Götter bescheidene Zweifel gehegt haben. Euripidcs hat J) diesem Zweifel Worte geliehen. Wenn Krensa erzählt, sie habe von App oll o einen Sohn, sagt Jon daraus: ״Nicht so, sic will bemänteln, daß ein Man n gefehlt." Die Dämonen des Mittelalters traten au die Stelle der griechischeu Götter und die Zn c üben standen für die gricch. Halbgötter ein. Die Sage vom Zauberer Merlin beweist, wie alt der Glaube an ZnkubenI ist. Der Zauberer Merlin — so erzählt die Sage ferner — hat als Knabe schon allerlei Profezcihungen gehabt. An und für sich hat dieses für n»S keinen Werth. Es erinnert übrigens an sogenannte Prophezeihungcn. welche der Knabe Na chm an bar Ketufa gegeben haben soll, und welche auch gedruckt sind 5) und wie sich von selbst verstehet, nicht den geringsten Werth haben. So haben Fabeln — wie Wahrheiten auch — ihre viel verzweigten Wahlverwandtschaften, Aehnlichkeiten, welche alle, obwohl an sich nutzlos, ihren Werth für die Geschichte haben.'') Die Sage vom ewigen Juden ist ebenfalls schwerlich zu allegorisiren. Es ist sehr schwer einen vernünftigen oder moralischen Gedanken hineinzulegen, obwohl es an Versuchen nicht gefehlt hat. Die Fabel vom ewigen Juden ist das Produkt eines rohen GemüthS, eines beschrankten rachsüchtigen Menschen. Derjenige, welcher es zuerst erfand — einer muß es doch zuerst gesagt haben — wußte nicht, daß eine solche Fabel nur das tiefste Mitleid für den Gefluchten erweckt, während dem Fluchenden keine Entschuldigung übrig bleibt. Menzel hat den ewigen Juden in gewisser Beziehung mit Faust verglichen. NnS will bedünken, daß zwischen diesen zwei Charaktern keine Aehnlichkeit eristirt. Faust war kein gewöhnlicher Mensch. Das, was man gewöhnlich Gelehrsamkeit nennt, hielt er für unbedeutend- Cs ist dies sehr verzeihlich. Er wollte mehr als gewöhnliche Erkenntniß besitzen. , ES ist dies minder verzeihlich. Cr hat sich — nach den Begriffen seiner Zeit — dem Teufel verkauft. Hierin hat er sich in dem Mittel vergriffen. Er hätte einen guten Engel fragen sollen. Ob er diesen wirklich zuerst fragte und keine Antwort erhielt — was übrigens als sehr wahrscheinlich zu erachten ist — darüber schweigt die Geschichte. Der ewige Jude aber ist von Anfang an eine Null, ist auch so geblieben und wird immer so bleiben. Der ewige Jude hat übrigens mit dem Judenthum selbst nichts zu thun, den Namen ausgenommen, welcher ihm auch nicht gebührt, da derselbe doch — wie früher bereits bemerkt — Christ geworden ist. Seine lange Wanderung soll Strafe sein für seine Sünde, die er einst gegen einen Menschen begangen. Genau genommen war die begangene Sünde des ewigen Inden nur die eines gedankenlosen Schwätzers. Wenn aber alle gedankenlose Schwätzer ewig leben würden, zur Strafe für ihr Geschwätz, so wäre dieses zugleich eine Strafe für die sterblichen Zu- Hörer, welche möglicher Weise in ihre Gesellschaft fallen können. Daß der ewige Jude seine Reisen nicht veröffentlichte, ist sehr bedauerlich. WaS er gelernt und waS er vergessen hat, hätte man daraus ersehen können. Die Geschichte des Tannhäuser ist einer Allegorie fähig. Ursprünglich mochte die Erzählung nur die wirkliche Entsührnng eines jungen Mannes zum Inhalte gehabt haben. Ein altes deutsches Sprichwort sagt: ״Der treue Eckhart (das Gewissen) warnt jederman." Hier ist die Erzählung vom treuen Eckhart schon allegorisirt.') Die ursprüngliche Erzählung kann sich in eine Fabel verwandelt haben, und kann ganz allegorisch ausgesponnen werden?) Anmerkungen. ') Vergl. 8pecimen of early englisch inetrical romances — — by G. Ellis. London, 1805 I. 8. 195 ff. 2) In der Sammlung talmudischer Gutachten von R. Mair Lublin ist ein solcher Fall zur Betrachtung vorgeführt. Die Antwort, d!e derselbe darüber giebt, ist -wiewol mit einer dicken Kruste von talmudischer Gelehrsamkeit umgeben — würdig eines Philosophen. Dr. Pilli hat in seinem Briese (zu Ende unseres Schice Schlomo abdruckt) bereits die Aufmerksamkeit auf dieses Gutachten gelenkt. ^) Ion v. 350 (HartungS Ncbersctzung). Dieser Gedanke übrigens mochte wohl auch dem polnischen Rabbi vorgeschwebl haben. (Vergl. die vorhergehende Note). Derselbe hat den Gedanken zwar nicht ausgesprochen, hat ihn aber errathen lassen. 4) Vergl. das im Note 1 angeführte Buch S. 205. 211. Ueber Jnkub c n vergl. auch unsere Bemerkung oben S. 371. Note 25. ף Wenn wir nicht irren — in dem Misle Aßaf von Jizchak Satnow. Es wurde diese närrische Produktion auch kommentirt. Vergl. auch AehnlicheS in D' Herbloi Bibliotheque orientale Art. Giorage. Es ist dort von 2 jüdischen Kindern die Rede, welche in der Wiege gesprochen haben sollen. ") Im Vorbeigehen mag auch hier bemerkt werden, daß die alte Natnrgcschich e, welche auf sehr schwachen Füßen stand, die Möglichkeit von באמבטי נתעברה zugegeben hat. Daß dieses nicht wahr sei, ist i berflüssig zu bemerken; es mag aber gar nicht überflüssig!ein, hier anzusühren, daß Sir Thomas Brown im 17. Jahrhundert roch für nothwendig fand, die Unrichtigkeit dieser Ansicht unt r die verbreiteten Jrrthümcr zu zählen. Das Buch von Sir Thowas Brown ist betitelt Enquiries into vulgär and cornon Errors. Es wurde vor einige» Jahren auch in der Sammlung von Bohn abgedruckt. Es ist dieses Buch eben so gelehrt als lehrreich und intereffrnt. T) Eiselin Anhang zu seinem Auszuge der deutschen Grammatik von Jako b G rimm. *) In der größten Allgemeinheit könnten auch die Worte Misle 7, 5 ff. zur Vergleihung dienen. Szegedin, Selbstverlag der Redaktion. Leipzig, Lommisstons-Verlag von Frans Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.

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