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Ben Chananja · 1862-12-19 · 49 (19.12.1862) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
49 (19.12.1862)
Date
1862-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage znm ״Ben Chananja" Ne. 49 Sie ungarischen Juden nor dein form der nng. ÄLadeinie. Offenes Sendschrcibe» au den Hrn. Akademiker August Tresor t. Verehrtester Herr! Eö dürfte schwerlich eine Akademie der Wissenschaften oder überhaupt eine zu gelehrten Zwecken verbundene Körperschaft vorhanden sein, in deren Schoße nicht auch Fragen zur Sprache kamen, welche Juden und Judenthum betreffen. Wie könnte eö auch anders sein? Die wissenschaftliche Forschung kann nicht umhin, auch den Juden und der imposanten, Achtung gebietenden Literatur derselden ihre Aufmerksamkeit znzuwenden. Es ist mithin natürlich, daß auch die korporativen Vertreter wissenschaftlicher Forschung sich von Zeit zu Zeit angeregt fühlen, jüdische Themata in Erwägung zu ziehen. Die Erörterungen beziehe» sich bald auf die Geschicke der Juden (politische oder Vvlksgesibichte), bald ans deren BildungSzustände (Kulturgeschickte), bald auf ihre wissenschaftlichen Leistungen (Literaturgeschickte), bald auf ihren Kultus (Religionögeschichte). Die Juden haben sich in die Tafeln der Geschichte so tief hineingegrabeu, daß es nickt möglich ist, sie zu übersehen und zu übergehen. Die Tafeln ker Geschichte zu zerbrechenvermag aber keine menschliche Haud. Die wissenschaftliche, namentlich geschichtschreibende Produktion kann den Juden ebensowenig ignoriren, als ihn die landwirthschaftliche Produktion in Ungarn ignoriren kann. Für jene ist znnä! st der Jude der Vergangenheit, für diese der Jude der Gegenwart unentbehrlich. Die ältesten und ehrwürdigsten Elemente des jüdischen Schriflthumeö, die Bücher der heiligen Schrift, werden von Akademien und nichttheologischen gelehrten Körperschafteil nur von der filologischen und archäologischen Seite in Betracht gezogen; die Erforschung ihres Inhaltes wird der Theologie überlassen. Für diese ist die jüdische Bibel von höchster Wichtigkeit. Sie werden eS vielleicht frappant finden, daß ein prolestantischer Pfarrer, C. Stöter zu Kirchberg im Braunschweig'schen, im Jahre 1834 eine Ab- Handlung unter dem Titel ״Altteftamentliche Studien, ein Bewahrungömittel vor dogmatischer Verfinsterung" schrieb, und daß der berühmte Superintendent Röhr diese Abhandlung in seinem ״Magazin" abdrucken ließ. Die nachbibl. jüd. Geschichte u. Literatur hat öfters d. Aufmerksamkeit auch nicht theol. gel. Körperschaften auf sich gezogen. Sie gestatten mir nur einige Beispiele anzuführeu. Die königliche Akademie der Inschriften und schöne» Wisfenschaften in Frankreich hat im Jahre 1821 die Prüfung des bürgerlichen, literarischen und kommerziellen Zustandes der Inden in Frankreich, Spanien und Italien zum Gegenftande einer Preisfrage gemacht. DaS auf den Preis konkurrirende Werk: ״Die Juden im Mittelalter, historischer Versuch über ihren bürgerlichen, literarischen und kommerziellen Zustand" von Depping erhielt 1823 eine sehr ehrenvolle Erwähnung. Es erschien nmgearbeitct 1834 in Paris und als Nachdruck 1844 in Brüssel. Im I. 1833 stellte die königl. preußische Rheinuniversität die Preisfrage: ״WaS hat Mohamed aus dem Judenthume ausgenommen?" Den Preis erhielt Dr. Geiger, gegenwärtig Rabbiner zu Breslau. Vor zwei Jahren hielt der Graf Foucher de Ca-!־eil in Paris in der Akademie der moralischen unk politischen Wissenschaften drei Vorlesungen über ״Leibnitz, die jüdische Filosofie und die Kabbala," welche 1861 auch in besonderem Abdrucke erschienen?) In einer Sitzung der Akademie zu Metz besprach Gerson den Levi voriges Jahr Hie Verdienste, welche sich Leopold Dukes, ein Preßbürger, um die jüdische Literaturgeschichte erworben hat?) An der k. k. Akademie zu Wien halten die Doktores Müller (Katholik) und Goldenthal (Jude) von Zeit zu Zeit Worträge über Gegenstände der jüdischen Alterthumökunde und Literatur. Dagegen ist mir nicht bekannt, daß an irgeud einem wissenschaftlichen Institute die Frage der Judenemanzipation einer Prüfung unterzogen worden wäre. Bei der ungarischen Akademie tritt, seitdem Sie, Verehrtester Herr, Ihre Rede über ״die Gesellschaft in Ungarn" gehalten haben, das diametral entgegengesetzte Verfahren hervor. Von archäologischem, filosofischem und historischem Standpunkte ist, so viel mir bekannt wurde, noch kein jüdischeS Thema besprochen worden. An Gelegenheit hierzu hat eö wol schwerlich gefehlt. Ich gestatte mir nur, Sie auf das 1346 vollendete Sistem der ReligionSfilosofie des Karäer'ö Aron ben Elia aufmerksam zu machen, welches 1841 in Leipzig erschien. Die Handschrift, welche dieser Ausgabe zu Grunde gelegt wurde, gehört, wie der Heransgeber, Dr. Delitzsch, in der Vorrede bemerkt, zu ben kostbarsten Schätzen der Stadtbibliothek in Leipzig, und stammt höchst wahrscheinlich aus der Bibliothek des großen Königs Matthias EorvinuS! Sie wurde im Herbste 1469 zu Koustantinopel von Josef ben Saadia vollendet, und kam in Folge der Eroberung von Ofen, 2. Spt. 1686, nach Deutschland. Je weniger nun Aussicht vorhanden war, daß das kostbare Manuskript jemalS in seine Heimat zurückkehren werde, mit desto siche-

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