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Ben Chananja · 1862-12-19 · 49 (19.12.1862) · p. Seite 426

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
49 (19.12.1862)
Date
1862-12-19
Page
Seite 426 (sequence 10)
Language
German
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vcrer Zuversicht hafte ma:t erwarten, daß d. Akademie, als die wissenschaftliche Vertreterin der mugarischen Nation, das der Nation geraubte Werk sieb inhaltlich erschließen, oder doch Notiz davon nehmen werde. Hier batte sich Gelegenheit geboten, die mittelalterliche Filososie naher in's Auge zu fassen, das spekulative Ringen und Streben der arabischeu und jüdischen Schulen von W asil ibn Ata und David al-Mokammez bis Ibn Ru scbd (Averroes) und Maimonides , - die Mutazila, den S ufiSnins und den Sieg des Aristotelism -zu schildern, und dabei den hoben, nnsterblichen Dienst anzuerkennen, welchen Araber und Inden durch Vermittelung der Kenntniß deS Aristoteles für das Abendland, der Kultur des Geistes geleistet haben. In der ersten Reibe der Forscher, welche diese Periode der Geschichte der Filososie mit glanzendem Erfolge bearbeiten, steht mein edler Glaubensgenosse Salomon Munk in Paris, der sein Vaterland Preußen verließ, weil daselbst für ihn, den Juden, kein Wirkungskreis vorhanden war, wie denn unsere Doktoren Grubv und Mandel spater ans gleichen Motiven Gleiches gelhan haben. Munk ist Mitglied ״des Instituts״ in Paris, und seinen Arbeiten über die Filosofie des Mittelalters wird von Männern, wie Franek, Iourdain, Hanrsiau, Karl Ritter, die wohlverdiente Anerkennung gezollt.;t) Ich sübre alles dies nur an, um darzuthuu, daß eö sich hier nicht um speziell jüdische, sondern um Fragen und Gegenstände handelt, welche berechtiget sind, das Interesse einer Körperschaft in Anspruch zu nehmen, welche den Berus und die Ausgabe hat der Fahne wissenschaftlicher Forschung zu folgen. Die uugarische Akademie bat aber das merkwürdige Werk des Aron b. Elia, welches zwei Jahrhunderte hindurch in O fe n bewacht wurde, keines Blickes gewürdiget! — Gleichwol bin ich weit entfernt, der Akademie hieraus einen Vorwurf zu machen. Unsere vaterländischen Verhältnisse und Zustände sind so beschaffen, daß die Leistungen der Akademie eine mehr nationelle Tendenz haben müssen. Auch ist die Akademie bei weitem nicht so reichlich dotirt, daß sie ihre Mitglieder in den Stand setzen konnte, auch ferner liegenden, mit der Vrariö deS Lebens nur in schwachem Zusammenhänge siebenden Untersuchungen Zeit und Kraft zu weihen. Beachtenswert!) bleibt es aber immer, baß die Akadeinie ihr Stillschweigen über die Juden nicht mit einer rein wissenschaftlichen, sondern mit einer politischen Erörterung brach! Ich glaube, auch diese Erscheinuug erklären zu könne». Der Ungar politisirt auch dort, wo er silosofiren will, während zum Beispiel der Deutsche nicht selten auch dort filosofirt, wo er sich die Aufgabe gestellt Hai, zu politisiren l Der Ungar hat sich dieser seiner Vorliebe für das Politisiren sicherlich nicht zu schämen. Sagt ja Alerauder von Humboldt: ״Wenige Völkerstämme bieten in ihrer Geistesbildung und in der Richtung ibrer Gefühle, wie sie durch entartende Knechtschast, oder kriegerische Wildheit, oder ausdauerndes Streben nach politischer Freiheit bestimmt worden ist, mannigfaltigere und wundersamere Abstnsnugen dar, als der finnische Stamm in leinen sprachverwandte» Unterabtbeilungen. Wir erinnern an jene, jetzt so friedlichen Laudlente, bei denen das Epos aufgefnnden worden, an die lange mtt Mongolen verwechselten Hunnen, und an ein großes und edles Volk, die Magyaren.V Sie sehen. Verehrtester Herr, ich nehme keinen Anstoß daran, daß Sie die Akademie zur Emanzipations-Arena gewählt haben. Auch bin ich, da ich Ihre politische Riehtnng genau kenne, vollkommen überzeugt, daß Sie es mit der bürgerlichen Gleichstellung der Juden ernstlich meinen. Sie gehörten vor nahe an zwanzig Jahren mit dem hochbegabten B. Josef Kötvös, dem ge ist r., leider zu früh verblich. Jos. Iriiiyi u. d. treffl. Mor. Lukärs zu den Haupt Mitarbeitern d. v. unserm gemeinschastl. Freunde, dem tiefsinnigen Juristen und gedankenvollen Geschichtschreiber Ladislaus Szalay, redigirteu, wahrhaft liberalen und ettianzipationösreundlichen l’esti Uiila!», in welchem es auch mir vergönnt war, für d. gute Recht meiner Stamm- und Glaubensgenossen in die Schranken .zu treten. Ja, schon 1838 betheiligteu Sie sich an der Budapester Revue, welche I׳'ä'>tvö8'S berühmte Abhandlung zu Gunsten der Emanzipation der Juden und aus Ihrer Feder geflossene volkswirthschaftliche Aufsätze brachte, deren Inhalt mittelbar auch der Emanzipation daS Wort redete. Auch ist es mir nicht unbekannt, daß Sie 186 t als ReichötagSdeputirter die Emanzipation mit in Ihr Programm anfnahmen. Je bereitwilliger ich aber alles dies anerkenne, desto tiefer mnß ich es bedauern, einigen sehr wesentlichen Punkten Ihres akadei.iischen Vortrages mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Hätte ich Ihren ganzen Vortrag zu analisiren, >oürde ich bekennen müssen, daß mir derselbe in der Luft zu schweben scheint. Eine Studie über die gesell schastlichen Zustände in Ungarn muß von ethuograsischein Standpunkte aus ge Heu: dies ist die unerläßliche Foderung der ungarischen PopulationSverhältuiffe. Sie haben dies selbst gefühlt, und Sie sagen, indem Sie sich auschicken. den Bauer zu charakterisireu, daß ״hier der Unterschied nach Volksstännnen und Gegenden sehr groß ist." Sie gehen aber ans diesen Unterschied weiter nicht ein. Nun werden Sie aber schwerlich im Ernste behaupten wollen, daß das, was Sie von unseren Bauern sagen, in gleichem Maße von den ungarischen, slovakischen, serbischen, deutschen u. rumänischen Bauern gilt, und daß den Bauern

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